Der Schwur der Gräfin – Eure Fragen

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Während der Lesegruppe bei Lovelybooks kamen eine Menge spannender Fragen auf zum Hintergrund von „Der Schwur der Gräfin“ und dem Leben der Jakobäa von Bayern. Gern möchte ich mehr darüber erzählen, was die historischen Hintergründe der Geschichte sind, wie ich recherchiert habe, und welche Figur ich persönlich am liebsten mag (könnt ihr raten?).

LeserIn: Warum hat Jakobäas Vater gegen seinen eigenen Vater rebelliert? Und warum waren die Böden nach den Kriegsjahren versalzen?

Das sind zwei tolle Fragen, die ich sehr gerne beantworten möchte.

1. Wilhelms Vater war Albrecht I. Er hatte eine holländische Geliebte, eine Adlige namens Aleida von Poelgeest (Man nimmt an, dass sie eine Hofdame seiner Gattin war – kommt uns das nicht bekannt vor?). Die Kabeljaus versuchten, diesen Umstand für sich auszunutzen, indem sie über Aleida Einfluss auf Albrecht nahmen. Die Haken waren damit nicht einverstanden und zogen den jungen Wilhelm auf ihre Seite (da haben wir also wieder den altbekannten Konflikt der Haken und Kabeljaus). 1392 kam es dann zur großen Katastrophe: Aleida wurde in Den Haag ermordet, wohl auf Veranlassung der Haken-Partei, aber genau nachweisen lässt sich dies nicht, da sie eigentlich einem alten Haken-Geschlecht entstammte (sprich: Sie hätte persönlich eine politische Kehrtwende machen müssen). Tatsache ist jedoch, dass Wilhelm fliehen musste und nach England ging. Doch schon zwei Jahre später versöhnten sich Vater und Sohn wieder.

2. Die Böden waren versalzen, weil entweder durch Kriegsmaßnahmen („Durchstechen“ der Deiche) oder auch durch Vernachlässigungen der Infrastruktur aufgrund des Krieges auf großen Flächen Meerwasser in die Ackerböden eindringen konnte.

LeserIn: Wie stellten sich die Recherchen dar? War es leicht, Informationen zu den einzelnen Protagonisten zu bekommen, um sie so fein chakaterisieren zu können? Warst Du selbst an den Schauplätzen und konntest Dir ein Bild machen?

Wie ich ja schon häufiger jetzt erwähnt habe, habe ich mich vor allem auf die Recherchen von Löher gestützt, der sich vor 150 Jahren intensiv mit der Historie beschäftigt hat und der für mich durch die Archive in Frankreich und den Beneluxländern gegangen ist. Für die Burgunderseite konnte ich viele Informationen in dem Buch von Bart van Loo namens „Burgund“ finden. Der geht auch kurz auf die Episode mit Jakobäa ein und widmet sich ausführlich dem Leben Philipps und seines Vaters. Über den englischen Hof habe ich gute Informationen in den Artikeln von Rebecca Starr Brown „The Marriage of Katherine of Valois and Owen Tudor“ sowie Alessandra Petrina „Chapter Three: A sense of history: Duke Humphrey living and writing his own times“. In: Cultural Politics in Fifteenth-Century England: The Case of Humphrey, Duke of Gloucester. gefunden. Weitere Infos dazu hier: https://silkeelzner.de/recherche-zu-der-schwur-der-graefin/

Nicht jeder Charakter war gleichermaßen bequem zu recherchieren. Jakobäa, Philipp, Humphrey, Catherine, Isabeau – das war weniger schwierig. Über Jean de Valois gibt es fast nichts (er starb ja auch jung), ebenso wie zum Beispiel zu Jan von Brabant. Natürlich habe ich auch Informationen aus der Wikipedia abgegriffen sowie aus anderen Internetquellen, aber meine Hauptrecherche bleibt immer noch das gute alte Buch. Meist bekomme ich die im Antiquariät oder in der Bücherei, und dann ist es auch gar nicht so teuer für mich.

Holland war mir nicht unbekannt, als ich mit der Recherche anfing, schließlich liegt meine Heimatstadt nicht weit von der holländischen Grenze entfernt. Aber für das Buch bin ich natürlich eigens noch einmal hingereist. Das war nicht ganz so einfach, denn es war mitten im Corona-Sommer. Es stand zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht 100% fest, welche Schauplätze nun eigentlich in der Geschichte vorkommen würden. Aber wir haben uns in einem Hotel unweit von Sint Martinsdijk in Zeeland eingemietet und sind mit eBikes über die Deiche gerauscht und haben diese unbeschreiblichen endlosen Weiten erkundet. Das Schloss derer von Borsselen ist nicht mehr vorhanden, aber es gab an der Stelle noch einen Aufsteller (häufig ein Problem, wenn man so weit in der Zeit zurückreist, kaum etwas ist noch so, wie es früher einmal war). Wir waren auch in Teilingen, Jakobäas letztem Aufenthaltsort, aber wegen Corona war die Ruine geschlossen. Unweit davon bin ich durch die Dünen gestapft und habe wie Jakobäa aufs Meer geschaut. Und wir waren in Gent, was stellvertretend herhalten musste für die urbane Besiedelung zu jener Zeit, die gerade in den Niederlanden für europäische Verhältnisse sehr dicht war. Den Binnenhof in Den Haag haben wir leider nicht besucht. Glücklicherweise kann man aber im Internet auch dank Google Maps, alter Karten und Gemälde so einiges zur Lage und dem Aussehen von Orten herausfinden. Hier ein Link: https://silkeelzner.de/der-schwur-der-graefin-die-recherchereise/

LeserIn: Aber ein richtiges Happy End ist es ja nicht. Auch wenn sie am Ende doch noch glücklich ist, das Glück ist ja nicht von Dauer. Schreckt dich das nicht ab, wenn du weißt, dass dein Buch kein Happy End hat?

Meine Motivation hinter diesem Roman war es, die wahre Lebensgeschichte der Jakobäa von Bayern nachzuerzählen – keine fiktive Geschichte, sondern eine Romanbiografie, die sich so oder so ähnlich abgespielt hat. Dazu gehört meiner Ansicht nach auch Jakobäas früher Tod.

Natürlich hätte ich die Geschichte anders enden lassen können – immer wieder entscheiden sich AutorInnen dazu, früher abzubrechen, um der Geschichte einen positiven Abgang zu verleihen. Als Konsumentin solcher Geschichten fühle ich mich dann jedoch immer ein wenig veräppelt, vor allem, wenn es nach dem vermeintlichen „guten Ende“ in Wirklichkeit rapide bergab geht und das der Leserin dann vorenthalten wird.

Aber ich möchte auch zurückfragen: Ist es wirklich kein „Happy End“? Bekommt Jakobäa nicht am Ende all das, wonach sie die ganze Zeit bewusst oder unbewusst gestrebt hat? Hat sie sich nicht vom Schwur befreien und ihr Herz öffnen können für die wahre Liebe?

Ich finde, ein „Happy End“ ist nicht unbedingt, dass die Hauptfigur am Ende den Typen bekommen, damit sie dann „happily ever after“ leben. Man denke zum Beispiel an solch großartige Geschichten wie der Film „Titanic“ … Obwohl Jack stirbt, empfinde ich das Ende des Films als positiv und „happy“ oder zumindest „bittersweet“. Rose muss zwar ohne ihn weiterleben, aber die Zeit mit Jack hat sie verändert und ihr ein glückliches, selbstbestimmtes Leben beschert.

LeserIn: Welche Person mögen Sie am meisten? Und welche Szene hat ihnen Spaß bereitet zu schreiben?

Ich habe viele Lieblinge in dieser Geschichte. Ich muss aber auch dazu sagen, das hat nichts mit Sympathie zu tun, sondern damit, ob ich eine Person für „gelungen“ halte. Ich muss nicht das Gefühl haben, dass ich mit dieser Person beste Freunde werde. Man denke an „Das Schweigen der Lämmer“ – Hannibal Lecter ist eine wunderbare Figur, viel stärker noch als Clarice Starling, aber zum Essen einladen lassen möchte ich mich von ihm nicht.

Hier also ein paar Figuren, die ich für immer im Herzen tragen werde:

  • Jakobäa – Weil sie nicht aufgibt
  • Philipp – Weil er ein guter Schachspieler ist
  • Agnes – Weil sie ihr Leben einfach so lebt, wie sie mag
  • Saint-Pol – Weil er trotz seiner Jugend Großes leistet
  • Catherine – Weil sie sich mit ihrem Schicksal arrangiert
  • Frank – Weil er immer einen guten Konter parat hat
  • Humphrey – Weil er ein Schöngeist ist

Mir haben alle Szenen Spaß gemacht, sonst würden sie jetzt nicht im Buch sein. Wenn sie mir nicht Spaß bereiten, dann sind sie auch nicht gut und haben im Endprodukt nichts zu suchen.

LeserIn: Was hat dich an ihrer Geschichte besonders berührt?

Berührt hat mich, dass sie am Ende dennoch ihr Glück finden konnte. Sie war ein echtes Stehaufmännchen, das sich trotz aller Widerstände nicht hat unterkriegen lassen. Was Humphrey mit ihr macht, ist so ein unglaublicher Verrat, dass ich nur den Hut davor ziehen kann, dass sie die Männerwelt nicht völlig aufgegeben hat . Der im Roman zitierte Brief ist echt – ich gehe davon aus, dass sie tatsächlich etwas für ihn empfunden hat.

Fasziniert hat mich, dass sie überall so nah am Geschehen dran war und dennoch völlig von der Geschichtsschreibung übersehen wird.

Hast du auch Fragen zum Buch und zu den Hintergründen? Dann schreibe mir doch einfach! Silke @ silkeelzner.de

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