Autor

Silke

Schottland II

von Silke

Nachdem wir uns von dem Schock erholt hatten, dass wir wahrscheinlich nicht so einfach Unterkünfte für unsere Schottland-Rundreise finden würden, wie wir uns das gedacht hatten, fuhren wir also an Tag 3 weiter in Richtung Westen.

Die Ziele waren der See Loch Lomond sowie der Trossachs-Nationalpark. Auch hier war der Tourismus im vollen Gange, sodass es schwierig war, überhaupt einen Parkplatz zu finden, aber wir haben uns da irgendwie durchgemogelt.

Loch Lomond & Trossachs

Unsere Unterkunft war ein schnuckeliges B’n’B direkt am Loch Long, was eigentlich gar kein See ist, sondern Meereszugang hat. Das Haus gehörte einst dem Dorfarzt und war entsprechend kuschelig eingerichtet. Was so romantisch anmutet, täuscht allerdings: Die heruntergekommene Struktur im Wasser ist eine aufgegeben Torpedo-Teststation.

Luss

Nun, da wir eine Basis mit supernetten Gastgebern hatten, konnten wir die Gegend ausgiebig erkunden. Wir besuchten das alte Fischerdorf Luss am Loch Lomond.

Natürlich hatten wir hier mal wieder massiv Glück, denn der halbe Parkplatz war von einer Filmgesellschaft aufgebraucht. Und tatsächlich war dann auch das gesamte Dorf teilweise für Fuß- und Autoverkehr gesperrt. Die Filmcrew war aber sehr nett und gab während der Wartezeiten bereitwillig Auskunft. Angeblich wurde eine BBC-Kinderserie, eine Neuauflage eines beliebten britischen Klassikers, gedreht. Wir haben sogar einen Kinderstar sehen können. Woran wir das erkannt haben? Am Designer-Pulli – kein Kind würde so ein graues Monstrum freiwillig anziehen.

Conic Hill

Eine weitere Attraktion, die wir uns nicht entgehen lassen wollten, war der Conic Hill. Das Wetter hatte sich mittlerweile richtig herausgeputzt, und wir schwitzten uns also den Berg hoch … und hoch … und hoch. Der Weg nahm ungelogen kein Ende. Immer wieder kamen uns fröhliche Wanderer mit Kleinkindern und Hunden entgegen. Da dachten wir uns, weit kann es ja nicht mehr sein zum Gipfel. Wenn die schon ihren Dackel da hoch kriegen …

Die hübschen Steintreppen waren ja auch sehr hilfreich, wenn auch zahlreich, doch leider hörten auch die irgendwann auf (denn sie wurden noch gebaut, hallo Bauarbeiter-Crew!), und dann hieß es, die rutschige Bergflanke hoch. Als ich dachte, es käme nicht noch oller, kam es noch oller. Die Kuppe war felsig, und nun gab es gar keinen Weg mehr und jeder war auf sich allein gestellt.

Getreu dem Motto: „Hoch komm ich immer!“ bin ich also da hoch, und der Ausblick hat natürlich die Mühe entlohnt. Das Motto geht allerdings noch weiter: „Runter komm ich nimmer.“ Tja, ganz ehrlich, die Erinnerung bricht hier ab. Irgendwie bin ich wohl wieder runtergekommen, ohne mir dabei das Bein zu brechen oder den Knöchel zu verdrehen. Aber ich habe wohl eine ziemlich blumige Sprache verwendet, was so einige Touristen schockiert haben dürfte, denn ich kann ziemlich gut auch auf Englisch fluchen.

Benmore Botanic Garden

Ein weiterer, sehr lohnenswerter Ausflug führte uns dann noch zu einem botanischen Garten: Benmore Botanic Garden.

Ein weitläufiges und auch hügeliges Gelände mit tollen Anlagen von heimischen und exotischen Gehölzen und Gräsern. Der Park war so groß, dass wir uns zeitweise ganz allein wähnten. Farne, soweit das Auge reichte, dazu uralte Bäume, plätschernde Bäche, Heidekräuter … Es sollte uns einen kleinen Vorgeschmack geben für den nächsten Abschnitt unserer Reise: Glencoe.

Zu Abschluss noch ein paar Fotos aus dem Botanischen Garten.

Schottland I

von Silke

Ja, mich gibt’s noch, keine Panik. Ich war nur eine Zeit lang weg. Und als ich wieder da war, war ich erstmal ein paar Wochen krank. Danach war ich beschäftigt. Aber jetzt geht es mir wieder besser, und ich habe auch wieder ein wenig mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben.

Ach ja – Wo ich war? In Schottland. Das war sehr schön! Seit Wochen brennt es mir daher unter den Fingern, ein paar meiner Eindrücke mit euch zu teilen. Denn einmal Reisebloggerin, immer Reisebloggerin, wie man so schön sagt. Außerdem bin ich ja so der Typ, der an keiner Burg einfach so vorbeifährt. Wer also Interesse hat an schottischer (und sogar englischer) Geschichte, der wird diesen Reisebericht bestimmt ganz interessant finden. Ich gehe davon aus, dass er lang wird, deshalb beginne ich mal mit einem ersten Teil.

Bamburgh

Obwohl Schottland auf dem Programm stand, musste ich zunächst nochmal kurz nach England fahren, um dort eine Burg zu besuchen, die schon lange auf meiner To-Do-Liste steht: Bamburgh. Das beeindruckende Bauwerk befindet sich auf einem Felsen direkt an einem breiten weißen Sandstrand und zählt zu den größten Wehranlangen der britischen Inseln.

Die imposante Festung an der Küste von Northumberland im Nordosten Englands wurde im 6. Jahrhundert als Sitz der angelsächsischen Könige von Northumbria gegründet. Im Mittelalter war die Burg ein strategisch wichtiger Ort, der sowohl in den Kriegen gegen die Schotten als auch während des englischen Bürgerkriegs eine Rolle spielte.

Aber es gab auch einen zweiten Grund, warum ich unbedingt nach Bamburgh wollte: Bebbanburg! Die Burg ist zwar nicht Drehort, aber immerhin Schauplatz der bekannten Netflix-Serie „Das letzte Königreich“, was im übrigen eine Verfilmung der gleichnamigen Buchreihe von Bernard Cornwell ist. Der Hauptcharakter Uthred verliert als Kind das Anrecht auf sein Erbe, eben besagte Burg, und kämpft zeit seines Lebens darum, dorthin zurückkehren zu dürfen. Die Bücher haben mir zwar weniger gut gefallen, aber die Serie macht einen Riesenspaß. Da es auf Bamburgh Castle eine Ausstellung mit Kostümen und Requisiten zur Serie gibt, musste ich natürlich unbedingt hin!

Gleichzeitig musste ich allerdings auch einen ziemlichen Schock überwinden, denn Bamburgh – so beschaulich der Ort auch war – war brechend voll! Was wir vergessen hatten bei der Planung: Die Briten hatten ja auch Sommerferien! Eigentlich hatten wir geplant, unsere Rundreise durch Schottland mit vollster Spontaneität durchzuführen. Jetzt stellte sich nach einem Blick auf die üblichen Hotelbuchungsseiten und Unterkunftsanbieter heraus, dass das gar nicht so einfach sein würde. Je abgeschiedener der Ort, desto ausgebuchter. So mussten wir ein wenig umdisponieren, aber ich denke, wir haben es am Ende trotzdem ganz gut hingekriegt. Dazu später also mehr.

Immerhin konnten wir – spontan – unseren Aufenthalt in Bamburgh verlängern, auch wenn ein Zimmerwechsel vonnöten war. Da es vom Keller unters Dach ging, waren wir darüber nicht allzu traurig. Wir konnten sogar den Sonnenuntergang über der Burg von unserem kleinen Balkönchen aus sehen!

Lindisfarne (Holy Island)

Der Grund für die Verlängerung unseres Aufenthalts in Northumberland war die Insel Lindisfarne, die nicht weit von Bamburgh zu finden ist. Sie ist über einen Causeway mit dem Festland verbunden, das heißt eine Straße, die zeitweise überflutet ist. Das sorgt offenbar immer mal wieder für brenzlige Situationen, besonders für Touristen, aber wer sich vorher erkundigt, wann Flut ist, kommt ganz gut hin und weg. Alternativ gibt es aber wohl auch eine Personenfähre.

Lindisfarne wird auch Holy Island genannt. Die Insel mit dem dazu gehörigen Kloster war im 7. Jahrhundert (!) ein bedeutendes Zentrum des frühen Christentums in Großbritannien. Die Insel erlangte historische Bedeutung durch den Wikingerüberfall von 793, der als Beginn der Wikingerzeit gilt und tiefgreifende Auswirkungen auf die angelsächsische Geschichte hatte. Die armen Mönche hatten natürlich keine Chance, Insellage hin oder her.

Auch hier wieder ein Popkultur-Bezug: Wer die erste Staffel von Vikings kennt, wird sich bestimmt erinnern. Auch im Letzten Königreich wird die Insel öfters erwähnt. Vom Kloster steht heute nicht mehr all zu viel, und das, was steht, ist späteren Jahrhunderten zuzurechnen und fällt nicht in die Zeit der ersten Wikinger-Einfälle. Dennoch, ein hübsches Plätzchen mit einem tollen Blick über die Küste von Northumberland.

Zum Abschluss noch ein paar weitere Fotos von Lindisfarne. Der nächste Beitrag erzählt dann wirklich von unserem Aufenthalt in den schottischen Highlands! Freue mich über eure Kommentare unten!

Happy Buchstag!

von Silke

Heute wird die „Kaufmannswitwe“ ein Jahr alt! Es war eine aufregende Reise voller Ups und Downs. Hier ein Aufriss:

29.8.22: Während die „Agnes Bernauer“ erfolglos von einem Verlag zum nächsten tingelt, mache ich mich an das nächste Projekt. Ich lese mich grob in meine Themen ein (der Verrat der Agnes von der Vierbecke und die Große Fehde von Dortmund) und beginne, mir über den Plot und die Figuren Gedanken zu machen.

18.9.22: Die Recherche beginnt. Ich konsultiere Bücher und Webseiten über Dortmund, die Hanse, die Grafschaft Mark, Altena und mittelalterliche Fehden, ich studiere historische Bilder und Karten, höre Podcasts und reise später auch vor Ort, um die Schauplätze zu begehen.

14.11.22: Parallel zur Recherche beginne ich mit dem Manuskript.

15.3.23: Die KI wurde befragt – Ein Titel ist gefunden. Zwar nicht direkt, was die KI vorgeschlagen hat, aber ein Mix davon. Hier ein paar andere Vorschläge: „Winter auf der Burg“, „Die Reise nach Dortmund“ und „Der Verrat von Neyse“.

28.3.23: Ich geb das Cover in Auftrag. Das Model der „Kaufmannswitwe“ finde ich selbst bei Shutterstock, den Rest steuert die Designerin bei.

3.4.23: Ich informiere meine Agentin, dass ich beschlossen habe, ein Buch im Eigenverlag herauszubringen. Sie hat keine Einwände, warnt aber davor, es unter meinem „echten“ Namen zu tun für den Fall, dass ich mir diesen bei den Verlagen „verbrenne“. Ich ignoriere den gut gemeinten Rat und hoffe darauf, dass meine Debütleser mehr von mir lesen möchten. Kurz darauf kündige ich den Vertrag auch mit ihr.

24.4.23: Der Autor Tom Melley ist ein Goldstück und hilft bei technischen Fragen – er schickt mir mögliche Suchbegriffe und Keywords für Amazon KDP und die Barsortimente, erklärt mir Platzierungen und Preise, Abläufe und Terminplanungen.

28.4.23: Ich gebe dem klassischen Literaturbetrieb eine letzte Chance und reiche das Manuskript beim Amazon-Verlag Tinte & Feder ein. Ich höre nicht zurück.

14.5.23: Einer meiner beiden Testleser/Lektoren schickt mir das Manuskript mit Anmerkungen zurück und schreibt dazu: „Chapeau!“

24.5.23: Ich beginne mit dem Buchmarketing.

25.5.23: KDP gratuliert mir, und mein Herz rast vor Aufregung – das Buch ist erfolgreich eingestellt und kann nun vorbestellt werden!

27.5.23: Ich bestelle einen ersten Probedruck des Prints bei ePubli.

27.5.23: Das Blogger-Marketing läuft an. Büchertanz bekommt das erste Vorab-Exemplar elektronisch zugestellt.

28.5.23: Da mein Nachbar bei Meta arbeitet und kostenlose Credits erhält, kann ich mir den Luxus erlauben und bei Facebook ein wenig Werbung schalten.

25.6.23: Das Taschenbuch von „Der Verrat der Kaufsmannswitwe“ erfährt einen „soft launch“ und ist ab heute bei ePubli zu bestellen.

4.7.23: „Der Verrat der Kaufmannswitwe“ bewirbt sich für den Selfpublisher-Buchpreis, gewinnt aber nicht.

6.7.23: Es ist so weit! „Der Verrat der Kaufmannswitwe“ ist als eBook bei Amazon erhältlich!

7.7.23: Auf Büchertanz erscheint ein Interview mit mir.

9.8.23: Ich kontaktiere Buchhändler in der Region und bewerbe mein Buch. Mindestens ein großer Händler (in der Dortmunder Fußgängerzone) stellt es prominent ins Regal.

24.8.23: Ich kontaktiere die lokale Presse und finde einen interessierten Redakteur, dem ich ein Rezensionsexemplar zuschicke. Leider verabschiedet er sich kurz darauf sang- und klanglos für ein Jahr in Elternzeit, ohne das Buch vorher zu rezensieren.

15.9.23: Das Buch wird als erstes Selfpublisher-Buch überhaupt auf der Histo-Couch rezensiert.

1.10.23: Das Buch wird von Amazon für den gesamten Monat Oktober als Sonderangebot ausgewählt und ist zum halben Preis erhältlich. Es wird in dieser Zeit über 800 Mal gekauft.

28.11.23: Ich fragte mich, ob man das Buch auch als Hörbuch herausbringen kann und beginne mit Nachforschungen.

1.12.23: Mein Interview erscheint in der Zeitschrift „Der Selfpublisher“, wo ich auch über die „Kaufmannswitwe“ spreche.

19.1.24: Mit der Schauspielerin Stella Burr finde ich eine tolle Sprecherin für das Buch. Das Hörbuch befindet sich derzeit in Produktion.

20.2.24: Das Hardcover ist nun auch im Handel.

6.5.24: Amazon KDP lädt mich zur Teilnahme bei Prime Reading ein. Das bedeutet, den Sommer über wird „Der Verrat der Kaufmannswitwe“ für Prime-Nutzer kostenlos zur Verfügung stehen.

Stand 2.7.24: Das Buch hat sich seit Erscheinen über 2.500 mal verkauft, und es wurden mehr als 2,35 Millionen Seiten auf KindleUnlimited gelesen, also ungefähr noch einmal 5.000 gelesene Bücher.

FAZIT: „Verbrannt“ habe ich meinen Namen offenbar nicht. Im Gegenteil, der Erfolg dieses kleinen Büchleins hat mich umgehauen. Natürlich lief nicht alles glatt – Blogger und Journalisten haben sich nicht mehr gemeldet, der ein oder andere Rezensent hatte inhaltlich was zu bekritteln, und ich werde mit dem Buch niemals einen HOMER-Preis erhalten (es werden nur Verlagsbücher zugelassen). Aber immerhin musste das Manuskript nicht in der Schublade versauern, und es hat viele LeserInnen sehr gut unterhalten. Danke an alle Leser, ihr seid super!

Hier geht’s zur Buchdetail-Seite mit allen Infos zu „Der Verrat der Kaufmannswitwe“.

Leserbriefe

von Silke

Es ist 8.00 Uhr morgens an einem Sonntag. Ich schlummere friedlich vor mich hin, da lässt mich das Telefon auf dem Nachttisch wissen, dass es aus dem nächtlichen Schlaf erwacht ist (dazu muss ich sagen, dass sich mein Handy um 22.00 Uhr automatisch auf stumm stellt). Mein Kopf fährt hoch, für einen Moment weiß ich nicht, wer ich bin und wo. Der Blick gleitet zum Handy, das mit einer Nachricht aufleuchtet. Sofort galoppiert mein Herz los. Es könnte wichtig sein. Ja, ohne Scheiß, das könnte es. Gerade meine Verwandten haben die Tendenz dazu, in der Nacht zu versterben. Also strecke ich den Arm aus, um die Nachricht zu lesen.

Man muss dazu wissen, dass ich mittlerweile ohne Lesebrille fast blind bin. Wie ein Maulwurf blinzele ich also auf die verschwommenen Buchstaben und versuche, aus den Schnörkeleien einen Sinn zu erpuzzeln. Das Problem an der Sache ist, dass allein diese Anstrengung dafür sorgt, dass ich nun komplett wach bin und Schlaf für den Rest des Tages vergessen kann.

Nun gut, also eine Nachricht. Das Gute: Niemand ist tot, schwerkrank oder verletzt. Das Schlechte: Es ist eine Leserrückmeldung.

Jetzt muss ich dazu sagen, ich freue mich, wenn Leser sich so intensiv mit meinen Büchern beschäftigen, dass sie hinterher erstmal Dampf ablassen müssen. Es zeigt mir, dass die Geschichte und die Figuren auch über die letzte Seite hinaus für einen Moment in ihnen weiterleben. Als Autorin kann ich mir nichts besseres für mein Werk wünschen. Doch hier ist das Problem: Warum ich? Warum greifen LeserInnen anschließend zu einem Medium ihrer Wahl und erzählen mir, der Autorin, von ihren Erlebnissen? Ich bin mir sicher, sie tun es mit den besten Absichten. Auch wenn ich immer wieder erstaunt darüber bin, dass fast jeder es schafft, mich zuerst mit Lob zu überschütten und dann mit einem „Hauch“ von Kritik abzuschließen, was dann das Vorhergesagte in meinem Autorinnengehirn quasi negiert. Ihr müsst verstehen, ich bin zu einem großen Teil anglophon sozialisiert worden. Da herrscht die so genannte Sandwichtechnik: Man lobt, dann kritisiert man, dann lobt man. Heraus kommt ein fuzzy feeling, sodass der Empfänger dann mit der geschickt verpackten Kritik besser umgehen kann. Doch hier in Deutschland klingt es eher so: „Geile Geschichte, da ignoriere ich mal die das/dass-Fehler. Danke, tschüss.“

Und hier also gleich das zweite Problem. Wie soll ich als Autorin auf diese Art der Kommunikation reagieren? Ich versuche, es meist mit Grazie und Würde zu tun, aber das ist nicht immer leicht. Klar, ein Lob geht runter wie Honig, keine Frage. Aber nicht alles ist Lob. Oft wird auch bemängelt und bekrittelt. Nicht immer finde ich die Einschätzung der LeserInnen richtig oder fair. Aber das tut nichts zur Sache. Ich kann unmöglich mit der Leserin oder dem Leser in einen Dialog treten und ihm meine Sicht der Dinge erklären. Was an deren oder dessen Ende beim Lesen dabei herumgekommen ist, steht felsenfest im Raum. Der Text ist geschrieben und publiziert. Wenn er sich missverständlich ausdrückt, den Geschmack der Leserin oder des Lesers nicht trifft, vermeintlich logische Fehler beinhaltet – es ist nicht mehr zu ändern oder von meiner Seite aus zu verteidigen. Warum also mir sagen? Alles, was diese Kommentare, die direkt an mich gerichtet sind, anrichten, ist Schmerz und Verwirrung. Ja, ich sage es klar heraus. Ich kann mit Leserfeedback nach einer Veröffentlichung nicht umgehen und empfinde sie als störend für mein weiteres Schaffen.

Was also tun? Jedes Mal, wenn ich auf ein solches an mich gerichtetes Feedback reagiere, weise ich darauf hin, wie sinnvoll es wäre, diese Kommentare so zu teilen, dass andere potentielle Leserinnen und Leser das vor dem Kauf lesen können. Warum? Damit sie eine intelligentere Kaufentscheidung treffen können! Jeder mag sich gern informieren, was er da kauft, sodass es nicht die sprichwörtliche Katze im Sack ist. Wer also sich ohnehin die Mühe macht und seine Eindrücke festhält, kann das doch sicherlich auch auf den einschlägigen Webseiten tun wie Amazon, Thalia oder LovelyBooks. Oft höre ich dann zurück, dass das in Kürze geschehen würde, kein Problem. Und was passiert dann? Eben, ihr habt es erraten. Nichts.

Ich kann kaum ausdrücken, wie frustrierend das für mich ist. Ich würde mich wahnsinnig gern mit meinen LeserInnen über meine Bücher unterhalten, aber alles, was ich als Autorin der Kritik entgegenbringen würde, würde so aussehen, wie der jämmerliche Versuch, meine Kunst zu verteidigen. Und es würde auch nichts bringen, denn nur weil eine Person etwas bemängelt, heißt das nicht, dass es Einfluss hat auf mein weiteres Schaffen. Wir sind ja nicht in der Schule, wo das Feedback des Lehrers mich zu höheren Leistungen anstachelt und meine zukünftigen Fehler ausmerzt.

Ich will absolut nicht undankbar erscheinen. Das meiste, was zurückkommt, ist ohnehin Lob. Vielleicht nicht immer geschickt verpackt, aber ich verstehe die gute Intention dahinter. Leider ist es aber so, dass es nicht immer so ankommt, wie beabsichtigt. Deshalb: Anstatt mir zu schreiben, schreibt es doch bitte, bitte, bitte ins Internet. Ich kann jede Rezension sehr gut gebrauchen. Ignoriert es, wenn da bereits eine vierstellige Zahl an Sternen steht, und verabschiedet euch von dem Glauben, dass euer Kommentar nicht mehr zählt. Frische Stimmen zählen immer, auf allen Bewertungsplattformen! Ja, und auch Kritik ist wichtig. Wenn jemand sagt, das Buch sei langweilig, weil es so viele unnötige Details hat, sind die überhaupt historisch oder hat die Autorin sich das ausgedacht (die Antwort ist: Ja, sie sind historisch und wichtig, weil, wie du, liebe Leserin leider nicht bemerkt hast, der Roman die Biografie einer echten Person ist), dann ist das tausendmal besser als ein paar anonyme Sterne. Sterne ohne Text sind wertlos.

Darum: Seid einfach ehrlich, ich kann es verkraften. Aber bitte, sagt es nicht mir, sondern der Welt. Danke!

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Während der Lesegruppe bei Lovelybooks kamen eine Menge spannender Fragen auf zum Hintergrund von „Der Schwur der Gräfin“ und dem Leben der Jakobäa von Bayern. Gern möchte ich mehr darüber erzählen, was die historischen Hintergründe der Geschichte sind, wie ich recherchiert habe, und welche Figur ich persönlich am liebsten mag (könnt ihr raten?).

LeserIn: Warum hat Jakobäas Vater gegen seinen eigenen Vater rebelliert? Und warum waren die Böden nach den Kriegsjahren versalzen?

Das sind zwei tolle Fragen, die ich sehr gerne beantworten möchte.

1. Wilhelms Vater war Albrecht I. Er hatte eine holländische Geliebte, eine Adlige namens Aleida von Poelgeest (Man nimmt an, dass sie eine Hofdame seiner Gattin war – kommt uns das nicht bekannt vor?). Die Kabeljaus versuchten, diesen Umstand für sich auszunutzen, indem sie über Aleida Einfluss auf Albrecht nahmen. Die Haken waren damit nicht einverstanden und zogen den jungen Wilhelm auf ihre Seite (da haben wir also wieder den altbekannten Konflikt der Haken und Kabeljaus). 1392 kam es dann zur großen Katastrophe: Aleida wurde in Den Haag ermordet, wohl auf Veranlassung der Haken-Partei, aber genau nachweisen lässt sich dies nicht, da sie eigentlich einem alten Haken-Geschlecht entstammte (sprich: Sie hätte persönlich eine politische Kehrtwende machen müssen). Tatsache ist jedoch, dass Wilhelm fliehen musste und nach England ging. Doch schon zwei Jahre später versöhnten sich Vater und Sohn wieder.

2. Die Böden waren versalzen, weil entweder durch Kriegsmaßnahmen („Durchstechen“ der Deiche) oder auch durch Vernachlässigungen der Infrastruktur aufgrund des Krieges auf großen Flächen Meerwasser in die Ackerböden eindringen konnte.

LeserIn: Wie stellten sich die Recherchen dar? War es leicht, Informationen zu den einzelnen Protagonisten zu bekommen, um sie so fein chakaterisieren zu können? Warst Du selbst an den Schauplätzen und konntest Dir ein Bild machen?

Wie ich ja schon häufiger jetzt erwähnt habe, habe ich mich vor allem auf die Recherchen von Löher gestützt, der sich vor 150 Jahren intensiv mit der Historie beschäftigt hat und der für mich durch die Archive in Frankreich und den Beneluxländern gegangen ist. Für die Burgunderseite konnte ich viele Informationen in dem Buch von Bart van Loo namens „Burgund“ finden. Der geht auch kurz auf die Episode mit Jakobäa ein und widmet sich ausführlich dem Leben Philipps und seines Vaters. Über den englischen Hof habe ich gute Informationen in den Artikeln von Rebecca Starr Brown „The Marriage of Katherine of Valois and Owen Tudor“ sowie Alessandra Petrina „Chapter Three: A sense of history: Duke Humphrey living and writing his own times“. In: Cultural Politics in Fifteenth-Century England: The Case of Humphrey, Duke of Gloucester. gefunden. Weitere Infos dazu hier: https://silkeelzner.de/recherche-zu-der-schwur-der-graefin/

Nicht jeder Charakter war gleichermaßen bequem zu recherchieren. Jakobäa, Philipp, Humphrey, Catherine, Isabeau – das war weniger schwierig. Über Jean de Valois gibt es fast nichts (er starb ja auch jung), ebenso wie zum Beispiel zu Jan von Brabant. Natürlich habe ich auch Informationen aus der Wikipedia abgegriffen sowie aus anderen Internetquellen, aber meine Hauptrecherche bleibt immer noch das gute alte Buch. Meist bekomme ich die im Antiquariät oder in der Bücherei, und dann ist es auch gar nicht so teuer für mich.

Holland war mir nicht unbekannt, als ich mit der Recherche anfing, schließlich liegt meine Heimatstadt nicht weit von der holländischen Grenze entfernt. Aber für das Buch bin ich natürlich eigens noch einmal hingereist. Das war nicht ganz so einfach, denn es war mitten im Corona-Sommer. Es stand zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht 100% fest, welche Schauplätze nun eigentlich in der Geschichte vorkommen würden. Aber wir haben uns in einem Hotel unweit von Sint Martinsdijk in Zeeland eingemietet und sind mit eBikes über die Deiche gerauscht und haben diese unbeschreiblichen endlosen Weiten erkundet. Das Schloss derer von Borsselen ist nicht mehr vorhanden, aber es gab an der Stelle noch einen Aufsteller (häufig ein Problem, wenn man so weit in der Zeit zurückreist, kaum etwas ist noch so, wie es früher einmal war). Wir waren auch in Teilingen, Jakobäas letztem Aufenthaltsort, aber wegen Corona war die Ruine geschlossen. Unweit davon bin ich durch die Dünen gestapft und habe wie Jakobäa aufs Meer geschaut. Und wir waren in Gent, was stellvertretend herhalten musste für die urbane Besiedelung zu jener Zeit, die gerade in den Niederlanden für europäische Verhältnisse sehr dicht war. Den Binnenhof in Den Haag haben wir leider nicht besucht. Glücklicherweise kann man aber im Internet auch dank Google Maps, alter Karten und Gemälde so einiges zur Lage und dem Aussehen von Orten herausfinden. Hier ein Link: https://silkeelzner.de/der-schwur-der-graefin-die-recherchereise/

LeserIn: Aber ein richtiges Happy End ist es ja nicht. Auch wenn sie am Ende doch noch glücklich ist, das Glück ist ja nicht von Dauer. Schreckt dich das nicht ab, wenn du weißt, dass dein Buch kein Happy End hat?

Meine Motivation hinter diesem Roman war es, die wahre Lebensgeschichte der Jakobäa von Bayern nachzuerzählen – keine fiktive Geschichte, sondern eine Romanbiografie, die sich so oder so ähnlich abgespielt hat. Dazu gehört meiner Ansicht nach auch Jakobäas früher Tod.

Natürlich hätte ich die Geschichte anders enden lassen können – immer wieder entscheiden sich AutorInnen dazu, früher abzubrechen, um der Geschichte einen positiven Abgang zu verleihen. Als Konsumentin solcher Geschichten fühle ich mich dann jedoch immer ein wenig veräppelt, vor allem, wenn es nach dem vermeintlichen „guten Ende“ in Wirklichkeit rapide bergab geht und das der Leserin dann vorenthalten wird.

Aber ich möchte auch zurückfragen: Ist es wirklich kein „Happy End“? Bekommt Jakobäa nicht am Ende all das, wonach sie die ganze Zeit bewusst oder unbewusst gestrebt hat? Hat sie sich nicht vom Schwur befreien und ihr Herz öffnen können für die wahre Liebe?

Ich finde, ein „Happy End“ ist nicht unbedingt, dass die Hauptfigur am Ende den Typen bekommen, damit sie dann „happily ever after“ leben. Man denke zum Beispiel an solch großartige Geschichten wie der Film „Titanic“ … Obwohl Jack stirbt, empfinde ich das Ende des Films als positiv und „happy“ oder zumindest „bittersweet“. Rose muss zwar ohne ihn weiterleben, aber die Zeit mit Jack hat sie verändert und ihr ein glückliches, selbstbestimmtes Leben beschert.

LeserIn: Welche Person mögen Sie am meisten? Und welche Szene hat ihnen Spaß bereitet zu schreiben?

Ich habe viele Lieblinge in dieser Geschichte. Ich muss aber auch dazu sagen, das hat nichts mit Sympathie zu tun, sondern damit, ob ich eine Person für „gelungen“ halte. Ich muss nicht das Gefühl haben, dass ich mit dieser Person beste Freunde werde. Man denke an „Das Schweigen der Lämmer“ – Hannibal Lecter ist eine wunderbare Figur, viel stärker noch als Clarice Starling, aber zum Essen einladen lassen möchte ich mich von ihm nicht.

Hier also ein paar Figuren, die ich für immer im Herzen tragen werde:

  • Jakobäa – Weil sie nicht aufgibt
  • Philipp – Weil er ein guter Schachspieler ist
  • Agnes – Weil sie ihr Leben einfach so lebt, wie sie mag
  • Saint-Pol – Weil er trotz seiner Jugend Großes leistet
  • Catherine – Weil sie sich mit ihrem Schicksal arrangiert
  • Frank – Weil er immer einen guten Konter parat hat
  • Humphrey – Weil er ein Schöngeist ist

Mir haben alle Szenen Spaß gemacht, sonst würden sie jetzt nicht im Buch sein. Wenn sie mir nicht Spaß bereiten, dann sind sie auch nicht gut und haben im Endprodukt nichts zu suchen.

LeserIn: Was hat dich an ihrer Geschichte besonders berührt?

Berührt hat mich, dass sie am Ende dennoch ihr Glück finden konnte. Sie war ein echtes Stehaufmännchen, das sich trotz aller Widerstände nicht hat unterkriegen lassen. Was Humphrey mit ihr macht, ist so ein unglaublicher Verrat, dass ich nur den Hut davor ziehen kann, dass sie die Männerwelt nicht völlig aufgegeben hat . Der im Roman zitierte Brief ist echt – ich gehe davon aus, dass sie tatsächlich etwas für ihn empfunden hat.

Fasziniert hat mich, dass sie überall so nah am Geschehen dran war und dennoch völlig von der Geschichtsschreibung übersehen wird.

Hast du auch Fragen zum Buch und zu den Hintergründen? Dann schreibe mir doch einfach! Silke @ silkeelzner.de

Wer war Agnes Bernauer? Wie im Nachwort zu meinem Roman „Das Vermächtnis der Agnes Bernauer“ erklärt, wissen wir nicht viel über die junge Frau, die dem Herzogssohn von Bayern-München das Herz gestohlen hat. Sie stammte aus Augsburg, so viel ist gewiss, und sie arbeitete vermutlich in einem Bäderbetrieb. Vielleicht war sie dort eine Magd, vielleicht eine Prostituierte, vielleicht die Tochter des Meisters. Möglicherweise eine Kombination aus all diesem. Wir können nur vermuten.

Doch wie sah es mit Agnes‘ Äußeren aus? Die Chronisten sind sich da einig. Hübsch war sie, eindeutig. So wurde behauptet, ihre Haut sei so weiß wie Alabaster und so durchscheinend, dass man den roten Wein sehen könne, wenn er ihr die Kehle herabränne. Ein ganz typisches Bild im Mittelalter, um zu verdeutlichen, dass Agnes mit außergewöhnlicher Schönheit gesegnet war. Zudem soll sie blond gewesen sein.

Es existieren einige Porträts der Bernauerin. Das wohl bekannteste, „Agnes Bernauer Ducissa“, stammt von einem unbekannten Künstler und zeigt eine junge Frau mit unsicherem, verletzlichem Blick. Sie trägt eine reich verzierte Haube, Perlen um den Hals und ein schlichtes, schwarzes Kleid.

Ein anderes Porträt hängt heute in der Agnes-Bernauer-Kapelle in Straubing. Das goldgerahmte Gemälde hat frappierende Ähnlichkeit mit dem Erstgenannten. Auch hier ist der Blick der jungen Dame scheu, das Lächeln geheimnisvoll. Der Künstler hat Agnes in Hermelin gewandet, die blond gelockten Haare zieren Perlen und Geschmeide. Sie sieht wahrlich fürstlich aus.

Das Problem mit beiden Gemälden ist, dass sie nicht zeitgenössisch sind. Die Künstler kannten Agnes nicht persönlich. Was wir hier sehen, sind verklärte Versionen der historischen Person, nach damaligem Zeitgeschmack gefertigt. Ob Agnes Bernauer wirklich so ausgesehen hat, sei also dahingestellt.

Wer der Sache näher auf den Grund gehen will, der wendet sich lieber ihrer Grabplatte zu, denn diese wurde kurz nach Agnes‘ Tod in Auftrag gegeben. Sie befindet sich heute an einer der Wände der Grabkapelle, war früher jedoch wahrscheinlich im Boden eingelassen.

Die Grabplatte ist aus rotem Marmor gefertigt und zeigt eine friedlich schlummerte Gestalt in einem langen Gewand. Der Kopf ruht auf einem Kissen. Demütig wirkt sie, friedvoll. Der schlichte Schleier, der ihr Gesicht umrahmt, erinnert an den einer Nonne. In der Rechten hält sie eine Paternosterschnur, oder Rosenkranz, was ebenfalls auf Frömmigkeit und Demut schließen lässt. Zu ihren Füßen schlummern zwei Hunde.

Ein Wort zu den Hunden: Im Roman dichte ich Agnes Bernauer zwei Schoßtiere an, um auf diese Hunde anzuspielen. Die Wahrheit ist aber eher, dass die Hunde symbolisch zu verstehen sind. Schon im 15. Jahrhundert gelten sie als Zeichen der Treue und wurden häufig bei der Grabgestaltung hinzugefügt, um auf diese Charaktereigenschaft des Verstorbenen hinzuweisen. Sie könnten Agnes aber auch an die Hand gegeben worden sein, um sie sicher ins Jenseits zu führen.

Apropos Treue: Auffällig sind bei genauerer Betrachtung die beiden Ringe an Agnes’ Hand. Natürlich stehen sie für ihre Vermählung, aber gleichzeitig können sie ebenfalls als Symbol der Treue verstanden werden.

Die Grabplatte wird von ein paar Wörtern und Buchstaben umfasst. Auffällig ist hier, dass das Sterbejahr falsch angeben ist. In römischen Zahlen steht auf der Grabplatte der 12. Oktober 1436 verzeichnet, dabei fand Agnes’ Hinrichtung ein Jahr früher statt. Die Forschung geht davon aus, dass dies ein Fehler war, der im Nachhinein nicht bereinigt wurde.

Alle Fotos Silke Elzner. Vervielfältigung bitte nur nach schriftlicher Genehmigung.

Vom 17.5.24 bis 23.5.24 gibt es bei Amazon „Der Schwur der Gräfin“ als Kindle-Deal der Woche. Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte über das Leben der Wittelsbacherin Jakobäa von Bayern hat schon hunderte LeserInnen begeistern können. –> Jetzt schnell zugreifen!

  • „Bildgewaltig, spannend und detailliert entführte mich Silke Elzner in die Zeit eines Bürgerkriegs in Holland und ließ mich zumindest eine Zeitlang daran teilhaben.“ (Carmens Bücherkabinett)
  • „Mit „Der Schwur der Gräfin“ holt Silke Elzner nicht nur eine von der Geschichtsschreibung […] vergessene Figur ans Tageslicht, sondern entspinnt auch eine spannende Handlung …“ (Phantastik-News)
  • „Ich habe selten ein so gutes Buch gelesen. Spannend von der ersten Seite an. Ich kann es jedem, der gern Historische Romane liest, empfehlen.“ (Amazon)

Und darum geht’s:

Anfang des 15. Jahrhunderts wütet in Holland ein blutiger Bürgerkrieg. Jakobäa, das einzige Kind des verstorbenen Grafen, bangt um ihr Erbe. Nur mit einer Heirat kann sie als Frau ihren Anspruch durchsetzen. Als ihr erster Gatte ermordet wird und der zweite sich als unfähig herausstellt, beschließt sie, auf eigene Faust Verbündete zu suchen. Am Hof in London scheint ihre Mission von Erfolg gekrönt. Was sie nicht ahnt: Fataler noch als jede Schlacht ist ein Mann, der es vermag, ihr Herz zu erobern …

Eine mitreißende Geschichte über die Wittelsbacherin Jakobäa von Bayern-Holland am Rande des Hundertjährigen Krieges.

Das eBook gibt es nur diese Woche exklusiv für 2,49 EUR! –> Jetzt schnell zugreifen!

„Das Vermächtnis der Agnes Bernauer“ hat in den sechs Jahren, in denen ich daran gesessen habe, viele Entwicklungsstadien durchlaufen.

Zu einem Zeitpunkt musste ich den Roman um 40% kürzen. Ein Beschluss, der später zum Glück nicht mehr zum Tragen kam, da der Verlag sein Veröffentlichungsangebot zurückzog. So konnte ich nach und nach die Stellen wieder einpflegen, die mir eigentlich sehr wichtig gewesen waren.

Anderes blieb für immer draußen, darunter unwichtige Nebenpersonen und Nebenhandlungen, die nichts zur eigentlichen Aussage beitrugen. Andere Szenen waren zwar von ihrer Aussage her wichtig, aber um mehr Spannung und Dichte zu erzeugen, musste ich die Gesamthandlung straffen und versuchen, diese Informationen sinnvoll woanders unterzubringen. Wer den Roman bereits gelesen hat, der wird mit vielen Themen in dieser weggeworfenen Szene bereits vertraut sein.

Viel Spaß beim Lesen!

München, Juli 1428

Herzog Ernst unterbrach seinen Redeschwall, um sich einen Schluck Wasser zu gönnen. »Und deshalb«, fuhr er mit einem Schmatzen vor, »meine Herren Hofrat, sind wir, der ehrenwerte Herzog Wilhelm und ich, zu dem Beschluss gekommen …«

Er brach ab. »Albrecht!« Die Stimme war schneidend.

Albrecht fuhr zusammen. Schnell richtete er sich auf. »Vater?«

»Stimmst du unseren Beschlüssen zu, Sohn?«

Beschlüssen …? Verunsichert warf er einen Blick in die Runde, die sich rund um den Beratungstisch zusammengefunden hatte. Er hatte gar nicht bemerkt, wie er mit dem Kopf auf die Hand gestützt aus dem Fenster geschaut hatte. Es war ein herrlicher Sommertag: Armeen von Schwalben zogen ihre Kreise unter einem strahlend blauen Himmel. Seine Gedanken waren irgendwo dort draußen gewesen … auf einer duftenden Wildblumenwiese, mit Agnes, ihr Kopf in seinen Schoß gebettet, die Kornblumenaugen geschlossen …

Nun waren alle Augenpaare erwartungsvoll auf ihn gerichtet.

Er räusperte sich und knetete die Hände auf der Tischfläche. »Ja, Vater, ja doch. Ich unterstütze Euren Beschluss.«

Die Augenbrauen seines Vaters zogen sich bedrohlich zusammen. »Du weißt noch nicht einmal, was wir planen zu beschließen, und sogleich willst du es unterstützen?«

Albrecht schaute zu seinem Onkel, doch dessen Miene war verschlossen.

»Nun ja, ich …« Er erkannte, dass es keinen Sinn hatte, das Spiel weiter zu spielen. Er würde sich nur noch mehr hineinreiten. »Bitte verzeih. Ich war ein wenig abgelenkt.«

»Mir tut es leid, dass wir dich mit hoher Politik langweilen, Sohn.«

»Nein, nein, das ist es nicht.«

Wilhelm seufzte auf, dann sprang er, wie schon so viele Male zuvor, zu Albrechts Rettung. »Bei diesem herrlichen Wetter wünscht wohl keiner, lange in der Sitzungshalle auszuharren. Lass es uns schnell zu Ende bringen, Ernst. Mir steht ebenfalls der Sinn nach einem Ausritt.«

Der Herzog bedachte seinen Bruder mit einem erzürnten Gesichtsausdruck. Grummelnd schob er die Papiere auf dem Tisch zusammen. »Jedenfalls … Die einzelnen Lager beharren auf ihren Standpunkten, obwohl die Landschaften eine schnelle gütliche Einigung wünschen. Unser verehrter König Sigismund ist allerdings diesen Sommer auf Türkenfeldzug und wird in nächster Zeit keine Entscheidung bezüglich der Straubinger Teilung verkünden. Wir glauben, dass München dennoch in einer guten Position ist. Besser noch, nicht wahr, Albrecht, wenn wir belegen können, dass unsere Dynastie Fortbestand haben wird, nämlich indem wir bald eine neue Verlobung vermelden.«

Die Köpfe des Hofrats fuhren alle gleichzeitig zu ihm herum wie in einer spannenden Partie von Jeu de Paume.

Albrecht schluckte.

»Hast du dir Gedanken gemacht zu der Kandidatin, die wir dir letzte Woche vorgeschlagen haben?«, fragte Wilhelm.

»Das habe ich, Onkel.«

»Und, was hast du zu unserem Vorschlag zu sagen?«

»Onkel, hattet Ihr mir nicht versprochen, dass die Dame jung und hübsch sein soll?«

»Sie ist zwanzig, mein Junge.«

»Aber ist sie hübsch?«

Die beiden Herzöge wechselten einen irritierten Blick. »Was hat das damit zu tun?«

»Mir ist es wichtig.«

Ernst schnalzte mit der Zunge. »Sie kommt aus gutem Hause und wird München stärken. Das ist es, was dir wichtig sein sollte.«

»Es ist meine einzige Bedingung, Vater. Und Ihr habt beide zugestimmt.«

»Sie ist sehr hübsch, mein Junge«, sagte Wilhelm.

»Ich wünsche einen Beweis.«

»Schick deinen Hofmeister zu ihr. Er soll dir Bericht erstatten.«

»Mit Verlaub«, sagte Albrecht. »Der Graf von Sedlec und ich, wir haben unterschiedliche Ansichten darüber, was wahre Schönheit ist. Ich vertraue ihm in allen Punkten, doch hier muss ich leider eine Ausnahme machen.«

Einer der Hofräte gluckste vergnügt und wurde mit einem erbosten Blick von Ernst abgestraft.

»Sohn, du planst offenbar, diesen Prozess ins Lächerliche zu ziehen.«

»Keineswegs. Ich möchte lediglich Sicherheit. Hier handelt es sich um eine folgenschwere Entscheidung sowohl für mich als auch für München und ich kaufe doch nicht die Katze im Sack!«

»Was schlägst du also vor?«, fragte Wilhelm.

»Ich verlange, dass ein Gemälde angefertigt wird. Der Künstler soll wahrheitsgemäß ihre Schönheit abbilden. Wenn sie mir gefällt, bin ich bereit, mich mit ihr auf halber Strecke zu treffen, um ihren Intellekt zu prüfen.«

Entrüstet murmelten die Hofräte durcheinander.

»Das ist ein unerhörtes Begehren!«, sagte Ernst.

»Der Junge hat recht, Ernst. Wir haben es ihm versprochen, und wir sind verpflichtet, uns an diese Abmachung zu halten.«

Einige der Herren bei Tisch nickten zustimmend. Versprechen durften nicht gebrochen werden, das konnte jeder nachvollziehen.

»Eine Posse«, zischte sein Vater, dem Wilhelm, wie Albrecht wusste, besagtes Versprechen in einem schwachen Moment abgeluchst hatte.

Der Ratsherr neben Albrecht machte sich eine Notiz. »Ich werde mich nach einem Meister erkundigen, den wir ausschicken können. Ich kenne da jemanden, der gewiss bereit wäre, den Auftrag für uns auszuführen.«

Ein anderer schüttelte den Kopf. »Aber es wird dauern, bis ein Gemälde angefertigt ist.«

»Monate!«, sagte ein Dritter. »Ich habe einmal ein Bild für meine Gemahlin bei einem Holländer in Auftrag gegeben. Der Künstler arbeitete ein ganzes Jahr daran.«

Sein Nachbar rief: »Ich habe da eine gewisse Ahnung, wieso!«

Der vorwitzige Einwurf löste allgemeine Heiterkeit aus.

Ernst hob mahnend den Finger. »Wir haben nicht so viel Zeit. Wir geben dem Künstler vier Monate, um das Bild anzufertigen und nach München zu übersenden. Und dann, Albrecht, erwarten wir eine Entscheidung von dir.«

Albrecht unterdrückte ein Grinsen. Sein Vater sagte zwar ›Entscheidung‹. Was er jedoch in Wahrheit forderte, war eine Einwilligung. Doch die würde er von ihm nicht so schnell bekommen. Diese Art von Katz-und-Maus-Spiel konnte er noch jahrelang weiterführen. »In Ordnung, Vater. Wenn ich das Bild der Dame vor Augen habe, werdet Ihr eine Entscheidung von mir erhalten.« Er lehnte sich erleichtert zurück. Er hatte einen Aufschub erwirkt.

Und der war vonnöten, denn seit Pfingsten war Agnes nicht mehr bei Hofe, und er vermisste sie schrecklich. Nachdem seine Mutter kurz nach Ostern erkrankt war, hatte der Leibarzt ihr eine Luftkur auf dem Land verschrieben. Sie war daher mit ihrem Haushalt in ihr bevorzugtes Landgut nach Odelzhausen gezogen. Um den Schein zu wahren, hatte Agnes sie als ihre Hofdame begleitet. Seitdem hatte Albrecht sie nicht mehr zu Gesicht bekommen, und nun war es schon Juli! Kurzzeitig hatte er überlegt, mit Jan hinterher zu reisen, damit er sie wenigstens für ein paar Tage um sich hatte, doch die Regierungstätigkeit hatte ihn in München gehalten.

Nun hatte er immerhin einen Aufschub erwirkt, was die Verlobungssache anging. Vielleicht im nächsten Jahr, da würde er sich zu einer Verlobung durchringen, und selbst dann ließe sich die Hochzeit immer noch aufschieben. Es gab Mittel und Wege, die Mühlen der Bürokratie langsam mahlen zu lassen, und er kannte sie alle.

Ernst vollführte einen Wink zum Schreiber, der das Besprochene für die Akten festhielt, und sagte: »Kommen wir zum nächsten Punkt der Tagesordnung. Die Ketzer in der Oberpfalz.«

Plötzlich redeten alle durcheinander. Die Hussiten waren eine dräuende Gefahr, die jedem der Anwesenden zu schaffen machte. Erst vor wenigen Tagen waren beunruhigende Nachrichten zu ihnen durchgedrungen, die besagten, die Gottlosen hätten mit 10.000 Mann am Ufer der Donau gestanden, diese aber wie durch ein Wunder nicht überquert. Das alles hatte sich weit weg entfernt abgespielt, in Mähren, nicht an der Grenze zu Bayern, doch allein die unfassbare Heeresgröße bereitete allen Anwesenden Bauchschmerzen.

»Unser Vetter und Schwiegersohn, Johann von der Oberpfalz, erbittet Streitkontingente. Das hussitische Heer will durch den Winter gebracht werden, und die Scheunen der Oberpfalz werden im Herbst reich gefüllt sein. Es wird erwartet, dass Räuberbanden über die Pässe ziehen und den Bauern zusetzen werden. Ich erwarte Vorschläge, was wir antworten sollen.«

»München sollte ihm auf jeden Fall beistehen«, sagte der Ratsherr neben Wilhelm. »Wir sind verpflichtet, auch an Pfalzgräfin Beatrix zu denken.«

Die anderen nickten murmelnd. Das Wohl von Albrechts Schwester, die sich erst vor kurzem mit dem Pfalzgrafen vermählt hatte, lag ihnen allen am Herzen.

»Wir müssen alles dafür unternehmen, dass sie nicht im nächsten Sommer ein noch größeres Heer aufstellen. Wir hoffen, dass König und Papst nächstes Jahr einen weiteren Kreuzzug ausrufen werden«, sagte Ernst.

»Wie reagieren die anderen Teilherzogtümer in Bayern auf die Bedrohung?«

»Herzog Heinrich hat angekündigt, dass er sich eine Beteiligung durch den Kopf gehen lassen wolle. Aber offen gesprochen: Das hat er letztes Mal ebenfalls gesagt, und es ist nichts geschehen.«

Wilhelm fuhr sich brummend über den weißen Bart. »München muss ein Zeichen setzen. Wenn keiner im Reich den Grenzmarken zu Hilfe kommt, wird uns diese Ketzerbewegung überrollen. Wir wären gut beraten, eine Führungsposition im Süden einzunehmen und der Oberpfalz unter die Arme zu greifen.«

»Heinrichs zögerliche Haltung ist für uns von Vorteil«, sagte Ernst. »Es wird unsere Stärke und Entschlossenheit beim König hervorheben. Das wird sich zwangsläufig günstig auf die Straubinger Angelegenheit auswirken.«

Wilhelms berechnender Blick glitt zu Albrecht.

Oh nein, bitte, Onkel, nicht, dachte jener erschrocken. Tu’s nicht …

»Meine Herren, ich plädiere dafür, dass unser Prinz Albrecht eine Truppe Ritter anführt. Ein deutlicheres Zeichen können wir nicht setzen. Der Erbe des Hauses München wird gegen die Hussiten kämpfen und sie in die Schranken weisen.«

Zustimmendes Gemurmel bei Tisch.

»Aber Onkel, sollte ich mich wirklich …«

Wilhelm, ganz der Diplomat, schnitt ihn ab. »Neffe, dies ist eine fantastische Gelegenheit, deine Führungsqualitäten und dein militärisches Geschick unter Beweis zu stellen.«

Albrechts Blick glitt zu Ernst, der an seinem Spitzbärtchen zupfte.

»Der König wird unseren persönlichen Einsatz zu schätzen wissen,« fuhr Wilhelm fort. »Die Vettern hingegen werden in einem schlechten Licht dastehen.«

Albrecht schloss den Mund. Alles in ihm sträubte sich gegen diesen Plan. Er hatte sich so darauf gefreut, dass Agnes spätestens im August wieder nach München zurückkehrte. Wenn er kurz darauf ins Feld zog, würde ihnen wieder nicht viel gemeinsame Zeit bleiben. Ganz zu schweigen von den Strapazen und den Gefahren eines Feldzugs.

Er warf dem Onkel einen flehenden Blick zu. Dessen Miene zeigte Zufriedenheit. Albrecht verstand, was Wilhelm durch den Kopf ging. Er sah in dieser Proposition die einmalige Gelegenheit, dass sein Neffe endlich die Achtung seines Vaters errang, was hoffentlich zu einem Ende der Spannungen im Hause München beitragen würde.

Mit einem Seufzen erkannte er die Raffinesse in Wilhelms Vorschlag. Bewährte Albrecht sich bei einem Kriegszug gegen die Hussiten, würde er als Held heimkehren. Und würde Ernst es versäumen, einem Kriegshelden die geschuldete Aufmerksamkeit und Ehrungen entgegenzubringen, würde das zu schwerwiegenden Spannungen mit dem Hofrat führen.

Es musste sein. Es gab keinen anderen Weg.

Quietschend schob er den Stuhl von sich und kam auf die Füße, sodass alle zu ihm aufschauen mussten.

Dann verkündete er: »Meine Herren, ich stimme diesem Beschluss zu.«

In Ermangelung eines menschlichen Interviewpartners habe ich einmal Bing gefragt, was die KI über meinen Agnes-Bernauer-Roman, die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe wissen möchte. Hier sind meine Antworten!

Wie sind Sie auf die Geschichte von Agnes Bernauer gestoßen?

Zum ersten Mal hörte ich von Agnes Bernauer über einen Artikel in einem populären Wissenschaftsmagazin. Der Verrat an Agnes und Albrecht war da so packend geschildert, dass ich sofort gefesselt war.

Welche Recherchen haben Sie für den historischen Hintergrund des Romans durchgeführt?

Glücklicherweise gibt es eine gute Handvoll Bücher und wissenschaftliche Artikel zum Thema Agnes Bernauer. Gerade in Bayern hat die Affäre immer wieder die Gemüter der Historiker bewegt. Denn Agnes‘ Geschichte ist nicht einfach der Mord an einer „Hexe“ oder das Beseitigen einer unliebsamen Liebschaft.

Hier ging es um hohe Politik, die Bedeutung hatte über die bayrischen Grenzen hinaus. Die Wittelsbacher waren zu jenem Zeitpunkt ein starkes und wichtiges Geschlecht im Deutschen Reich, das durch interne dynastische Uneinigkeit zerrüttet war. Agnes wurde in dieser Situation leider zum Bauernopfer.

Es war mir wichtig, diese politischen Verwicklungen auch im Roman treffend und verständlich darzustellen, weshalb ich mich intensiv eingelesen habe.

Hinzu kamen Reisen an die Schauplätze: Straubing, Landshut, Vohburg und die Blutenburg gaben mir die Möglichkeit, in Agnes‘ Spuren zu wandeln und ein Gefühl für die Landschaften zu entwickeln. Besonders bewegend war der Besuch der Agnes-Bernauer-Kapelle in Straubing, freundlicherweise spontan durchgeführt von einem örtlichen Stadtführer, dessen Infos ebenfalls halfen, dem Roman Form zu verleihen.

Warum haben Sie sich entschieden, diese spezielle Periode in der bayerischen Geschichte zu beleuchten?

Agnes Bernauer als literarischer Stoff hat ja eine lange Tradition. Schon Hebbel konnte damals die Massen mit seinem Trauerspiel bewegen. Auch heute noch werden in Vohburg und Straubing Theaterstücke aufgeführt, die das Schicksal der Baderstochter in Szene setzen, so auch dieses Jahr wieder im Straubinger Herzogsschloss. Was nicht verwunderlich ist, denn die Geschichte hat alles, was es braucht: Eine schöne, junge Frau, einen verliebten Prinzen, eine starre und mitleidlose Gesellschaft, einen herrischen Vater, eine perfide Intrige, ein Land am Rande des Kollapses dank interner Streitigkeiten und reformatorischer Bewegungen.

Wie haben Sie die Charaktere von Agnes und Prinz Albrecht entwickelt?

Ursprünglich war der Plan, die Geschichte lediglich aus Albrechts Perspektive zu erzählen. Er war derjenige, der an der Politik beteiligt war und der die größte Entwicklung durchmachte. Schließlich stirbt Agnes ja am Ende, und damit wäre die Geschichte de facto auserzählt. Doch niemand möchte ein Buch zuklappen, das mit dem Tod der Hauptfigur endet – das ist sehr unbefriedigend für den Leser.

In Gesprächen mit anderen Leuten im Literaturbetrieb habe ich dann aber begriffen, dass auch Agnes eine Stimme braucht. Sie ist der Grund, warum LeserInnen zu dem Buch greifen werden. Frauen, so sagte man mir, sympathisieren eben mit Frauen.

Allerdings stellte mich das vor das Problem ihrer Motivation, mit Albrecht nach München zu gehen, um seine Geliebte zu werden. War es Kalkulation? Oder war sie einfach naiv? Beides keine guten Charakterzüge für eine starke Protagonistin.

Mir ist es wichtig, dass die Figuren in meinen Büchern ein Problem haben, das sie bis zum Ende der Geschichte zu lösen haben. Bei Albrecht kristallisierte sich schnell heraus, dass sein Problem sein Vater und dessen hochgesteckten Erwartungen waren, die konträr zu seinen eigenen Lebensentwürfen waren. Ich gab ihm ein Ereignis an die Hand, das seine Beziehung zum Vater auf immer zerrütten sollte, ein einzelner Fehler aus jugendlichem Leichtsinn, der dafür sorgte, dass der Herzog seinem Sohn nicht mehr vertrauen konnte. Albrechts Problem bestand somit darin, in sich selbst den Mut zu finden, sich gegen diese väterliche Übermacht zu behaupten und selbstsicher seine Probleme anzugehen.

Die besten Liebesgeschichten zeigen Paare, die einander etwas geben, was der Einzelne allein nicht zustande bringen würde. Denken wir an den Film „Titanic“, dann wird deutlich, dass Rose Jack braucht, um sich von den Zwängen ihrer Familie zu lösen. Hier sollte es ähnlich sein: Albrecht braucht Agnes, um das Selbstbewusstsein zu entwickeln, ein guter und starker Herrscher zu werden. Um das zu verdeutlichen, habe ich viel mit Symbolik gearbeitet. Albrecht und Agnes lernen sich kennen, als beide versuchen, ein Kind zu retten. Albrechts inneres Kind wird immer wieder von der mütterlichen Agnes getröstet. Erst als Albrechts Alpträume von einem Kind, das er im Krieg erschlagen muss, dank Agnes‘ Tod aufhören, entwickelt er die Kraft, zu dem Mann zu werden, der er sein soll.

Welche Herausforderungen gab es beim Schreiben über eine reale historische Figur wie Agnes Bernauer?

Ich werde öfters gefragt, ob ich keine Sorge habe, dass die Nachfahren von den historischen Personen, über die ich schreibe, mir eines Tages aufs Dach steigen, weil ich ihren Vorfahren die ein oder andere Charaktereigenschaft andichte. Da meine Geschichten 500 Jahre in der Vergangenheit spielen, ist die Gefahr gering, dass das passieren wird, deshalb mache ich mir darüber weniger Sorgen. Außerdem muss ich den LeserInnen immer wieder vor Augen halten, dass ich Romanautorin bin, nicht Verfasserin von historisch akkuraten Biografien. Ich konstruiere Figuren, die im Geflecht der Geschichte zusammen mit anderen Figuren, fiktiv wie historisch, aus bestimmten Gründen in gewissen Konstellationen miteinander agieren.

Im Falle der Agnes Bernauer war über ihre Vergangenheit nur sehr wenig bekannt, so wie es oft bei Frauen der Fall ist. Man ist sich nicht sicher, ob sie überhaupt aus Augsburg stammt. Alles deutet darauf hin, dass sie auf einem Gehöft vor den Toren der Stadt geboren wurde und erst nach dem Tod der Mutter mit dem Vater in die Stadt zog. Dieser Vater, so will es die Tradition, hieß Kaspar, doch ob er tatsächlich eine Badestube besaß, ist fraglich, denn sein Name findet sich nicht in den Abrechnungen der Stadt Augsburg. Vielleicht war einfach nur ein Knecht, ein Angestellter.

Und Agnes? Die könnte eine Magd gewesen sein, die im Baderbetrieb mithalf, oder aber auch eine Prostituierte, die dort spezielle Dienste anbot. Ein solch anrüchiger Hintergrund weckt natürlich immer gern das Interesse des Publikums, weshalb viele, übrigens allesamt männlichen, Literaten diese Lesart bevorzugen. Doch hier wird ein großes Klischee deutlich, das man über das Mittelalter hat, und das bei genauerer Betrachtung nicht standhält: Badestuben waren keine Bordelle. Einige waren es vielleicht, doch die meisten waren es ganz sicher nicht. Dennoch waren sie der Kirche ein Dorn im Auge (wie so vieles andere zu jener Zeit), da war es klar, dass sittenloses Verhalten gerade einem Ort, an dem man sich entkleidete, leicht anzudichten war. Die Wahrheit sah anders aus. Gebadet wurde im Schichtbetrieb, nach Geschlechtern getrennt. So viel übrigens zum Thema dreckiges Mittelalter. Bis die Kirche es durchsetzen konnte, dass in großen Städten Badestuben geschlossen wurden, waren die Leute in der Tat sehr reinlich.

Welche Aspekte des mittelalterlichen Lebens und der Gesellschaft haben Sie in Ihrem Roman hervorgehoben?

Ganz deutlich ist natürlich der krasse Standesunterschied, der in der Geschichte das Hauptthema ist. Ich habe durch Leserfeedback schon gesehen, dass das die modernen Menschen doch schon ziemlich schockiert. Wir sind heute so viele Freiheiten gewohnt, können den Beruf ergreifen, den wir wollen, können hinziehen, wohin wir wollen, können heiraten, wen wir wollen. Damals war das eben nicht so. Mittelalterliche Städte waren streng durchstrukturiert. Agnes Bernauer hatte das Pech, nicht nur nicht dem Adel anzuhören, ihr Stand wurde sogar innerhalb des einfachen Volkes verachtet oder doch zumindest gemieden. Bader hatten mit Krankheiten und unappetitlichen Dingen zu tun, das machte sie automatisch zu Außenseitern. Agnes konnte nichts dazu, dass ihr Vater ein Bader war, dennoch hätte sie aus diesem Korsett eigentlich nicht ausbrechen können. Ich finde, es gehörte auch von Albrechts Seite aus viel Mut dazu, sich über diese gesellschaftlichen Schranken hinwegzusetzen.

Ein weiteres Thema ist das Hussitentum. Wir alle kennen ja die Geschichte rund um Luther und seinen reformatorischen Ideen, die das Grundgerüst der – zugegebenermaßen mittlerweile sehr korrupten – Kirche angriffen. Doch solches Gedankengut entstand nicht aus dem Nichts. Jan Hus war einer der frühen Kritiker der Kirche, ein Mann, der gefordert hat, dass der Laie keinen Mittelsmann benötigt, um das Heil Gottes zu erlangen. Hier fühlt man schon, dass die Welt vor dem Umbruch steht. Das Mittelalter neigt sich dem Ende zu. Das 15. Jahrhundert ist einfach eine spannende Zeit.

Gab es bestimmte historische Ereignisse oder Orte, die eine besondere Rolle in der Geschichte spielen?

Straubing ist natürlich ganz vorn mit dabei, denn Agnes‘ Hinrichtung wurde in allen Details für die Nachwelt festgehalten. Ihr Tod verlief nicht so still und sauber wie geplant, und der Herzog musste mit seinem Henker nachhelfen. Das allein macht diese Szene so schon ungemein herzzerreißend. Leider ist die Brücke, auf der all dies passiert ist, nicht mehr vorhanden (die Agnes-Bernauer-Brücke in Straubing ist eine moderne Metallkonstruktion für den Autoverkehr).

Dafür kann man in Straubing die Bernauer-Kapelle besichtigen, die wirklich malerisch auf einem beinah verwunschenen Gottesacker liegt. Sie hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert (weitere Personen wurden hier bestattet bzw. erhielten Gedenksteine), aber die Energie ist seit dem 15. Jahrhundert quasi unverändert.

Ebenfalls einen Besuch lohnt die Blutenburg, heute in einem Münchener Vorort gelegen. Die idyllische Lage, umgeben von Wäldern und Wasser und grünen Wiesen, lässt erahnen, wie glücklich das Paar dort eine Zeit lang gewesen sein muss.

Wie haben Sie den Entstehungsprozess des Romans erlebt?

„Das Vermächtnis der Agnes Bernauer“ war mein erstes Romanprojekt überhaupt, und es steht für alles, was ich nach über sechs Jahren des Romanschreibens mit dem schwierigen Beruf der Schriftstellerei verbinde. Ich habe den Stoff mehrfach neu geschrieben, umgeschrieben, erweitert, gekürzt und dabei wohl alles gelernt, was ich dann später auch für meine anderen Romane benötigt habe.

Es sind viele Tränen geflossen, sehr viele. Meine Agentin hat über zwei Jahre versucht, das Buch an einen Verlag zu bringen. In den allermeisten Fällen gab es noch nicht einmal eine Absage zurück, obwohl die Lektoren das Manuskript angefordert hatten.

Die Enttäuschung, die man dabei verspürt, ist prägend. Letztlich bin ich aber froh, dass alles so gekommen ist, denn die Veröffentlichung im Eigenverlag hat es mir erlaubt, meine künstlerischen Visionen voll auszuleben. Ich konnte meinen Titel selbst wählen, mein Cover selbst gestalten und musste keine Kürzungen oder Umarbeitungen in Kauf nehmen, weil irgendjemand in der Finanzabteilung meint, das Buch sei zu teuer in der Produktion.

Welche Botschaft möchten Sie den Lesern mit “Das Vermächtnis der Agnes Bernauer” vermitteln?

Ich wurde ein paar Mal bereits gefragt, was denn nun eigentlich das Vermächtnis der Agnes Bernauer sei. Selbst nach Beendigung der Lektüre hatte es sich für diese LeserInnen nicht so recht erschlossen. Das „Vermächtnis“ ist natürlich ihr Wirken über ihren Tod hinaus. Es ist das, was sie Albrecht mit an die Hand nimmt, damit er der wird, der er sein soll.

Ich finde, dass das eine ganz wichtige Botschaft für jeden von uns ist. Jeder fragt sich doch bestimmt mal in einem schwachen Moment, was eigentlich der Sinn des Lebens ist, vor allem, wenn man freitagabends völlig kaputt mit einem Glas Rotwein auf der Couch sich vom mittelmäßigen Fernsehprogramm berieseln lässt. Meiner Meinung nach ist der Sinn der Lebens, die Welt mit seinem Dasein ein Stück weit besser zu machen, und das fängt bei seinen Mitmenschen an. Wenn ich eines Tages nicht mehr bin, dann hoffe ich, dass meine Kinder zum Beispiel sagen: Mama hat mir das beigebracht, sie hat mich verändert, sie wird immer in mir weiterleben.

Gibt es Pläne für weitere historische Romane?

Derzeit sitze ich an einem neuen Manuskript, das in der Rohfassung zu 75% geschrieben ist. Es geht zurück in die Mark Brandenburg, ins 14. Jahrhundert, und ich hoffe, dass es diesmal vielleicht ein wenig lustig und eher abdreht wird. Wir werden sehen, was am Ende dabei herauskommt.

Vielen Dank für deine Fragen! Wenn Sie noch mehr über den Roman erfahren möchten, können Sie das Buch auf der Website der Autorin oder bei anderen Buchhändlern finden.

Lesungstermin im Juni

von Silke

Wer Zeit und Lust hat, ist recht herzlich eingeladen, mich im Sommer in der kleinen Ortschaft Putlitz zu treffen (wer „Die letzte Fehde an der Havel“ gelesen hat, dem sagt der Name bestimmt etwas!).

Wie jedes Jahr kommt dort der Verein der 42er Autoren zusammen, um den alljährlichen, hoch angesehenen Kurzgeschichtenpreis „Putlitzer Preis“ zu verleihen (ich sitze übrigens in der Vorjüri).

Die Feierlichkeiten finden über ein ganzes Wochenende statt: Am Freitagabend ist eine gemeinsame Lesung in der Pfarrscheune, am Samstagabend werden die Preise in der benachbarten Kirche verliehen. Ich war letztes Jahr zum ersten Mal dabei und hatte einen Riesenspaß. Wo sonst wird man mit Blasorchesterparade zur Kirche geleitet, erhalten die Gewinner eine von den Damen des Ortes selbstgetöpferte Gans als Preis und trifft man viele spannende Leute?

Mir ist bewusst, Putlitz liegt irgendwo im Nirgendwo. Wer dennoch Lust auf die Gaudi hat und nette AutorInnen kennenlernen will, ist recht herzlich willkommen! Ich werde am Freitag zehn Minuten aus meinem neuen Roman „Das Vermächtnis der Agnes Bernauer“ lesen und gern im Anschluss bei einem warmen Bier oder zwei über die Schriftstellerei oder aus dem Nähkästchen plaudern.

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