Der historische Hintergrund zu Agnes Bernauer

Zwei große historische Ereignisse jener Zeit wurden in die Geschichte des Romans mit verwoben: Der Straubinger Schiedsspruch sowie die Hussitenkriege.

Die Straubinger Teilung

Der Straubinger Herzogsschloss

Der Straubinger Herzogsschloss

Nach dem Ableben des letzten Straubinger Herzogs Johann durch Giftmord (siehe meinen anderen Roman „Der Schwur der Gräfin“, die Figur „Onkel Johann“) stand das Herzogsschloss von Straubing einige Jahre leer, und die Landstände waren dazu angehalten, sich eine Zeit lang selbst zu verwalten.

Bayern war damals in vier Teilherzogtümer aufgeteilt, die von Vettern regiert wurden: Straubing, Landshut, Ingolstadt und München. Wo in Landshut und Ingolstadt jeweils ein Herzog herrschte (Heinrich bzw. Ludwig), gab es in München gleich zwei Herzöge, die Brüder Ernst und Wilhelm (siehe hier für einen detaillierten Stammbaum). Diese forderten, dass das Straubinger Land nach Anzahl der Köpfe unter den bayrischen Herzögen aufgeteilt werden sollte. Das hätte ihnen natürlich einen enormen Vorteil verschafft, denn so hätten sie zwei Anteile erhalten, wohingegen Landshut und Ingolstadt nur jeweils einer zugesprochen worden wäre.

Das Straubinger Erbe

Das Straubinger Erbe

Da man sich über Jahre nicht einigen konnte, entschied schließlich Kaiser Sigismund, wie das Land aufzuteilen sei. Die Residenzstadt Straubing fiel dabei den Münchenern zu. Das Ergebnis war, dass Bayern noch mehr zu einem Flickenteppich wurde, als es ohnehin schon war.

Die Hussitenkriege

Die Verurteilung von Jan Hus. Reproduktion eines Bildes von Václav Brožík, aus dem Buch "Modern and contemporary Czech Art"

WikiCommons: Die Verurteilung von Jan Hus. Reproduktion eines Bildes von Václav Brožík

Als auf dem Konstanzer Konzil der böhmische Kirchenreformer Jan Hus trotz aller Beteuerungen eines sicheren Geleits zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen hingerichtet wurde, brachen in seiner Heimat Böhmen erst recht schwere Kämpfe aus. Hus hatte große Kritik am Reichtum der Kirche und anderen Unzulänglichkeiten geäußert. Hinzu kam die antideutsche Stimmung im Land. Die Böhmen wollten endlich sich selbst regieren.

Porträt von Jan Hus, vor 1759

WikiCommons: Porträt von Jan Hus, vor 1759

WikiCommons: Porträt von Jan Hus, vor 1759

Zu Lebzeiten der Agnes Bernauer kam es daher zu einem erneuten Aufruf des Papstes zu einem „Kreuzzug“ gegen die Hussiten – es sollte der fünfte sein.

Auch die Bayern stellten Heereskontingente auf, die unter Kardinal Cesarini und dem brandenburgischen Markgrafen Friedrich von Nürnberg (ein alter Bekannter aus meinem Roman Die letzte Fehde an der Havel) nach Böhmen geführt wurden. Auch dieser Fünfte Kreuzzug endete katastrophal, da das Lager überrannt und die Ritter in die Flucht geschlagen wurden.

Ich habe bei meinen Recherchen nur eine kurze Anmerkung gefunden, dass Albrecht derjenige war, der die Münchener ins Feld führte. Genau belegen lässt sich das allerdings nicht. Dennoch hielt ich es für plausibel genug, um diese Information im Roman zu verwenden.

Eine zeitgenössische Darstellung einer hussitischen Wagenburg. Diese neue Kampftechnik war ein erstklassiger Schutz gegen katholische Ritter, weshalb militärische Erfolge gegen die Hussiten ausblieben.

WikiCommons: Eine zeitgenössische Darstellung einer hussitischen Wagenburg.

Obwohl die Hussiten keine ausgebildeten Kämpfer waren, waren sie allerorts gefürchtet. Immer wieder fielen sie in die Territorien des Deutschen Reichs ein, brandschatzten, raubten und eroberten. Sie waren schlecht ausgestattet und gerüstet, und dennoch waren sie eine formidable Kraft. Ihre unschlagbare Technik bestand aus den so genannten Wagenburgen: zweckmäßig gebaute Trosswagen, die man an den Rädern aneinander kettete, so dass sie wie kleine, leicht zu verteidigende, mobile Burgen agierten. Die Wagen waren so präpariert, dass sich Schützen und andere Kämpfer hinter den Aufbauten verschanzen konnten. Seitliche Bretter ließen sich zum Beispiel so herunterklappen, dass die Unterseite der Wagen geschützt war und man nicht darunter hindurchkriechen konnte.

Gegen diese Art der Verteidigung konnten die klassischen Ritterheere des Deutschen Reichs nur schwer ankommen. Sie ritten geradewegs ins Geschützfeuer. Hatten sie es dennoch geschafft, bis zur Wagenburg vorzudringen, drohten ihnen die Hussiten mit Langwaffen, die mit Haken ausgestattet waren, sie aus den Sätteln zu ziehen.

Der Hussitenführer Andreas Prokop. Deutlich zu sehen ist der Kelch auf seiner Schulter.

WikiCommons: Andreas Prokop mit Kelch auf der Schulter. Stich von 1898.

Das Wappen der Hussiten zeigte eine Gans (tschechisch husa in Anlehnung an den Namen Hus) sowie einen Kelch, eine Anspielung auf Jan Hus‘ Lehre, dass das Abendmahl für die Gläubigen in beiderlei Gestalt (Brot und Wein) gereicht werden sollte („Utraquismus“). Diese Lehre stand im Gegensatz zur damals vorherrschenden Praxis in der katholischen Kirche, bei der lediglich die Geistlichkeit den Kelch (den Wein) während der Eucharistiefeier erhielt, die Laien jedoch nur das Brot.

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Eine tragische Liebe im Mittelalter

Das Vermächtnis der Agnes Bernauer

Anno 1428: Auf dem Augsburger Faschingsturnier lernt Prinz Albrecht III. die lebensfrohe Agnes Bernauer kennen. Verzaubert von ihrer außergewöhnlichen Schönheit nimmt er die Baderstochter mit nach München.
Albrechts Vater ist die nicht standesgemäße Liebschaft seines Sohnes ein Dorn im Auge, denn Albrecht weigert sich, eine adlige Braut zu nehmen. Die Zukunft des Herzogtums ist in Gefahr.
Als sich die Konflikte zwischen Vater und Sohn zuspitzen und Albrecht seine Agnes heimlich heiratet, nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Erzählt nach wahren Begebenheiten

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