10 Fragen und Antworten zu „Das Vermächtnis der Agnes Bernauer“

34 Mal angesehen

In Ermangelung eines menschlichen Interviewpartners habe ich einmal Bing gefragt, was die KI über meinen Agnes-Bernauer-Roman, die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe wissen möchte. Hier sind meine Antworten!

Wie sind Sie auf die Geschichte von Agnes Bernauer gestoßen?

Zum ersten Mal hörte ich von Agnes Bernauer über einen Artikel in einem populären Wissenschaftsmagazin. Der Verrat an Agnes und Albrecht war da so packend geschildert, dass ich sofort gefesselt war.

Welche Recherchen haben Sie für den historischen Hintergrund des Romans durchgeführt?

Glücklicherweise gibt es eine gute Handvoll Bücher und wissenschaftliche Artikel zum Thema Agnes Bernauer. Gerade in Bayern hat die Affäre immer wieder die Gemüter der Historiker bewegt. Denn Agnes‘ Geschichte ist nicht einfach der Mord an einer „Hexe“ oder das Beseitigen einer unliebsamen Liebschaft.

Hier ging es um hohe Politik, die Bedeutung hatte über die bayrischen Grenzen hinaus. Die Wittelsbacher waren zu jenem Zeitpunkt ein starkes und wichtiges Geschlecht im Deutschen Reich, das durch interne dynastische Uneinigkeit zerrüttet war. Agnes wurde in dieser Situation leider zum Bauernopfer.

Es war mir wichtig, diese politischen Verwicklungen auch im Roman treffend und verständlich darzustellen, weshalb ich mich intensiv eingelesen habe.

Hinzu kamen Reisen an die Schauplätze: Straubing, Landshut, Vohburg und die Blutenburg gaben mir die Möglichkeit, in Agnes‘ Spuren zu wandeln und ein Gefühl für die Landschaften zu entwickeln. Besonders bewegend war der Besuch der Agnes-Bernauer-Kapelle in Straubing, freundlicherweise spontan durchgeführt von einem örtlichen Stadtführer, dessen Infos ebenfalls halfen, dem Roman Form zu verleihen.

Warum haben Sie sich entschieden, diese spezielle Periode in der bayerischen Geschichte zu beleuchten?

Agnes Bernauer als literarischer Stoff hat ja eine lange Tradition. Schon Hebbel konnte damals die Massen mit seinem Trauerspiel bewegen. Auch heute noch werden in Vohburg und Straubing Theaterstücke aufgeführt, die das Schicksal der Baderstochter in Szene setzen, so auch dieses Jahr wieder im Straubinger Herzogsschloss. Was nicht verwunderlich ist, denn die Geschichte hat alles, was es braucht: Eine schöne, junge Frau, einen verliebten Prinzen, eine starre und mitleidlose Gesellschaft, einen herrischen Vater, eine perfide Intrige, ein Land am Rande des Kollapses dank interner Streitigkeiten und reformatorischer Bewegungen.

Wie haben Sie die Charaktere von Agnes und Prinz Albrecht entwickelt?

Ursprünglich war der Plan, die Geschichte lediglich aus Albrechts Perspektive zu erzählen. Er war derjenige, der an der Politik beteiligt war und der die größte Entwicklung durchmachte. Schließlich stirbt Agnes ja am Ende, und damit wäre die Geschichte de facto auserzählt. Doch niemand möchte ein Buch zuklappen, das mit dem Tod der Hauptfigur endet – das ist sehr unbefriedigend für den Leser.

In Gesprächen mit anderen Leuten im Literaturbetrieb habe ich dann aber begriffen, dass auch Agnes eine Stimme braucht. Sie ist der Grund, warum LeserInnen zu dem Buch greifen werden. Frauen, so sagte man mir, sympathisieren eben mit Frauen.

Allerdings stellte mich das vor das Problem ihrer Motivation, mit Albrecht nach München zu gehen, um seine Geliebte zu werden. War es Kalkulation? Oder war sie einfach naiv? Beides keine guten Charakterzüge für eine starke Protagonistin.

Mir ist es wichtig, dass die Figuren in meinen Büchern ein Problem haben, das sie bis zum Ende der Geschichte zu lösen haben. Bei Albrecht kristallisierte sich schnell heraus, dass sein Problem sein Vater und dessen hochgesteckten Erwartungen waren, die konträr zu seinen eigenen Lebensentwürfen waren. Ich gab ihm ein Ereignis an die Hand, das seine Beziehung zum Vater auf immer zerrütten sollte, ein einzelner Fehler aus jugendlichem Leichtsinn, der dafür sorgte, dass der Herzog seinem Sohn nicht mehr vertrauen konnte. Albrechts Problem bestand somit darin, in sich selbst den Mut zu finden, sich gegen diese väterliche Übermacht zu behaupten und selbstsicher seine Probleme anzugehen.

Die besten Liebesgeschichten zeigen Paare, die einander etwas geben, was der Einzelne allein nicht zustande bringen würde. Denken wir an den Film „Titanic“, dann wird deutlich, dass Rose Jack braucht, um sich von den Zwängen ihrer Familie zu lösen. Hier sollte es ähnlich sein: Albrecht braucht Agnes, um das Selbstbewusstsein zu entwickeln, ein guter und starker Herrscher zu werden. Um das zu verdeutlichen, habe ich viel mit Symbolik gearbeitet. Albrecht und Agnes lernen sich kennen, als beide versuchen, ein Kind zu retten. Albrechts inneres Kind wird immer wieder von der mütterlichen Agnes getröstet. Erst als Albrechts Alpträume von einem Kind, das er im Krieg erschlagen muss, dank Agnes‘ Tod aufhören, entwickelt er die Kraft, zu dem Mann zu werden, der er sein soll.

Welche Herausforderungen gab es beim Schreiben über eine reale historische Figur wie Agnes Bernauer?

Ich werde öfters gefragt, ob ich keine Sorge habe, dass die Nachfahren von den historischen Personen, über die ich schreibe, mir eines Tages aufs Dach steigen, weil ich ihren Vorfahren die ein oder andere Charaktereigenschaft andichte. Da meine Geschichten 500 Jahre in der Vergangenheit spielen, ist die Gefahr gering, dass das passieren wird, deshalb mache ich mir darüber weniger Sorgen. Außerdem muss ich den LeserInnen immer wieder vor Augen halten, dass ich Romanautorin bin, nicht Verfasserin von historisch akkuraten Biografien. Ich konstruiere Figuren, die im Geflecht der Geschichte zusammen mit anderen Figuren, fiktiv wie historisch, aus bestimmten Gründen in gewissen Konstellationen miteinander agieren.

Im Falle der Agnes Bernauer war über ihre Vergangenheit nur sehr wenig bekannt, so wie es oft bei Frauen der Fall ist. Man ist sich nicht sicher, ob sie überhaupt aus Augsburg stammt. Alles deutet darauf hin, dass sie auf einem Gehöft vor den Toren der Stadt geboren wurde und erst nach dem Tod der Mutter mit dem Vater in die Stadt zog. Dieser Vater, so will es die Tradition, hieß Kaspar, doch ob er tatsächlich eine Badestube besaß, ist fraglich, denn sein Name findet sich nicht in den Abrechnungen der Stadt Augsburg. Vielleicht war einfach nur ein Knecht, ein Angestellter.

Und Agnes? Die könnte eine Magd gewesen sein, die im Baderbetrieb mithalf, oder aber auch eine Prostituierte, die dort spezielle Dienste anbot. Ein solch anrüchiger Hintergrund weckt natürlich immer gern das Interesse des Publikums, weshalb viele, übrigens allesamt männlichen, Literaten diese Lesart bevorzugen. Doch hier wird ein großes Klischee deutlich, das man über das Mittelalter hat, und das bei genauerer Betrachtung nicht standhält: Badestuben waren keine Bordelle. Einige waren es vielleicht, doch die meisten waren es ganz sicher nicht. Dennoch waren sie der Kirche ein Dorn im Auge (wie so vieles andere zu jener Zeit), da war es klar, dass sittenloses Verhalten gerade einem Ort, an dem man sich entkleidete, leicht anzudichten war. Die Wahrheit sah anders aus. Gebadet wurde im Schichtbetrieb, nach Geschlechtern getrennt. So viel übrigens zum Thema dreckiges Mittelalter. Bis die Kirche es durchsetzen konnte, dass in großen Städten Badestuben geschlossen wurden, waren die Leute in der Tat sehr reinlich.

Welche Aspekte des mittelalterlichen Lebens und der Gesellschaft haben Sie in Ihrem Roman hervorgehoben?

Ganz deutlich ist natürlich der krasse Standesunterschied, der in der Geschichte das Hauptthema ist. Ich habe durch Leserfeedback schon gesehen, dass das die modernen Menschen doch schon ziemlich schockiert. Wir sind heute so viele Freiheiten gewohnt, können den Beruf ergreifen, den wir wollen, können hinziehen, wohin wir wollen, können heiraten, wen wir wollen. Damals war das eben nicht so. Mittelalterliche Städte waren streng durchstrukturiert. Agnes Bernauer hatte das Pech, nicht nur nicht dem Adel anzuhören, ihr Stand wurde sogar innerhalb des einfachen Volkes verachtet oder doch zumindest gemieden. Bader hatten mit Krankheiten und unappetitlichen Dingen zu tun, das machte sie automatisch zu Außenseitern. Agnes konnte nichts dazu, dass ihr Vater ein Bader war, dennoch hätte sie aus diesem Korsett eigentlich nicht ausbrechen können. Ich finde, es gehörte auch von Albrechts Seite aus viel Mut dazu, sich über diese gesellschaftlichen Schranken hinwegzusetzen.

Ein weiteres Thema ist das Hussitentum. Wir alle kennen ja die Geschichte rund um Luther und seinen reformatorischen Ideen, die das Grundgerüst der – zugegebenermaßen mittlerweile sehr korrupten – Kirche angriffen. Doch solches Gedankengut entstand nicht aus dem Nichts. Jan Hus war einer der frühen Kritiker der Kirche, ein Mann, der gefordert hat, dass der Laie keinen Mittelsmann benötigt, um das Heil Gottes zu erlangen. Hier fühlt man schon, dass die Welt vor dem Umbruch steht. Das Mittelalter neigt sich dem Ende zu. Das 15. Jahrhundert ist einfach eine spannende Zeit.

Gab es bestimmte historische Ereignisse oder Orte, die eine besondere Rolle in der Geschichte spielen?

Straubing ist natürlich ganz vorn mit dabei, denn Agnes‘ Hinrichtung wurde in allen Details für die Nachwelt festgehalten. Ihr Tod verlief nicht so still und sauber wie geplant, und der Herzog musste mit seinem Henker nachhelfen. Das allein macht diese Szene so schon ungemein herzzerreißend. Leider ist die Brücke, auf der all dies passiert ist, nicht mehr vorhanden (die Agnes-Bernauer-Brücke in Straubing ist eine moderne Metallkonstruktion für den Autoverkehr).

Dafür kann man in Straubing die Bernauer-Kapelle besichtigen, die wirklich malerisch auf einem beinah verwunschenen Gottesacker liegt. Sie hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert (weitere Personen wurden hier bestattet bzw. erhielten Gedenksteine), aber die Energie ist seit dem 15. Jahrhundert quasi unverändert.

Ebenfalls einen Besuch lohnt die Blutenburg, heute in einem Münchener Vorort gelegen. Die idyllische Lage, umgeben von Wäldern und Wasser und grünen Wiesen, lässt erahnen, wie glücklich das Paar dort eine Zeit lang gewesen sein muss.

Wie haben Sie den Entstehungsprozess des Romans erlebt?

„Das Vermächtnis der Agnes Bernauer“ war mein erstes Romanprojekt überhaupt, und es steht für alles, was ich nach über sechs Jahren des Romanschreibens mit dem schwierigen Beruf der Schriftstellerei verbinde. Ich habe den Stoff mehrfach neu geschrieben, umgeschrieben, erweitert, gekürzt und dabei wohl alles gelernt, was ich dann später auch für meine anderen Romane benötigt habe.

Es sind viele Tränen geflossen, sehr viele. Meine Agentin hat über zwei Jahre versucht, das Buch an einen Verlag zu bringen. In den allermeisten Fällen gab es noch nicht einmal eine Absage zurück, obwohl die Lektoren das Manuskript angefordert hatten.

Die Enttäuschung, die man dabei verspürt, ist prägend. Letztlich bin ich aber froh, dass alles so gekommen ist, denn die Veröffentlichung im Eigenverlag hat es mir erlaubt, meine künstlerischen Visionen voll auszuleben. Ich konnte meinen Titel selbst wählen, mein Cover selbst gestalten und musste keine Kürzungen oder Umarbeitungen in Kauf nehmen, weil irgendjemand in der Finanzabteilung meint, das Buch sei zu teuer in der Produktion.

Welche Botschaft möchten Sie den Lesern mit “Das Vermächtnis der Agnes Bernauer” vermitteln?

Ich wurde ein paar Mal bereits gefragt, was denn nun eigentlich das Vermächtnis der Agnes Bernauer sei. Selbst nach Beendigung der Lektüre hatte es sich für diese LeserInnen nicht so recht erschlossen. Das „Vermächtnis“ ist natürlich ihr Wirken über ihren Tod hinaus. Es ist das, was sie Albrecht mit an die Hand nimmt, damit er der wird, der er sein soll.

Ich finde, dass das eine ganz wichtige Botschaft für jeden von uns ist. Jeder fragt sich doch bestimmt mal in einem schwachen Moment, was eigentlich der Sinn des Lebens ist, vor allem, wenn man freitagabends völlig kaputt mit einem Glas Rotwein auf der Couch sich vom mittelmäßigen Fernsehprogramm berieseln lässt. Meiner Meinung nach ist der Sinn der Lebens, die Welt mit seinem Dasein ein Stück weit besser zu machen, und das fängt bei seinen Mitmenschen an. Wenn ich eines Tages nicht mehr bin, dann hoffe ich, dass meine Kinder zum Beispiel sagen: Mama hat mir das beigebracht, sie hat mich verändert, sie wird immer in mir weiterleben.

Gibt es Pläne für weitere historische Romane?

Derzeit sitze ich an einem neuen Manuskript, das in der Rohfassung zu 75% geschrieben ist. Es geht zurück in die Mark Brandenburg, ins 14. Jahrhundert, und ich hoffe, dass es diesmal vielleicht ein wenig lustig und eher abdreht wird. Wir werden sehen, was am Ende dabei herauskommt.

Vielen Dank für deine Fragen! Wenn Sie noch mehr über den Roman erfahren möchten, können Sie das Buch auf der Website der Autorin oder bei anderen Buchhändlern finden.

Kommentar verfassen

* Bei Nutzung der Kommentarfunktion stimmst du der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Webseite zu.