Autor

Silke

In den letzten Wochen habe ich mich intensiv weitergebildet und einige sehr nützliche Bücher von Kolleginnen und Kollegen entdeckt, die mir neue Perspektiven eröffnet haben. Ich habe mir gefacht, die folgende Auswahl könnte auch für andere hilfreich sein, die gerade ihr nächstes Projekt planen.

Ein kurzes Wort vornweg: Alle hier vorgestellten Bücher sind auf Amazon erhältlich. Sie wurden von englischen Muttersprachlern verfasst und sind nicht ins Deutsche übersetzt. Dieser Blogeintrag enthält außerdem Links zu Amazon, weil ich hier die Bücher entdeckt und erstanden habe. Wenn Sie auf diese Links klicken und später eines der Bücher kaufen, erhalte ich dafür keine Provision. Die Links sollen lediglich dazu dienen, Ihnen weitere Informationen zu den Büchern zu bieten.

Charakterentwicklung von Figuren

Hier habe ich zwei Bücher zu empfehlen:

Das erste Buch ist ein umfassendes Werk, das davon ausgeht, dass jede Figur einem bestimmten Archetypus entspricht. Diese Archetypen, benannt nach typischen Fantasy-Rollen, wie „Held“, „Königin“ oder „Magier“, durchlaufen Entwicklungsbögen, die den natürlichen Lebensphasen eines Menschen nachempfunden sind. Auch ihre Gegenspieler und Helfer sind archetypisch gestaltet und passen zu den verschiedenen Lebensphasen. Die Erklärungen sind detailliert und etwas abstrakt, da viel in Fantasy-Begriffen gesprochen wird. Dennoch bietet das Buch eine faszinierende Methode, um Figuren in ihrer Tiefe zu erfassen und eine komplexe, stimmige Charakterentwicklung zu planen. Ich bin gespannt, wie mir diese Ansätze helfen werden, meine neue Buchwelt mit lebendigen Figuren zu füllen. 

K.M. Weiland: Writing Archetypal Character Arcs: The Hero’s Journey and Beyond 

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Das zweite Buch ist eine praktische Liste an Tipps und Hinweisen, die auf die Schaffung starker Charaktere abzielt, die den Leser fesseln und authentisch wirken. Der Autor, der Hollywood-Erfahrungen mitbringt, nutzt Filmbeispiele, um zu zeigen, wie Charakterbögen glaubwürdig gestaltet werden können. Besonders spannend fand ich das Beispiel aus „Der Pate“ – so beeindruckend, dass ich mir den Film gleich noch einmal angesehen habe! Ein kurzweiliges, schnell zu lesendes Buch, das ich sehr empfehlen kann.

James Scott Bell: Writing Unforgettable Characters: How to Create a Story that Jumps off the Page 

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Das Konzipieren von Buchreihen

Da ich bisher Einzelbände geschrieben habe, wollte ich dieses Jahr lernen, wie man eine Geschichte über mehrere Bände plant und die Leserinnen und Leser dabei fesselt. Dieses Buch erwies sich als äußerst hilfreich. Ob man eine Reihe von Einzelbüchern oder eine geplante Serie mit durchgehender Handlung schreibt – hier gibt es Antworten auf Fragen wie: Wie hält man das Interesse der Leser über mehrere Bände aufrecht? Die Autorin, die aus dem Fantasy-Genre kommt, zeigt Prinzipien, die sich auf alle Genres übertragen lassen. Aktuell sitze ich an der Planung einer Trilogie und freue mich darauf, die vielen guten Tipps anzuwenden.

Helen B. Scheuerer: How To Write A Successful Series: Writing Strategies For Authors 

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Tipps für den Versand von Autoren-Newslettern

Seit über einem Jahr gehe ich schwanger mit dem Gedanken, einen Newsletter für meine Webseite anzubieten, aber die zusätzliche Arbeit hat mich bisher davon abgehalten. Schließlich möchte ich in erster Linie schreiben und nicht nur Marketing betreiben. Dieses Buch hat mich jedoch überzeugt, dass gezieltes Newsletter-Marketing sinnvoll und wichtig für den Aufbau einer treuen Leserschaft ist. Es erklärt Schritt für Schritt, worauf man bei der Erstellung eines Newsletters achten muss, wie man eine Abonnentenliste aufbaut und welche Inhalte sinnvoll sind – unter Berücksichtigung aller gesetzlichen Vorgaben. Das Buch hat mich motiviert, meinen eigenen Newsletter zu starten. Wenn Sie sich anmelden möchten, können Sie das hier tun! –> Hier geht’s zur Anmeldung

Tammi L. Labrecque: Newsletter Ninja: How to Become an Author Mailing List Expert 

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Ein unvergessliches Ende schreiben

Beeindruckt von James Scott Bells Buch über das Schreiben von Charakteren, habe ich auch sein Buch über den perfekten Abschluss einer Geschichte gelesen. Manche Inhalte überschneiden sich mit dem ersten Buch, dennoch ist es lehrreich und kurzweilig. Bell zeigt, wie man eine Geschichte nicht nur sinnvoll abschließt, sondern so gestaltet, dass das Ende beim Leser nachhallt. Auch hier finden sich Filmbeispiele, was hilfreich ist, da wir alle diese Filme kennen und so die Argumentation nachvollziehen können, z.B. die Filme „Casablanca“ oder „Die Reifeprüfung“.

James Scott Bell: The Last Fifty Pages: The Art and Craft of Unforgettable Endings 

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Ich hoffe, diese Liste bietet ein wenig Inspiration für die eigene Weiterbildung. Gibt es ein Buch übers Schreiben und Vermarkten, dass Sie gern empfehlen möchten? Dann freue ich mich auf Ihren Kommentar unten!

Viel Freude beim Lesen und Entdecken dieser Schätze für Autoren!

 

Seit Der Verrat der Kaufmannswitwe bin ich versucht, meine Buchcover möglichst selbst zu gestalten. Nicht, dass ich mit dem Kaufmannswitwen-Cover unzufrieden war – im Gegenteil. Ich glaube, das von Jaqueline Kropmanns entwickelte Cover hat ganz entscheidend zum Erfolg des Buchs beigetragen.

Der Verrat der Kaufmannswitwe

Dennoch, da eine Coverdesignerin natürlich nicht umsonst arbeitet, war ich von der Idee besessen, diesen Kostenfaktor vielleicht ausschalten zu können, um so meinen eigenen Gewinn zu erhöhen. Ich arbeitete mich also in das kostenfreie Design-Programm GIMP ein und legte los. Heraus kam das Cover für Der Schwur der Gräfin. Ich testete es, indem ich es einigen vertrauten LeserInnen zeigte, und erhielt so zufriedenstellendes Feedback, dass ich mich trotz aller Warnungen im Internet entschied, den Sprung zum selbst gestalteten Cover zu wagen.

Der Schwur der Gräfin

Heute bin ich weniger zufrieden mit dem Cover, weil ich mittlerweile viel dazu gelernt habe. Die Grundidee ist super, doch die Schriftgestaltung würde ich heute anders angehen. Vielleicht werde ich das auch noch, mal sehen.

Was sich über die Zeit geändert hat, ist meine Wahl des Design-Programms. Heute verwende ich statt GIMP das kostenpflichtige Programm Affinity. Es ist mit Photoshop vergleichbar, hat aber den Vorteil, dass man kein teures Abo benötigt, sondern mit einer einmaligen Zahlung auskommt. Die Vorteile gegenüber GIMP liegen auf der Hand: Affinity Photo ist wendiger, hat mehr Leistung und ist benutzerfreundlicher, wenn man sich erst einmal ein wenig eingearbeitet hat. Das zeigt sich besonders bei der Schriftgestaltung. Bei GIMP wird die Schrift sofort in ein Bild umgewandelt, sobald man einen Effekt, wie etwa einen Schattenwurf, anwendet. Möchte man im Anschluss eine Änderung vornehmen, z. B. einen Buchstaben austauschen oder die Schriftgröße ändern, geht dies meist mit Qualitätsverlust einher. Affinity kann das deutlich besser handhaben. Das sieht man zum Beispiel hier, wo ich verschiedene Titel für Der Trug des Pilgers ausprobiert habe.

Was ich am Selfpublishing besonders schätze, ist die Möglichkeit, Einfluss auf die Buchausstattung nehmen zu können. Bei Die letzte Fehde an der Havel hatte ich keinerlei Einflussmöglichkeiten, und das fand ich sehr schade, da ich nicht das Gefühl hatte, dass das Cover den Inhalt widerspiegelt. Ich nenne es immer das „Teddybärcover“, weil es so braun und kuschelig aussieht.

Die letze Fehde an der Havel

Am Anfang eines jeden Covers steht eine Idee, die ich immer direkt aus der Geschichte ziehe. Ich betreibe freie Assoziation: Was passiert in der Geschichte, wer sind die handelnden Personen, was sind die Themen und Motive? Bei Das Vermächtnis der Agnes Bernauer wollte ich Agnes herausstellen und verwendete dafür ihren Kleiderstoff. Außerdem ging es mir um das Wort „tragisch“ in „tragischer Liebesgeschichte“ sowie um das Thema Wasser in Form von Tränen, Donau und Regen.

Für Der Trug des Pilgers musste ich diese Gedankenkette ganz von vorne beginnen. Ziemlich schnell war mir klar, dass ich die Gestaltung diesmal eher in Richtung Gelb gehen lassen wollte: Gold und Sand sollten die vorherrschenden Farbschemata sein. Sand für die Wüste des Heiligen Landes und die kargen Böden der Mark Brandenburg, Gold für das fürstliche Umfeld der Handlung im Kreis von Markgrafen, Grafen, Herzögen und Königen.

Da ich von der Träne auf dem Bernauer-Cover sehr begeistert war (und immer noch bin), sollte die Anlage der einzelnen Elemente wieder ähnlich verlaufen. Das zentrale Motiv der Geschichte war nicht schwer zu finden: das Siegel der Askanier. Glücklicherweise fand ich es als Schwarz-Weiß-Fotografie auf WikiCommons.

Dank Affinity war es nicht schwierig, das Relief des Siegels herauszuarbeiten und rot umzufärben. Nun fehlte nur noch ein Hintergrund. Da es in dem Buch auch um eine Pilgerreise geht, kam mir der Kartenraum des Vatikans in den Sinn. Dort kann man als Besucher Karten aus mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Jahrhunderten bewundern. Für uns moderne Betrachter wirken sie oft kindlich und naiv; nicht selten ist den Kartenmachern die Fantasie etwas durchgegangen. Es gibt darauf antipodische Wesen mit Füßen, die aus den Köpfen wachsen, Drachen und Fabeltiere sowie Orte, die nur in der Bibel vorkommen. Die Anordnung der Städte scheint oft mehr der Fantasie des Zeichners zu entspringen als den wahren Gegebenheiten, sodass die Realität passend zur Bibelbeschreibung zurechtgebogen wird – ein Weltenkreis entsteht, in dem auch Gott seinen Platz findet.

Während ich weiter über die Möglichkeiten historischer Karten nachdachte, erinnerte ich mich an ein Exemplar, dessen Faksimile ich vor nicht allzu langer Zeit in einem Museum gesehen hatte (leider weiß ich nicht mehr, in welchem Museum, aber es war auf einer Reise irgendwo in Deutschland): die faszinierende Ebstorfer Weltkarte. Sie entstand um 1300 und verbrannte leider im Zweiten Weltkrieg während eines Bombenangriffs. Man kann sie aber als Kopie betrachten und online gut erforschen. Auf dieser Webseite kann man sogar nach verzeichneten Ortschaften und Themen suchen.

Jerusalem befindet sich bei dieser Karte als Nabel der Welt in der Mitte. Auch das Mittelmeer ist klar erkennbar, wenn auch nicht in üblicher Form. Weitere bekannte Orte wie Konstantinopel, Sizilien oder Magdeburg sind ebenfalls verzeichnet. Und natürlich darf das Paradies nicht fehlen: Es ist als Kasten ganz oben eingezeichnet.

Damit waren die wichtigsten Elemente des Covers schnell gefunden. Ein weiteres Detail fügte ich noch in Form eines Jerusalemkreuzes (als Relief) hinzu, doch da muss man als Betrachter schon sehr genau hinschauen!

Ab hier war es nur noch eine Tüftelei, um die einzelnen Elemente gefällig und gut sichtbar anzuordnen. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass Amazon als Druckdienstleister beim Beschnitt der Seiten eine ziemliche Freiheit walten lässt. Für Amazon ist es kein Reklamationsgrund, wenn die Seite nicht ganz mittig gedruckt wird. Das ist natürlich problematisch, wenn man – wie ich – rote Bordüren an den Rändern anbringt, um die Komposition farblich zu rahmen. Ich habe so gut feinjustiert, wie es nur möglich ist, aber ein wenig Unsicherheit wird bleiben. Für einige Kunden könnte das Cover nicht ganz mittig erscheinen; links oder rechts könnten ein paar Millimeter Bordüre fehlen. Das ist leider die Realität, wenn man als Selfpublisherin unterwegs ist. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass das Printbuch eher selten geordert wird.

Bei der ersten Vorstellung des Buches in den sozialen Medien erhielt ich eine ganze Reihe positiver Rückmeldungen zur Covergestaltung. Das freut mich sehr, denn eigentlich bin ich ja keine Coverdesignerin. Aber es macht mir Spaß, und es ist, ganz ehrlich, auch ein guter Ausgleich zur reinen Texterstellung. Danke also für das liebe Feedback – es hat mich sehr gefreut!

„Der Trug des Pilgers“ erscheint am 30. November 2024 auf Amazon als eBook, Taschenbuch und Hardcover.

Ringen um Identität und Macht in der Mark Brandenburg

Der Trug des Pilgers

Im Pestjahr 1348

In Magdeburg taucht ein mysteriöser Pilger mit einem alten Siegelring auf. Sofort machen Gerüchte die Runde: Ist er wirklich der totgeglaubte Markgraf Waldemar?

Nicht nur der König, sondern auch andere Fürsten sehen ihre Chance gekommen, alte Rechnungen zu begleichen und den amtierenden Markgrafen zu stürzen – mit dramatischen Folgen für das gesamte Reich.

Was als harmlose Täuschung begann, wird bald tödlicher Ernst.

Erzählt nach wahren Begebenheiten.

Viele LeserInnen möchten gern wissen, woher die Idee zu einem Buch stammt. Die Antwort darauf ist nicht immer einfach. Manchmal ist es ein lang gehegter Traum, den man endlich umsetzen und Wirklichkeit werden lassen möchte. Manchmal verfolgt man eine konkrete Strategie. Und manchmal ist da dieser Funke, der eine ganze Reihe weiterer Funken auslöst, die letztendlich zu einer vollständigen Geschichte führen.

Vor einigen Jahren suchte ich in einer Facebook-Gruppe für historische Romane nach Inspiration – vor allem aber nach einem Stoff, der die LeserInnen wirklich interessieren würde. Ich war hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, eine spannende Geschichte zu erzählen, die möglichst vermarktbar war, und dem Anspruch, über etwas zu schreiben, das auch für mich als Autorin von Interesse sein würde. Ich setze mich ungern an ein Projekt, das mich nicht persönlich anspricht. Doch ein Blick in die Buchhandlungen ließ mir das Herz schwer werden, denn meine Vorlieben schienen kaum mit denen der Verlage übereinzustimmen: starke Titelheldinnen, oftmals im europäischen Ausland, nicht selten angereichert mit Fantasie und einer satten Portion Romantik.

Aus dieser Suche auf Facebook entwickelte sich eine spannende Diskussion, die mich dazu motivierte, das Konzept für *Die letzte Fehde an der Havel* zu entwickeln – die Geschichte eines Bauern, der sich an seinem Dienstherrn für den Tod seines besten Freundes rächt. Ein eher ungewöhnliches Thema, voller jugendlichem Leichtsinn und schriftstellerischer Naivität zu Papier gebracht, das zum Glück vom Gmeiner Verlag aufgenommen und im Herbst 2022 als mein Debüt veröffentlicht wurde (das Buch wurde übrigens für den Goldenen Homer nominiert).

Das war allerdings nicht das einzige Ergebnis dieser lebhaften Diskussion mit LeserInnen des Genres. Eine Nutzerin schlug eine Hochstapler-Geschichte vor und wies mich auf die zwei bekanntesten Hochstapler der Geschichte hin: Tile Kolup und Jakob Rehbock. Ersterer ging als „falscher Friedrich“ (nämlich Staufer-Kaiser Friedrich II.) in die Geschichte ein, letzterer als „falscher Waldemar“ (Markgraf Waldemar der Große von Brandenburg). Von ersterem hatte ich bereits durch Tilman Röhrigs fantastischen Roman *Wie ein Lamm unter Löwen* (1998) gehört, doch der zweite war mir neu. Da ich als Berlinerin eine gewisse Affinität zur „Mark Brandenburg“ verspürte, äußerte ich mein Interesse. Die Leserin war so freundlich, mir eine von ihr verfasste Seminararbeit aus ihrer Studienzeit zuzusenden. Das Thema schien ziemlich spannend, doch ich entschied mich damals, mich zunächst der Quitzow-Geschichte zuzuwenden.

2023 griff ich das Thema jedoch wieder auf. Ich holte die Seminararbeit hervor und begann, sie genauer zu lesen. Dann startete ich eine Internetsuche – und siehe da: Es war recht viel Material zum Thema vorhanden, auch wenn diese geschichtliche Episode im Grunde genommen nur zwei Jahre der brandenburgischen Geschichte umfasst. Dennoch faszinierte mich der Stoff, besonders die Legendenbildung um den mysteriösen Pilger, der eines Tages mit dem Siegelring des Markgrafen an die Burg des Magdeburger Erzbischofs geklopft haben soll.

Schnell wurden zwei Dinge klar:

Erstens war die Geschichte komplexer, als zunächst angenommen. Der Vorfall rund um den falschen Waldemar hatte weitreichende Auswirkungen, die das gesamte Heilige Römische Reich betrafen. Zudem traten eine Reihe von dynastischen Verwicklungen zutage, die noch weiter zurückreichen. Und natürlich musste ich nicht lange suchen, um die spannenden Persönlichkeiten hinter den historischen Namen zu entdecken.

So richtig gepackt hat es mich aber dann, als ich erfuhr, dass die Stadt Gransee bin heute über ein sogenanntes Waldemar-Tor verfügt. Das Ruppiner Tor (so der eigentliche Name) ließ der damalige Markgraf nämlich wutentbrannt zumauern, um die Bürger für ihre Hinkehr zum falschen Waldemar zu bestrafen. Erst die Hohenzollern erlaubten es der Stadt Gransee einige Jahrhunderte später, das alte Tor wieder zu öffnen. Heute sind an der Stelle also zwei Tore: das alte sowie das neuere, das deutlich kleiner ist. Da Gransee auf unserem üblichen Sommerausflugsweg zum Stechlinsee liegt, musste ich unbedingt einmal nachschauen, und war darüber tatsächlich ziemlich verblüfft.

So etwas kann man sich einfach nicht ausdenken!

Zweitens wurde schnell klar, dass  der Vorfall selbst zwar recht gut dokumentiert war, doch die Hintergründe und feinen Details wurden von den Chronisten nicht festgehalten. Die Lücke in der Geschichtsschreibung begriff ich als Chance, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen: Wer war der falsche Waldemar wirklich?

Herausgekommen ist – so hoffe ich – eine spannende Geschichte voller Verwicklungen, überraschender Wendungen und lebendiger Figuren.

Das eBook kann ab sofort vorbestellt werden. Vorbestellungen unterstützen mich als Autorin, da sie die Sichtbarkeit des Buches bereits vor dem Erscheinungstermin auf Amazon erhöhen. Taschenbuch und Hardcover folgen demnächst.

Schottland X

von Silke

Schottland … Nun waren wir schon so lange dort, und das vor allem an der Westküste. Ich musste mir eingestehen, dass mir langsam die Ideen ausgingen. Ich wusste, dass ich auf jeden Fall noch eine Sehenswürdigkeit auf meiner Liste besuchen wollte, bevor es wieder zurück ging nach Good Old Germany, nämlich Dunnotar Castle, aber ansonsten setzte jetzt so langsam eine gewisse Reisemüdigkeit ein.

Während ich also am Morgen duschte, durchstöberte mein Mann das Internet. Er schaute auf, als ich fertig war, und sagte: „Also, so weit ich das sehe, gibt es in der Umgebung noch zwei recht interessante Schlösser, die wir besichtigen können. Das eine ist Glamis Castle, und das andere hat wohl mit der Royal Family zu tun.“

Ich horchte auf. Royal Family? Nun bin ich ja keine ausgesprochene Royalistin, aber als History-Fan bin ich natürlich schon begeistert von langen Stammbäumen, alten Häusern und geschichtsträchtigen Orten. Und hatte ich schon mal erwähnt, dass ich tatsächlich eine Untertanin von König Charles bin? Ich habe nämlich anno dazumal der Queen meine Treue geschworen im Zuge meiner Einbürgerung nach Australien. Ja, auch deshalb horchte ich also auf.

„Welches Schloss?“, fragte ich meinen Mann.

„Äh …“ Klick, klick. „Irgendwas mit … Moment … Balmoral?“

Ich quiekte vor Entzücken auf. Oh, du Unschuldiger! Das Lieblingsschloss der Queen? Nein, mehr noch! Ihr Sterbeort! Nichts wie hin!

Doch bevor wir nun mit diesem Bericht loslegen, hier noch ein kurzer Hinweis. Dieser Blogpost ist sehr lang geworden, und das liegt vor allem daran, dass ich viele Fotos darin teilen wollte. Nicht nur von Balmoral, sondern auch von anderen Destinationen, die wir in diesen letzten Tagen in Schottland besichtigt haben: Aberdeen, Glamis Castle und eben Dunnottar.

Normalerweise hätte ich den Post aufgesplittet in mehrere Teile, aber da wir mittlerweile bei Schottland-Post-X, also 10, angekommen sind, denke ich, dass es Zeit wird, diese Reihe zu beenden. Bald erscheint nämlich ein neues Buch von mir, und dann soll der Blog wieder dazu dienen, wofür er eigentlich gedacht war, nämlich, ein paar Hintergrundinfos zum Roman und zum Schreibprozess zu teilen.

Balmoral Castle

Was ich bis dahin gar nicht so recht auf dem Schirm gehabt hatte, war, dass man Balmoral als Normalsterblicher besichtigen darf, zumindest zu ausgewählten Zeiten im Sommer. Wie schon mehrfach während unseres Trips war es auch hier wieder so, dass wir die berühmte letzte Woche erwischten. Generell hatten wir sowieso sehr viel Glück, denn normalerweise war das Gelände schon früher im Jahr geschlossen. Aber Charles hatte wohl noch keine Verwendung dafür oder so.

Die Fahrt dorthin gehörte übrigens zu den spektakulärsten unseres gesamten Rundreise. Wir befanden uns hoch oben in den Highlands, umgeben von strahlend violetten Heidekräutern. So viel Lila auf einen Haufen hatten wir noch nie gesehen. Es war so schön, dass wir für Fotos anhielten.

In Balmoral dann der Schock. Obwohl man die Tickets vorher per Zeitfenster buchen musste, war es auf dem Parkplatz so rappelvoll, dass wir für eine satte halbe Stunde weder vor noch zurück konnten. Es war wie ein Verschiebe-Puzzle, bei dem sich alle Teile verhakt hatten. Besucher aus aller Herren Länder konnten nur frustriert die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und warten, dass sich am anderen Ende des Parkplatzes irgendetwas tat. Was keiner wusste: Es gab einen Überlauf-Parkplatz auf einer grünen Wiese, aber das konnte man von der Straße aus nicht sehen.

Aber wir waren ja im Urlaub, und irgendwann standen auch wir am Parktor und begehrten Einlass. Nun sollte ich vielleicht dazu sagen, dass ein Eintritt nach Balmoral leider standardmäßig nicht bedeutet, dass man auch das Haus von innen sieht. Das ist zwar möglich, aber dafür musste man eine spezielle Tour buchen, und da waren wir natürlich wie immer viel zu spät dran. Machte aber nichts. Das Gelände ist riesig, und es gibt auch so genug zu sehen.

Das Schloss steht in einem herrlichen Landschaftspark mit uralten Bäumen, Viehweiden, Gärten und einem Fluss. Auf der anderen Seite dieses Gewässers verläuft eine Straße, wer also Glück hat, könnte rein theoretisch von dort aus auch ab und zu Charles und Camilla beim Spaziergang beobachten. Generell ist das Gelände erstaunlich frei von Zäunen und Mauern, aber natürlich gibt es versteckte Kameras allerorten, sodass Eindringlinge bestimmt schnell gefunden würden.

Wir folgten dem Fluss, an dem Harry bestimmt auch mal ein paar Forellen gefangen hat, bis zum Corgy-Friedhof der Queen, warfen auch einen Blick auf das Denkmal für Philipps Mutter Prinzessin Alice, und kehrten irgendwann an der Schaukel vorbei zurück zum Schloss.

Dort durfte man immerhin den Ballsaal besichtigen, wo Charles‘ Aquarelle ausgestellt waren ebenso wie ein paar Kleidungsstücke der Familie. Der Ballsaal selbst ist aber eher unspektakulär, was vor allem daran liegt, dass dieses Haus nicht für öffentliche Empfänge gedacht ist, sondern als Privatresidenz.

König Charles ist ein ausgesprochener Gartenfreund, und so konnten wir auch noch eine neu angelegte Terrasse bewundern sowie seinen Gemüsegarten, der wohl zu den schönsten Gemüsegartenanlagen zählt, die ich je gesehen habe. Ich hätte nie gedacht, dass man Erbsen, Kohl und Kartoffeln so attraktiv anordnen kann (und das ist jetzt echt kein Witz, der Garten war ein Traum).

Bemerkenswert waren auch das Besucher-Cafe mit sehr guter Küche und exzellentem Service sowie die Toiletten. Ja, das klingt jetzt komisch, ich weiß. Aber im Wartebereich/Flur hing eine wunderbare Auswahl von Familienporträts.

Abschließend besuchten wir noch die „Dorfkirche“ auf der anderen Seite der Landstraße, wo die königliche Familie immer bei Anwesenheit in Balmoral am Gottesdienst teilnimmt. Hier gingen sie auch zur Messe am Morgen, nachdem Diana gestorben war. Es war schon irgendwie bewegend, das alles mal in real life zu sehen.

Ardoe House

Der Fluss, der an Balmoral vorbeifließt, ist die Dee, die bei Aberdeen ins Meer mündet. Wir folgten dem Wasser zum letzten Hotel unserer Reise, das sich in einem Vorort von Aberdeen befand. Ardoe House wurde als Herrenhaus mit Spa beworben, deshalb waren wir schon sehr gespannt auf diesen Aufenthalt. Leider wurden wir dann aber auch genau so schnell enttäuscht.

Die öffentlichen Bereiche des Hotels waren wirklich faszinierend, aber überall konnte man erahnen, dass es an Personal und Geld mangelte. Zum Beispiel gab es zwei Bars, von denen aber nur eine bewirtschaftet wurde. Das wäre eigentlich kein Problem gewesen, aber ein Hinweisschild hätte allen Gästen geholfen, die vergeblich darauf warteten, dass jemand für sie den Zapfhahn bedient. Als wir nachfragten, ob die Bar heute noch geöffnet wird, hieß es, bei so wenig Gästen lohne das nicht. Nun, ich möchte nicht wissen, was die unter „volles Haus“ verstehen, denn die Lounge war um 20 Uhr rappelvoll mit Gästen, die aber alle zwei Räume weiter stiefeln mussten, um sich dort mit Getränken zu versorgen.

Der Ärger hörte damit nicht auf. Zum Beispiel war dies auch das erste Mal, dass ich in einem 4-Sterne-Hotel war, das mir keine Handtücher aushändigte, selbst nach einem Telefonat mit der Rezeption nicht. Und Seife hatten wir auch nicht, stattdessen hatte man uns den Duschseifenspender hingestellt … sodass wir keine Duschseife in der Dusche hatten. Und überhaupt die Dusche … würg. Ekel pur. Da war dann eigentlich auch klar, dass wir den Spa garantiert nicht besuchen werden.

Schade eigentlich, denn Ardoe House war so ein schönes altes Haus voller Charme.

Aberdeen

Viel von Aberdeen haben wir eigentlich nicht gesehen, wir sind nur zum Essen in die Stadt gefahren. Aber eine Sache mussten wir dann doch auschecken: Footdee.

Das kleine Fischerviertel liegt direkt am Hafen an der Mündung der Dee und entstand, als man die ansässigen Familien umsiedelte für den Ausbau der Hafenanlagen. Das Viertel ist planmäßig angelegt in Karrees, außen die ein- bis zweistöckigen Wohnhäuser, in der Mitte der öffentliche Platz. In einem Karree befand sich die Kirche, doch die anderen hatten die Mitte zugebaut mit kleinen Hütten. Früher waren dies bestimmt die Bootshäuser und Werkzeugschuppen der Fischerfamilien, doch heute waren es eher Gartenlauben, Künstlerateliers und Gästezimmer. 

Die geschlossene, autofreie Bebauung und die wenigen Schritte zum Strand sorgten auf jeden Fall für eine sehr kuschlige und heimelige Atmosphäre.

Glamis Castle

Ein weiteres Schloss mit royaler Verbindung, das wir besuchten, war Glamis Castle, auch wenn wir das bis dahin überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt hatten. Wie wir dann aber vor Ort erfuhren, lebten hier einst die Großeltern der Queen, die als Kind gern ihre Sommer hier verbracht hat. Ihre Schwester Margaret erblickte hier sogar das Licht de Welt, was irgendeine Besonderheit war, denn, wenn ich mich recht entsinne, sind ansonsten alle Mitglieder der Royal Family in England geboren.

Innen durften keine Fotos gemacht werden, denn das Schloss ist weiterhin bewohnt. Aber ich kann bestätigen, dass sich der Besuch auf jeden Fall lohnt, denn das Gemäuer ist über Jahrhunderte gewachsen und zeigt von den gotischen Anfängen bis zur Kindheit der Queen alles, was das Herz begehrt. 

Natürlich durfte auch hier der Garten nicht fehlen. Und es gab, so wie in Balmoral, einen Tierfriedhof, wo die Schoßhunde von Queen Mum beerdigt lagen. Im Souvenirshop erstand ich dann noch eine semi-antike 80er-Jahre-Gedenktasse anlässlich von Dianas und Charles‘ Hochzeit. Sie hat einen Ehrenplatz in meiner heimischen Vitrine gefunden.

Dunnottar Castle

Ich möchte diesen Blogpost und sogar diese gesamte Schottland-Reihe beschließen mit unserem Besuch von Dunnottar Castle.

Der Ort ist etwas ganz Besonderes für mich, denn vor (bis auf den Monat genau) 25 Jahren war ich schon einmal dort, nämlich als mein großer-kleiner Bruder mich nach England fuhr für einen achtmonatigen Aufenthalt als Deutschlehrerin an einer Privatschule. Als Bedingung für seinen Fahrdienst hatte er eine Schottlandrundreise vorausgesetzt, zu der ich natürlich gern zugestimmt habe. Er war es, der mir die Burgruine zeigte, und da ich damals noch ganz grün hinter den Ohren war, musste ich unbedingt noch einmal hin.

Dunnottar befindet sich auf einem Felsen vor der Küste. Um dorthin zu gelangen, muss man erst auf Wasserhöhe hinabsteigen und dann wieder den Felsen hinauf. Mit Fantasie könnte man sich aber auch vorstellen, dass es früher eine spektakuläre Seilbrücke gab, die den Graben überwand. Kleiner Scherz, gab es natürlich nicht. Aber die Lage ist natürlich nicht nur umwerfend, sondern auch sehr gut zu verteidigen.

Der mittelalterliche Teil der Anlage ist eine Ansammlung aus bunt übereinander und durcheinander gestapelten Steinräumen, denen heute das Dach fehlt. Da es am Morgen stark geregnet hatte, war die Attraktion auch erstmal bis um die Mittagszeit geschlossen, aber dann hatte es Entwarnung gegeben und die Ticketbesitzer durften anreisen (ich wiederhole mich nur ungern, aber wir sprechen immer noch von August).

Ich kann es nicht beschreiben, aber für mich hat der Ort etwas Magisches. Die Burg war lange Zeit nur Garnison und hat so einiges miterlebt, aber eine Zeitlang war sie auch tatsächlich Residenz, und wenn ich mir vorstelle, wie die Herrin des Hauses an ihrem Fenster saß und über die tosende See schaute … Ja, da bekomme ich selbst jetzt noch eine Gänsehaut.

Und das war’s

Und damit endet mein Reisebericht über Schottland. Ich hoffe, dass vielleicht die ein oder andere interessante Info dabei war, und dass es Sie vielleicht inspiriert, ebenfalls einmal dieses wunderschöne Land zu erkunden. Gern freue ich mich über Kommentare oder Fragen. Vielen Dank fürs Lesen!

Schottland IX

von Silke

Wir verabschiedeten uns vom hohen Norden und zogen weiter die Westküste hinunter in Richtung Süden.

Es blieben noch ein paar Urlaubstage zu füllen.

Wir erinnern uns: Eigentlich hatten wir geplant, bis zu den Shetland-Inseln zu reisen, aber mangels Unterkünften war dies nicht möglich. So verbrachten wir also viel mehr Zeit auf dem Festland, als ursprünglich veranschlagt. Wir nahmen uns vor, das Beste aus der Situation zu machen, und suchten uns lohnenswerte Ausflugsziele. Eins davon: eine waschechte Macbeth-Burg namens Cawdor Castle.

Cawdor Castle

Cawdor Castle, in den schottischen Highlands gelegen, hat eine lange und bedeutende Geschichte, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Es war ursprünglich eine Festung der Familie Calder und ging später durch Heirat an den Clan Campbell über, der das Schloss bis heute bewohnt. Im Sommer ist es aber für Besucher geöffnet, also nichts wie hin!

 

Das Haus ist tatsächlich rappelvoll mit kostbaren Antquitäten, aber auch persönlichen Erinnerungsstücken der Familie. Es lohnt sich auf jeden Fall, hier einmal bei einer Tour mitzumachen. Besonders auffällig waren die vielen unbezahlbaren Wandteppiche mit wirklich wunderbar erhaltenen Farben. So manches Museum würde bei dem Anblick wohl wässrige Augen bekommen.

Cawdor Castle wird oft mit Shakespeare’s Macbeth in Verbindung gebracht, insbesondere aufgrund der Prophezeiung der Hexen, die Macbeth als „Thane of Cawdor“ ansprechen. Wie beim Besuch dann aber erfuhren, hat das Schloss selbst keinen direkten historischen Bezug zu Macbeth, da es erst nach seinem Tod erbaut wurde. Dennoch war es ein Leichtes, sich im dunklen, mittelalterlichen Eingangsbereich mit angeschlossener Gefängniszelle und ausgestopftem Bären vorzustellen, wie hier damals Blut geflossen ist.

 

Bemerkenswert: Die Architektur von Cawdor Castle ist ganz besonders gut erhalten, denn die Festung wurde niemals angegriffen – eine echte Besonderheit für Schottland! 

Das absolute Highlight war aber die Stechpalme, die man im Keller des Hauses bewundern kann. Laut Legende wurde das Schloss nämlich um diesen Baum herum gebaut.

Wenn man auf der Webseite von Cawdor Castle nachschaut, steht das Wort „original“ vor „holly“ in Anführungsstrichen. Natürlich ist dies nicht der Originalbaum, oder doch? Ich meine, ohne Licht hatte der da unten doch keine Chance, oder sehe ich das falsch? Meine Zimmerpflanzen jedenfalls gehen schon bei weitaus günstigeren Konditionen ein.

Spannend ist übrigens auch, dass im selben Raum eine Tür zu einer Reihe von miteinander verbundenen Räumen gefunden wurde. War dies vielleicht ein Kerker?

Im Anschluss nutzten wir die Tatsache, dass sich die Sonne hinter den Wolken hervorgewagt hatte, und machten einen kurzen Spaziergang zum Schlossgarten. Der bestand – natürlich – unter anderem aus einem Walled Garden, der jetzt, im August, in voller Blüte stand. Alles brummte und summte und duftete, wirklich zauberhaft!

Im Anschluss ging es zu einem neuen Hotel, auf das ich mich schon sehr freute. Unsere Basis für zwei Nächte hieß Brora. Wie erhofft war das Hotel furchtbar romantisch (wenn auch ohne Badewanne diesmal). Doch was noch viel besser war: So verschlafen Brora auch war, es hatte einen erstklassigen Inder!

Schottland VIII

von Silke

Skara Brae. Endlich ging es zu meinem Sehnsuchtsort! Da war es auch egal, dass wir das Auto auf dem Festland zurücklassen mussten, dass es ungelogen nur 12 Grad waren, dass Sturmböen über die Insel peitschten und uns der Regen auf die Kapuzen trommelte. Ich war endlich da. 

Skara Brae

Warum war mir Skara Brae eigentlich so wichtig? Um das zu verstehen, muss ich ein wenig weiter ausholen.

Skara Brae ist eine der am besten erhaltenen prähistorischen Siedlungen in Europa. Sie stammt aus der Jungsteinzeit und wurde um 3180 v. Chr. erbaut, was sie älter als die Pyramiden von Gizeh und Stonehenge macht (!).

Die Siedlung geriet über Jahrtausende in Vergessenheit, bis sie 1850 nach einem schweren Sturm wiederentdeckt wurde, der die Sanddünen freilegte, die Skara Brae seit langer Zeit bedeckt hatten. Der Laird von Skaill, William Watt, begann daraufhin mit ersten Ausgrabungen, die später von Archäologen intensiviert wurden. Fotografien von den ersten Ausgrabungen sieht man übrigens auf dem Gelände.

Skara Brae besteht aus acht Steinhäusern, die durch enge Gänge miteinander verbunden sind. Die Häuser sind bemerkenswert gut erhalten, da die Bewohner viele Möbelstücke, wie Betten, Schränke und Vorratsbehälter, aus Stein fertigten. Wenn man von oben in die Behausungen schaut, sieht man ganz deutlich, wie die Menschen dort einst gelebt haben. Ernährt hat man sich von Viehwirtschaft, der Jagd, dem Fischfang und dem Getreideanbau.

Die Siedlung war etwa 600 Jahre lang bewohnt, bevor sie aus unbekannten Gründen aufgegeben wurde.

Für die Wissenschaft hat Skara Brae eine immense Bedeutung, da sie tiefe Einblicke in das Leben der Jungsteinzeit gibt. Archäologen entdeckten zahlreiche Artefakte wie Werkzeuge, Keramiken und Schmuckstücke, die auf das alltägliche Leben und die gesellschaftlichen Strukturen der damaligen Menschen hinweisen.

Besonders bemerkenswert ist, dass es in der Siedlung keine erkennbaren sozialen Hierarchien gab, was Skara Brae von anderen prähistorischen Stätten unterscheidet.

Wie erwähnt, war das Wetter nicht besonders freundlich zu uns. Ich war mehr damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass mir das Handy beim Fotografieren nicht vom Wind aus der Hand gerissen wurde, als dass ich länger den Anblick in mich hätte aufnehmen können. Sei’s drum. Deshalb macht man schließlich Fotos. Zuhause angekommen konnte ich mir die Strukturen dann in alle Ruhe anschauen.

Um dem Sturm zu entkommen, sind wir noch in das Skaill House gegangen, das aber angesichts seines spektakulären Nachbarn völlig verblasst. Immerhin konnten wir so für einige Zeit dem Wetter entkommen. Außerdem gab es auf dem Gelände noch eine Rekonstruktion eines solchen steinzeitlichen Hauses, damit man ein Gefühl dafür bekam, wie es sich wohl in diesem Behausungen gelebt hat. Nun, ich kann sagen: Es war dunkel, aber irgendwie auch kuschlig.

Mein Fazit: Ich bin wirklich froh, dass wir es am Ende doch noch trotz aller widrigen Umstände nach Skara Brae geschafft haben. Aber im Vergleich zu den Live-Ausgrabungen am Ness of Brogdar war dies wie eine Reise nach Disneyland. Schließlich war alles beschildert, museal aufbereitet und der Artefakte beraubt. Es war dennoch natürlich einzigartig und ein Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.

Tip: Wen so ein Thema übrigens genau so brennend interessiert wie mich, der sollte auch mal Malta als Reiseziel in Betracht ziehen, vor allem das Hypogäum.

Stromness

Da die Versorgungssituation in der Kantine des Besucherzentrums subpar war, sind wir mit dem Bus wieder zurück nach Stromness, wo wir bereits ein gutes Restaurant erspäht hatten. Nach einem leckeren Mittagessen aus Miesmuscheln und Pommes erkundeten wir noch den alten Fischerort.

Viel los war nicht, aber die zentrale Straße, eng und von alten Fischerhäusern gesäumt, die rückseitig direkt aufs Hafenbecken hinaus gingen, hatte einen gewissen Charme. Wir lasen die Plaketten über bekannte Persönlichkeiten und erfuhren so unter anderem, dass Stromness einst Stützpunkt für die Hudson Bay Company war, die hier Seeleute für ihre Erkundungsfahrten in Nordamerika rekrutierte.

Warum ist das eigentlich so, dass die kleinsten Orte die spannenden Museen haben? Das hatten wir ja schon in Wick gesehen, aber auch Stromness stand dem Ganzen in nichts nach.

Besonders fasziniert hat mich im Stromness Museum die Geschichte einer jungen Frau namens Eliza Fraser, die im frühen 19. Jahrhundert in Australien Schiffbruch erlitt und nach ihrer Rettung von den Gebräuchen und Riten der Aborigines zu erzählen wusste. Im Museum gibt es Abschriften und Kopien ihrer Briefe, die wir alle penibel abfotografiert haben, denn als Halbaustralierin finde ich die Geschichte wahnsinnig faszinierend, und ich könnte mir vorstellen, das eines Tages mal zu einem Roman zu verarbeiten.

Am späten Nachmittag ging es dann wieder mit der Fähre zurück aufs Festland. Ich, mein Mann und ein halbes Dutzend neue Bücher.

Schottland VII

von Silke

Schließen Sie die Augen und denken Sie an Schottland. Was taucht da vor Ihrem geistigen Auge auf? Vielleicht grüne Hügel? Schafe? Steilklippen? Hügelgräber? Leuchttürme? Seevögel? All das und noch viel mehr erlebten wir an diesem Tag im hohen Nordosten! Natürlich durfte auf der ein oder andere Idiot nicht fehlen.

Dunnet Head

Der Tag begann mit einem Besuch eines völlig abgelegenen Leuchtturms namens Dunnet Head. Die Fahrt dorthin war wahrlich abenteuerlich, denn die Straße schlängelte sich durch ein spektakuläres Moorgebiet. An der Spitze der Landzunge angekommen, war es dann weniger einsam, denn der Parkplatz war voll, aber wir waren bemüht, uns davon nicht die Laune verderben zu lassen.

Unser Vorsatz hielt ganze fünf Minuten, dann kochte mir das Blut so hoch wie lange nicht mehr (es übertraf sogar beinahe meinen Zorn, den ich beim Steinkreis von Orkney erleben durfte). Überall waren eindeutig Schilder angebracht, dass das Fliegen von Dronen nicht gestattet sei. Und was begleitet uns auf unserem Weg zur Klippe? Richtig!

Dabei sollte so ein Verbot ja eigentlich nicht schwer zu verstehen sein. Die Klippen sind berühmt als Brutplätze für die verschiedensten Vogelarten. Sie sind ein Naturschutzgebiet. Eine Drone ist da ein echter Störenfried, und mehr noch: Er ist eine Gefahr für die Tiere. Aber hey, es ist natürlich viel wichtiger, faszinierende Luftbildaufnahme zu machen. Weil man sich ja selbst der Nächste ist oder so.

Während um uns herum also alle Besucher freudig und idiotisch in die fliegende Kamera winkten, zeigte ihn dem Ding den Stinkefinger. Es zog dennoch nicht ab.

Also begab sich mein Mann auf die Suche, um den Besitzer der Drone ausfindig zu machen. Dieser zeigte sich überrascht, unwissend und entschuldigend. Dennoch: Wer so ein Ding steigen lässt, sollte sich vorher informieren. Mir wäre auch ohne Verbotsschilder klargewesen, dass dies ein Stück schützenswerte Natur ist, und dass eine Drone sich nachhaltig negativ auf das Brutverhalten von Vögeln auswirkt.

Aber nun gut, ich will nicht noch mehr Worte darüber verschwenden. Schade eigentlich, dass dies unser Erlebnis auf dem Dunnet Head so geprägt hat.

Nach all dem Stress sind wir noch ein wenig die Klippen entlang gewandert und haben die verlassenen Militärgebäude aus dem 2. Weltkrieg inspiziert. Schon gruselig, wenn man sich vorstellt, wie die jungen Männer dort damals beim Schein von Parafinlampen in Wind und Wetter ausgeharrt und das blaue Meer nach Nazi-Schiffen abgesucht haben.

Duncansby Head

Danach fuhren wir weiter Richtung Osten am Örtchen John o‘ Groats vorbei. Der ungewöhnliche Name geht auf den ersten Fährmann zurück, dem Niederländer Jan de Groot, der im 15. Jahrhundert von König James IV. von Schottland die Erlaubnis erhielt, eine Fährverbindung zu den Orkney-Inseln zu betreiben. Der Fährmann war sehr clever: Man sagt, er habe ein achteckiges Haus gebaut, um Streitigkeiten zwischen seinen acht Söhnen über den Platz am Tisch zu vermeiden.

Da es ansonsten aber nicht viel Spannendes dort zu entdecken gab, sind wir weiter bis nach Duncansby Head. Auch hier befindet sich ein Leuchtturm. Wir stiegen aus und gingen weiter, immer die Küste entlang nach Süden.

Was für ein magisches Erlebnis! Die Sonne schien, zu unseren Füßen toste das Meer, und wir waren mit jedem Schritt bemüht, nicht in Schafkacke zu treten. Denn Schafe gab es hier überall. Das Land ist nicht öffentlich, sondern gehört jemandem, der hier seine Schafe hält. Doch solange man keinen Schaden anrichtet, kann man sich frei bewegen.

Die Wanderung lohnt sich in jedem Fall. Wir gingen bis zu den Duncansby Stacks, konisch geformten Felsen, die der Küste vorgelagert sind.

Cairn o’ Get

Zu guter Letzt sind wir an jenem Tag noch zu einem sehr, sehr alten Ort gefahren. Überall entlang der Küste kann man auch heute noch die Reste alter Kulturen entdecken. Meist sind es die Überreste von so genannten brochs – kreisrunde Fundamente aus Stein. Das sind die Ruinen von Wach- und Wehrtürmen aus der Eisenzeit, also in etwa von 200 v. Chr. bis 200 n. Chr. Wir haben einige davon besichtigt und ehrfürchtig die uralten Formationen betrachtet.

Unser letzter Ausflug an jenem Tag jedoch brachte uns zu einem ganz anderen Erinnerungsort: Cairn o’ Get.

 

Dieser Grabhügel der Pikten liegt etwas abseits der Straße, und wir mussten erstmal unzählige mit lila Heidekräutern bewachsene Hügel überqueren, um dorthin zu gelangen. Nebenbei hatten wir auch noch die ein oder andere Begegnung mit ausgeflippten Schafen.

Der Cairn o’ Get ist aber auf jeden Fall den Weg wert. Der Grabkammer fehlt heute der „Deckel“, deshalb kann man problemlos und straffrei hineinlaufen und sich einmal gut umschauen. Der lange Gang endet in einer kreisrunden Grabkammer.

Über die Jahrhunderte wurde hier natürlich gegraben und geraubt, weshalb der Zustand ein wenig dürftig ist, aber wir haben dennoch einen guten Eindruck erhalten. Die Grabkammer wurde vor ca. 6000 Jahren angelegt. Im letzten Jahrhundert fand man hier sogar noch Töpferwaren.

Ein wenig konnten wir nachvollziehen, warum die Pikten genau diesen Ort auswählten für ihre Bestattungsriten. Die Landschaft hatte einen unbeschreiblichen Zauber.

Es war eine gute Einstimmung für unseren nächsten Tag, denn endlich, ja endlich würde es nach Skara Brae gehen!

Der Kindle Scribe ist wie ein überdimensionierter eBook-Reader mit der zusätzlichen Funktion eines digitalen Notizbuchs.

Die Idee faszinierte mich. Da ich für meine Geschichten viel recherchieren muss, einiges auch mittels eBooks, fragte ich mich, inwiefern ich mit dem Scribe Notizen machen und Gedanken sortieren konnte.

Die Antwort nach mehreren Monaten der Nutzung lautet: Es ist bedingt möglich, mit dem Scribe zu arbeiten, aber eine Combo aus echtem Buch und Notizblock ersetzt er momentan noch nicht.

Was ist der Kindle Scribe?

Der Kindle Scribe ist ein E-Reader von Amazon, der neben den klassischen Kindle-Funktionen auch eine Schreibfunktion bietet. Hier sind die wichtigsten Funktionen des Kindle Scribe:

Lesen von E-Books

Wie andere Kindle-Geräte ermöglicht der Scribe den Zugriff auf die riesige Bibliothek von Amazon Kindle E-Books, darunter Romane, Sachbücher und Zeitungen. Natürlich kann man auch auf KindleUnlimited zugreifen. Ebooks anderer Handelsplätze wie Thalia oder Bücher aus Büchereien über die Onleihe kann man mit dem Scribe nicht lesen.

Wie gewohnt, lassen sich die Schriftgröße, Schriftarten und Helligkeitsanpassung einstellen für ein angenehmes Leseerlebnis.

Schreiben und Notizen machen

E-Note-Funktion: Mit einem speziellen Stift (im Lieferumfang enthalten) können Nutzer Notizen direkt auf dem Gerät machen.

Handschriftliche Anmerkungen: In E-Books oder PDF-Dateien lassen sich handschriftliche Anmerkungen hinzufügen.

Skizzieren

Der Scribe unterstützt Skizzen und Zeichnungen – super für alle, die eher visuell unterwegs sind und ihre Gedanken anhand von Diagrammen, Wortwolken oder ähnliches festhalten.

Organisierte Notizen: Notizen können sortiert und in verschiedenen Notizbüchern oder Kategorien organisiert werden.

PDF- und Dokumentenunterstützung

Unterstützung für PDF-Dokumente, Word-Dokumente und andere Dateiformate, die auf das Gerät geladen werden können. Ich lade zum Beispiel immer meine Manuskripte ins Kindle, um sie auch in einer anderen Arbeitsumgebung zu lesen (das hilft, ein frisches Leseerlebnis zu bekommen, wobei man wieder sensibler wird für Tippfehler oder andere Probleme).

Dokumente können beschriftet oder kommentiert werden, was den Kindle Scribe für geschäftliche und akademische Anwendungen nützlich macht.

Display

Das große, blendfreie 10,2-Zoll Paperwhite-Display bietet eine gestochen scharfe Darstellung, die sich angenehm wie echtes Papier liest. Wer eReader kennt, weiß sicherlich auch zu schätzen, wie angenehm die längere Nutzung für Augen ist im Vergleich zu einem Computermonitor.

Der Scribe verfügt über eine anpassbare Beleuchtung für optimale Lesebedingungen in verschiedenen Umgebungen.

Integration mit Cloud-Diensten

Sehr nützlich ist die Möglichkeit, die auf dem Scribe gefertigten Notizen über verschiedene Geräte hinweg zu synchronisieren, z.B. mit der Kindle App auf Smartphones, Tablets und Computern.

Außerdem kann man nicht nur fertige eBooks, sondern auch Dokumente via E-Mail an das Gerät senden und dann dort bearbeiten.

Stifteingabe ohne Aufladen

Der Scribe verfügt über einen digitalen Stift. Es gibt ihn in zwei Versionen; ich rate dringend dazu, den teureren zu nehmen, denn der erlaubt es dem Nutzer, durch bequemes Umdrehen falsche Wörter einfach auszuradieren, ähnlich wie bei einem Bleistift mit Radiergummi. Ansonsten müsste man die Funktion des Stiftes über das Menü jedes Mal umschalten, was zeitaufwändig und störend ist. Der Stift hat in beiden Fällen außerdem einen Umschaltknopf an der Seite. Man kann die Funktion dieses Knopfes individuell einstellen. Ich nutze ihn, um vom Schreiben zum Markieren (halb durchsichtige dicke Linie) zu schalten.

Der Kindle Scribe eignet sich also nicht nur zum Lesen, sondern auch für das Anfertigen von Notizen, Skizzen und Anmerkungen, was ihn vielseitig einsetzbar macht, besonders für Leser und kreative Köpfe.

Vorteile

Zwei Geräte in einem

Im Gegensatz zu einem puren digitalen Notizbuch kann man auf dem Scribe Bücher lesen. Wer also beide Geräte sowieso anschaffen will (Notizbuch und eReader), der sollte dies auf jeden Fall in Erwägung ziehen.

Ein günstiges digitales Notebook

Noch dazu ist der Scribe zwar teurer als ein normaler eReader, aber immer noch weitaus günstiger als die Notebook-Modelle anderer Anbieter, die sich auf diese Geräte spezialisiert habe. Allerdings kann es dafür auch nicht alles so gut wie die „echten“ Notizbücher (also z.B. das Verwalten und Exportieren von Dateien in dem Umfang wie die Experten). Aber ich habe Hoffnung, das mit zukünftigen Software-Updates immer mehr Funktionen dieser Art hinzugefügt werden.

Schnelligkeit & Handling

Der Scribe ist angenehm schnell. Nicht nur kann man mit dem Stift alle Knöpfe, Wörter und Links zielgenau ansteuern, er öffnet und blättert und arbeitet superschnell. Es ist eine Freude, damit Bücher zu lesen oder z.B. Wörter nachzuschlagen.

Ich habe keinen Vergleich zu anderen digitalen Notebooks, aber das Gefühl, mit dem Stift über den Bildschirm zu gleiten, ist einfach einzigartig. Vom Geräusch des „Kratzens“ bis zum Gleiten über den Screen hat man den Eindruck, mit einem hochwertigen Produkt zu arbeiten. Es macht richtig Spaß, mit dem Scribe Notizen zu machen und seine Gedanken aufzuschreiben.

Umwandlung von Notizen in Druckschrift

Der Scribe ist (theoretisch) in der Lage, handschriftlich gemachte Notizen in Drucktext umzuwandeln. Das funktioniert bei mir nicht einwandfrei, aber ich muss auch sagen, dass ich eine ausgesprochene Sauklaue habe. 

Praktischer Stift

Der Stift lädt sich automatisch über Kontakt zum Gerät auf. Man muss ihn also nicht getrennt oder extra aufladen. Die Batterielaufzeit des Scribe selbst ist vorbildlich. Ich habe festgestellt, dass er mir viel länger erhalten bleibt als mein kleiner Kindle.

Umfangreiche Funktionen für Notizbücher

Schön finde ich, dass das Gerät verschiedene Vorlagen zur Verfügung stellt, die man auch innerhalb eines Notizbuches ändern kann – liniertes „Papier“, Kästchen, Listenform, gepunktet, blanko … Zudem kann man sehr bequem Bereiche aus dem Papier ausschneiden und woandershin verschieben. Auch das Löschen klappt problemlos.

Nachteile

Größe und Gewicht

Der bedeutendste Nachteil des Scribe ist – meiner Meinung nach – seine Größe. Auf der einen Seite braucht man den großen Bildschirm natürlich, um anständig Platz zu haben für Notizen. Auf der anderen Seite wirkt sich dies aber nachteilig auf das Leseerlebnis aus.

Der Scribe ist so unhandlich und noch dazu relativ schwer, dass man ihn nicht über längere Zeit mit einer Hand halten kann. Ich würde ihn daher nicht mit in die Badewanne nehmen. Auch auf Reisen ist er eher unhandlich, denn er passt nicht in meine Handtasche. Beim abendlichen Lesen im Bett muss ich ihn mit Kissen stützen, damit ich keine Nackenstarre oder Armschmerzen bekomme.

Das klingt jetzt alles ein wenig dramatisch, aber handlich ist der Scribe nun wahrlich nicht, das steht fest. Immerhin kann man die Ansicht so verändern, dass man das Buch horizontal in zwei Spalten darstellen lassen kann – so wirkt es nicht wie eine Bleiwüste, sondern eher wie ein aufgeschlagenes Buch.

Notizen nur als Fensterchen in eBooks

Meine große Hoffnung war, dass man mit dem Scribe bequem Notizen innerhalb von eBooks machen kann. So, wie ich mir das vorgestellt habe, funktioniert das aber leider nicht. Anders als in echten Büchern kann man nicht wild zwischen die Zeilen kritzeln oder Strichmännchen zeichnen, sondern muss Textpassagen markieren, damit sich ein Fenster öffnet. In dieses Fenster kann man nun mit dem Stift hineinschreiben (das ist ein Vorteil im Vergleich zum langsamen Tippen auf den anderen Kindle-Modellen), aber das Fenster schließt sich halt wieder, und wenn man die Notiz sehen möchte, muss es immer wieder aufklappen.

Fehlendes Multitasking

Auch ist es reichlich unbequem, zwischen einem eBook und einem Notizblatt hin und her zu wechseln, um sich Notizen zu machen. Dafür ist das Gerät dann doch zu langsam und benötigt zu viele Arbeitsschritte. Das ist eindeutig ein großer Nachteil und lässt das Gerät im Vergleich zur klassischen Methode schwach aussehen.

Das fehlende Geräte-Cover

Der Scribe wird ohne ein Cover verkauft, wie es ja mittlerweile gang und gäbe ist für elektrische Geräte, aber nerven tut es dennoch. Der Stift hält sich zwar magnetisch an der Seite des Geräts fest, aber angesichts der Größe und des Gewichts ist es unangenehm, am Stift vorbei das Gerät festzuhalten. Ein Cover ist also dringend zu empfehlen, auch weil es den Stift sichert. Dieser kommt übrigens mit extra Spitzen, weil diese wohl öfters mal abbrechen? Mir ist das nicht passiert, deshalb kann ich auch nicht sagen, wie schwer oder leicht es ist, die Spitzen auszuwechseln. Mein Cover, das nicht von Amazon ist (das ist natürlich wie immer überteuert), hat ein kleines Behältnis an der Seite, wo man diese Extra-Spitzen aufbewahren kann.

Kein Notebook mit vollem Umfang

Wer wirklich richtig in die Sache einsteigen will, der wird vom begrenzen Leistungsumfang des Schribes enttäuscht sein. Der Bildschirm ist schwarz-weiß. Man kann keine Diagramme aus Vorlagen erstellen oder andere optisch ansprechenden Grafiken. Man kann nicht farblich markieren oder wahnsinnig hübsche Dokumente erstellen. Ich würde auch niemals auf den Gedanken kommen, längere handschriftliche Dokumente mit dem Scribe zu erstellen (das mag aber auch daran liegen, dass ich mich tippend wohler fühle und meine Gedanken schneller festhalten kann – der Scribe hat einfach kein echtes Keyboard).

Wofür ich ihn im Rahmen des Schreibenprozesses benutze

Für die Recherche

Trotz all der Nachteile hat der Scribe dennoch in meinem Arbeitsalltag einen angestammten Platz. PDFs, die ich auf meinen Scribe lade, lassen sich in den allermeisten Fällen (anders als eBooks) beschreiben. Zeilen können unterstrichen werden, Absätze mit Pfeilen versorgt, Fragezeichen an den Rand geschrieben werden. So kann man also richtig old-school Texte markieren und Notizen dazwischen kritzeln.

Brainstorming und Planen

Ich liebe es, einfach nur mit dem Gerät meinen Ideen freien Lauf zu lassen und meine Gedanken festzuhalten. Das Gefühl des handschriftlichen Schreibens auf der Oberfläche ist ein Quell der Freude für mich.

Perfekt zum Überarbeiten

Beim Korrekturlesen meiner eigenen Bücher, aber auch beim Studieren anderer Werke, schätze ich die Möglichkeit, schnell, bequem und sicher Textabschnitte zu markieren und auch Notizen dazu anzufertigen. Diese lasse ich mir auf dem Scribe im Anschluss in einer Liste anzeigen, um sie dann am Computer zu korrigieren. Das Hin- und Herrschaften zwischen Notizen/Anmerkungen und dem eigentlichen Text klappt schnell und problemlos.

Fazit

Braucht ein/e Autor/in einen Kindle Scribe, um glücklich zu werden? Ich denke, wer es gewohnt ist, mit üblichen Notizbüchern, Papierzetteln und ähnlichem zu arbeiten, der wird wenig Nutzen aus dem Scribe ziehen, besonders, wenn er die zusätzliche Lesefunktion nicht wirklich benötigt.

Als purer eReader ist der Scribe zu unhandlich. Ich persönlich finde es aber praktisch, alle meine Gedanken, Ideen und Informationen immer bei mir haben zu können. Es ist eine kleine Ergänzung zu meinem Arbeitsalltag geworden und hat meine Zettelwirtschaft zu 99% beseitigt. Dennoch bin ich froh, dass ich zum (privaten) Lesen noch einen kleineren Paperwhite habe, der auch in meine Handtasche passt.

Ein unerwarteter Bonus: Mittlerweile findet man auf Amazon eine ganze Reihe von Rätselheften für den Scribe. Jetzt kann ich unendlich viele Sudokus und Logikrätsel lösen, die sich auch alle wieder ausradieren lassen. Das hat zwar nichts mit Arbeit zu tun, aber eine Autorin will sich ja auch mal vergnügen.

Mich würde interessieren, welche Erfahrungen andere Nutzer des Kindle Scribes gemacht haben, oder welche Bedenken sie bezüglich der Anschaffung haben. Hinterlassen Sie doch einen Kommentar mit Ihren Gedanken!

Schottland VI

von Silke

So, jetzt kommt aber endlich Skara Brae an die Reihe!

Dachten wir. War aber dann nicht so. Aber ich erzähle mal von vorn.

Da wir auf Orkney selbst kein Zimmer gefunden hatten, entschlossen wir uns zu einem Tagesausflug mit der Autofähre. Frühmorgens ging es los, wir fuhren von Thurso zum nahegelegenen Fährhafen, reihten uns ein, fuhren in den Bauch des Schiffes und stürmten die VIP-Lounge, die wir extra gebucht hatten, um eine gemütliche Überfahrt zu genießen.

Wir waren die ersten Gäste und bekamen sofort ein Ei-und-Bacon-Sandwich und einen Kaffee geliefert. So ausgestattet suchten wir uns die besten Plätze direkt am Fenster und genossen die Fährfahrt. Nebenher blätterte ich in diesem bezaubernden Büchlein: Hamish the Hairy Haggis.

Alles war prima, bis mein Mann mein Lesevergnügen störte mit folgender Frage: „Hätten wir vielleicht den Eintritt vorher buchen sollen? Es ist ja sonst auch immer alles ausgebucht.“ Ich schluckte und klappte das Büchlein zu. Shit.

Eine schnelle Internetrecherche bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen. Skara Brae, mein absolutes Traumziel, wahnsinnig schwer und mühselig zu erreichen und endlich, endlich so unfassbar nah! – war ausgebucht. Panisch gingen wir alle Optionen durch, überlegten sogar, ob wir Mitglieder des Fördervereins werden sollten, ob es Jahrestickets gab, Sonderaktionen, Führungen, irgendwas. Doch nein, da war nichts zu machen.

Betröppelt schaute ich aus dem Fenster, während mein Mann weiter nach Lösungen suchte. Da machte man den weiten Weg auf die Insel, und dann kam man nicht in die Attraktion, wegen der man überhaupt dort hoch fahren wollte. Sicher, Orkney hat noch mehr zu bieten als Skara Brae. Aber das war eben mein Traum gewesen.

Schließlich beschlossen wir, noch eine weitere Überfahrt einzuplanen. Für den übernächsten Tag waren noch Plätze auf der Fähre frei, für uns, aber nicht fürs Auto. Macht nichts, sagten wir uns. Orkney hat öffentliche Verkehrsmittel. Wir kriegen das schon hin. Also buchten wir eine zweite Überfahrt und natürlich auch die Eintrittskarten für Skara Brae an jenem Tag. Wir sind ja schließlich nicht völlig bescheuert.

Wir gehörten zu den Ersten, die vom Schiff waren, und fuhren wie die Besessenen trotzdem nach Skara Brae. Vielleicht gab es ja doch eine Möglichkeit, und dann hätten wir alle gebuchten Tickets storniert. Doch nein, eine nette Dame am Parkplatz fing uns sogleich ab und erklärte uns, dass wir ohne Ticket noch nicht einmal den Parkplatz befahren dürften. Sie hatte aber einen hammerharten Tipp für uns: das Ness of Brodgar.

Sie erklärte uns, dass dort aktiv gegraben würde, und dass Besucher  sehr willkommen seien. Nicht nur das: Es gäbe sogar kostenlose Führungen.

Ein wenig zerknirscht wendeten wir also das Auto und fuhren zur neuen Location. Und was soll ich sagen? Im Nachhinein betrachtet kann ich bestätigten, dass es tausendmal besser dort war als in Skara Brae. 

Ness of Brogdar

Das Ness ist eine Art Landzunge zwischen zwei Seen. Bekannt waren schon seit längerem ein paar Standing Stones und ein Steinkreis in unmittelbarer Nähe, doch erst spät kam man auf den Gedanken, dass man diese beiden Punkte über die Landzunge hinweg miteinander verbinden kann und dass man in der Mitte vielleicht weitere Reste einer Zivilisation finden könnte.

In der Tat ist die gesamte Gegend um die 5000 Jahre alt, was einfach unglaublich erscheint. Das Gelände ist so groß wie fünf Fußballfelder und wurde erst 2002 entdeckt. 2004 begann man mit den Ausgrabungen – jedoch immer nur in den Sommermonaten. Danach wurden die Steine wieder zugedeckt, um sie nicht unnötig den Elementen auszusetzen. 2024 sollte der letzte Sommer sein, an dem gegraben wird. Wir waren genau in der allerletzten Woche überhaupt live mit dabei.

Während um uns herum die Studenten und Wissenschaftler fleißig gruben (und immer wieder Fundstücke in Tüten steckten und dokumentierten), nahmen wir an einer spannenden Führung teil.

Man erklärte uns, dass die Gebäude vor uns erstaunlich schlampig erbaut wurden, so als hätte man nicht für die Ewigkeit geplant. Man hatte eine Art Festhalle mit Feuerstellen freigelegt, und diverse andere Strukturen, die wahrscheinlich Unterkünfte waren. Die Gebäude stammten aus verschiedenen Epochen und waren übereinander gebaut, was die Ausgrabung besonders komplex macht.

Es war interessant zu hören, was die Wissenschaftler aus den Funden herauslesen können und was an Fragen noch alles offen war. Auch dass Theorien ganz schnell wieder über den Haufen geworfen wurden. Zum Beispiel ist das Gelände von einer starken Mauer umfasst gewesen, die aber nicht geschlossen gewesen schien. Man nahm an, sie sollte nur für Prunk und Pracht dort stehen. Aber dann, erst zwei Tage zuvor, hatte das Team neue Fundamente entdeckt – die Mauer ging noch weiter! Das ließ nun doch die Annahme zu, dass die Mauer zu Schutzzwecken gebaut worden war. Doch leider, leider werden wir das Rätsel bis auf absehbare Zeit nicht gelöst bekommen, denn nun liegt alles wieder unter Erde und kann nicht weiter untersucht werden. Als wir dort waren, gruben sie aber noch hektisch so viel wie möglich aus.

Ebenfalls bemerkenswert war ein anderes Gebäude, das – im Gegensatz zu den Haufen daneben – sehr ordentlich und sauber konstruiert worden war, mit messerscharf abgeschnittenen Mauerkanten. Es war noch dazu sauber und wies keine Aschespuren auf, so als hätte sich jemand darum gekümmert. Ein religiöses Gebäude, das vielleicht immer bewohnt war, wohingegen die Gebäude in der Nähe nur für Stammessitzungen oder Festtage bezogen wurden? Für politische Abstimmungen oder für gewisse Rituale? Immerhin befanden wir uns zwischen Steinkreis und Standing Stones. Fragen über Fragen!

Ich war auf jeden Fall völlig aus dem Häuschen, je mehr ich über diese Gegend erfuhr. Wie überaus spannend, sich vorzustellen, wie Generationen von Menschen hier gelebt haben müssen! Natürlich habe ich den Grabungsshop halb leer gekauft für meine private Bibliothek. Wer weiß, vielleicht entsteht daraus eines Tages ein Roman?

Im Anschluss fuhren wir einige Meter weiter zu den Standing Stones. Wirklich magisch, wie diese hohen Steine sich unter dem weitem Himmel in die Höhe recken. 

Puffins

Ein weiteres Highlight des schottischen Nordens sind die Puffins, also die Papageientaucher. Diese putzigen Seevögel sehen einfach zu drollig aus, und ich wollte gern ein paar davon in ihrer natürlichen Umgebung sehen. Wir ergoogelten also ein paar Plätze, wo wir uns Chancen ausrechneten, und fuhren dorthin.

Der eine Ort, den wir besuchten, lag ganz im Nordosten der Insel und hieß Birsay (wo übrigens die faszinierende Ruine eines Bischofspalasts steht). Birsay vorgelagert ist eine Insel mit Leuchtturm, die man aber nur bei Ebbe besichtigen kann. Als wir da waren, war der Weg leider unter Wasser, aber es war schon kurios, das Zickzack unter der Wasseroberfläche durchschimmern zu sehen. Echt verlockend, einfach loszulaufen.

Puffins sahen wir keine, also fuhren wir weiter die Küste ab. Die steilen Klippen waren überall wunderschön anzuschauen, aber mehr als Möwen bekamen wir nicht zu Gesicht. Wie wir später erfuhren, hat das saisonale Gründe; wir waren einfach zur falschen Jahreszeit da. Aber immerhin haben wir es versucht!

Ring of Brodgar

Auf dem Rückweg machten wir noch am Steinkreis halt.

Ich, die ich aus Versehen mal Stonehenge gegatecrashed habe, kann bestätigen, er ist riesig! Besonders schön fand ich auch, wie die violetten Heidepflanzen das ganze Ensemble umrahmten.

Natürlich ist das ein sehr gefährdeter Ort, mehr noch mit dem Klimawandel, der für heftigere Regenfälle sorgt. Deshalb ist es ja eigentlich auch total verständlich, dass man auf dem Weg bleiben sollte. Aber offensichtlich ist es nicht für alle verständlich. Ich muss sagen, ich flippe selten aus, aber als ich zwei kichernde Zwanzigjährige gesehen habe, die sich direkt hinter einem der Steine vor den Rangers versteckt haben (mit violetten Schultertüchern, als gehe ich mal davon aus, dass sie Instagram-Fotos machen wollten), da ist mir absolut der Kragen geplatzt. Mit wüsten Beschimpfungen habe ich die kichernden Mädels zurückgepfiffen. Sie sind dann auch schnell gegangen, was wahrscheinlich ihr Glück war, denn ich hätte für nichts mehr garantieren können.

Der Ring of Brogdar zählt zum UNESCO Weltkulturerbe, und ich finde es wichtig, dass auch meine Kinder eines Tages einmal diese Schönheit erleben können, so sie denn wollen. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man das für Instagram oder TikTok aufs Spiel setzen kann.

So endete also unser Tag auf Orkney. Zum Abschied winkten wir von der VIP-Lounge aus dem Old Man of Hoy.

Traurig waren wir nicht, denn wir wussten, wir würden bald wiederkommen.

Schottland V

von Silke

Ja, ich weiß, ich habe von Skara Brae gesprochen, und jetzt kommt überhaupt kein Artikel über Skara Brae, sondern über den äußersten Nordwesten des britischen Festlandes. Nächstes Mal dann aber, versprochen.

Eigentlich war unser Plan gewesen, das Festland für einige Tage zu verlassen und über die Inseln im Norden zu tingeln. Orkney stand fest auf dem Plan, aber ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn es bis nach Shetland hoch gegangen wäre. Daraus wurde aber leider nichts, eben wegen besagtem Mangel an Unterkünften während der Hochsaison. Erschwerend hinzu kam, dass auf Orkney erst eine Woche zuvor ein Hotel ganz geschlossen worden war, weil ein Gast in den Aufzugschacht gefallen war. Autsch. Aber ganz ehrlich, glücklich geworden wären wir dort wahrscheinlich ohnehin nicht, so wie das klingt.

Thurso

Wir verließen also gezwungenermaßen unser kuschligen Forss House und zogen wenige Kilometer weiter in die nächstgrößere Stadt, nach Thurso. Thurso hat all den Charme, den man von einer Stadt erwarten kann,  die seit den 60er Jahren auf dem absteigenden Ast ist. In der Nähe gab es nämlich mal eine nukleare Aufbereitungsanlage des Militärs oder eine Art Teststation oder so. Die Leute waren da wohl nicht sehr glücklich drüber, aber wenigstens bescherte es ihnen dringend benötigte Arbeitsplätze. Nachdem das Werk nun aber zurückgebaut wird, geht es auch mit Thurso immer weiter bergab. Vielleicht habe ich mich deshalb dort so wohl gefühlt, immerhin komme ich ursprünglich aus dem Ruhrgebiet.

Unsere Bleibe war wieder ein Inn, diesmal über einem Pub gelegen und mitten im Zentrum. Das war praktisch, der Supermarkt war nebenan, und wir hatten sogar ein ruhiges Zimmer direkt unterm Dach, unser Wolkenkuckucksheim. Abends sind wir runter in den Pub, und da habe ich meinen Mann in die Freuden einer typisch englischen Jukebox eingeweiht. Er war sofort Feuer und Flamme und hat für mich meine liebsten Songs aus den 90ern raus gekramt. Ich glaube, die anderen Gäste haben ein wenig gelitten, aber selbst schuld, sie hätten ja schließlich auch ein paar Münzen in den Automaten werfen können.

Ein weiteres Highlight in Thurso ist eine der dortigen Kirchen samt Friedhof, die Old St. Peter’s Church. Anders als in Deutschland werden Gräber dort nämlich nicht aufgegeben, und ich liebe es einfach, die Inschriften zu lesen und mir vorzustellen, was für Leute das wohl damals gewesen waren. Zum Beispiel gab es dort einen Gedenkstein für einen gewissen Ebenezer Duncan, der auf der Insel Tobago als Chirurg arbeitete, bis er 1829 dort verstarb. Oder der Grabstein von Benjamin Davidson, der unglaublicherweise ein Veteran von Waterloo gewesen war. 

Wick

Mit einer solch angenehmen Basis war es uns ein Leichtes, die Umgebung genauer zu erkunden. Besonders gut gefallen hat mir das Örtchen Wick, das ein ganz hervorragendes Geschichtsmuseum hat. Nicht nur ist es in historischen Reihenhäusern inklusive einer Schmiede untergebracht. Es stehen dort auch noch allerhand originelle Maschinen und Gerätschaften herum. Außerdem verfügt das Museum über eine außergewöhnliche Sammlung von frühen Fotografien aus dem Archiv des lokalen Fotografen. Es ist schon faszinierend, in all diese Gesichter zu schauen. Wie sie es wohl damals fanden, in Wick zu leben? 

Was wir dabei auch erfuhren, war, dass Wick damals das Zentrum für die Heringsfischerei war. Die haben da zeitweise so viele Tonnen Fisch rausgeholt, dass ich mich wirklich wundern muss, dass keiner an Überfischung dachte. Und tatsächlich: Heute träumen die Leute nur noch von Heringen, die Bestände sind nämlich völlig aufgebraucht.

Interessant auch, dass der Schriftsteller Robert Louis Stevenson (Die Schatzinsel) seine Inspiration von den lokalen Fischersleuten nahm.

Whaligoe Steps

Landschaftlich hatte die Küste auch hier wieder einiges zu bieten, wenn auch ganz anders als die Ostseite Schottlands. Hier sind es vor allem steile Küsten mit wellenumtosten Felsformationen (stacks). Einheimische haben Stufen in den Felsen geschlagen, um von dort zu fischen. Eine berühmte Treppe sind die Whaligoe Steps, die bis zum heutigen Tag von den Nachbarn liebevoll gepflegt werden. Wir hatten super Wetter und haben die milde Luft und die sprühende See in vollen Zügen genossen.

Whaligoe liegt übrigens bei Ulbster, das ist bei Lybster. Ich weiß nicht wieso, aber uns hat das auf der Fahrt dorthin bei jedem Blick auf den Navi mächtig amüsiert.

Dunrobin Castle

Weil uns nichts besseres einfiel, sind wir dann noch ein Stück weiter die Küste runter, um ein Schloss zu besichtigen. Wir hatten noch nie zuvor von Dunrobin gehört, und bis heute frage ich mich, warum wohl. Das Schloss war einfach atemberaubend!

Es befindet sich immer noch in Privatbesitz, aber die Familie (des Duke of Sutherland) bewohnt jetzt einen anderen Flügel, sodass man sich als Besucher frei bewegen kann. Die Zimmer waren alle prachtvoll ausgestattet und furchtbar gemütlich, doch was ebenfalls beeindruckend war, das war der Garten. Wir hatten nicht mehr die Kraft, auch noch diese Hecken abzuschreiten, die Sie im Beitragsbild sehen können, aber von oben sah die Anlage wirklich toll aus, von allem mit dem glitzernden Meer dahinter. Umso erstaunlicher, dass Dunrobin Castle zwar eine Art Terrasse hat, aber keinen vernünftigen Zugang. Auch Balkone gibt es nicht. Da kann man mal sehen, wie schlecht das Wetter in Schottland normalerweise ist. Terrassen und Balkone lohnen nicht, ganz gleich, wie schön der Ausblick ist.

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