The Making of „Das Vermächtnis der Agnes Bernauer“

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Wer es bei meinem neuesten Buch bis zum Nachwort schafft, der erfährt ein wenig darüber, wie es überhaupt dazu kam, dass ich mich mit der „Agnes Bernauer“ an diesen überaus interessanten Stoff wagte.

Agnes Bernauer traf mich in einer Zeit des persönlichen Umbruchs. Gerade erst zurück nach Deutschland gezogen, wusste ich nicht so recht, wie ich meine Zeit sinnvoll nutzen sollte. Der Traum vom Schreiben bestand schon immer; in der Tat war ich schon seit Jahren als Übersetzerin, Reisebloggerin und Rezensentin unterwegs. In Spanien hatte ich sogar eine Auftragsarbeit eines Reiseverlags angenommen und ein Buch mit Reisetipps für Familien geschrieben. Doch einen ganzen Roman von Anfang bis Ende? Niemals!

Weil ich nicht wusste, was ich sonst hätte tun sollen mit meinem neuen Leben in Deutschland (Bürojob, Selbstständigkeit, Studium?), habe ich einfach mal angefangen zu schreiben. Schnell wurden mit mein Unvermögen und meine inhaltlichen Lücken bewusst. Mir war noch nicht mal klar, dass Geschichten aus Szenen bestehen, dabei habe ich ein abgeschlossenes Literaturstudium vorzuweisen.

Ich begann also, zu recherchieren – sowohl, was das Verfassen von Langtexten als auch den Hintergrund der Bernauer-Geschichte anging.

Mich verließ schnell der Mut, aber ich habe auch die (manchmal nicht ganz praktische Eigenschaft), mich in Dinge zu verbeißen. Und das tat ich. Der Stoff war tragisch, er war romantisch, er war alles, was eine Geschichte brauchte, um spannend zu sein.

Je mehr ich recherchierte, je mehr Bücher ich mir zum Thema aus der Landesbibliothek bestellte, desto ergriffener war ich von Agnes’ Schicksal. Bald folgte eine Reise nach Süden. Ich wandelte in Agnes’ Spuren, stand vor ihrem Grab, sprach mit einem Reiseführer vor Ort, der mir die politische Lage jener Zeit auseinandersetzte.

Irgendwann war das Manuskript fertig. Naiv und von mir selbst überzeugt schickte ich es an eine einzelne Agentur, eine der renommiertesten des Landes. Zwei Wochen später erhielt ich Antwort: Sie wollten das Gesamtmanuskript! Ich war völlig baff. Konnte es wirklich so einfach sein?

War es natürlich nicht. Sechs weitere Wochen später, und ich hatte eine Absage in meiner Mailbox. Ich tat das, was man eigentlich nicht tun sollte, weil es meistens fruchtlos ist: Ich fragte nach den Gründen. Erstaunlicherweise erhielt ich Antwort (nochmals: VIELEN DANK, liebe Agentur!) – „flache Charaktere und Klischees“ war so das, was mir am meisten wehtat. Aber nun wusste ich, woran ich zu arbeiten hatte.

Ich setzte mich wieder hin, recherchierte noch eingehender. Entwarf einen Plan. Machte mir mehr Gedanken zur Geschichte, zu den Figuren, zum Spannungsbogen, zu den geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründen. Und schrieb das ganze Manuskript noch einmal.

Mittlerweile hatte ich eine Agentur gefunden und einen Verlag – für eine andere, meine dritte Geschichte „Die letzte Fehde an der Havel“. Die Agentur erklärte sich bereit, das Bernauer-Manuskript (mit Modifikationen) an die Verlage zu bringen. Ich fügte eine weibliche Perspektive hinzu und stellte die berüchtigte Brückenszene dem Ganzen voran.

Es war mitten in der Corona-Zeit. Buchmessen fanden nicht statt, die ach so wichtigen Gespräche zwischen Agenten und Lektoren gab es nicht mehr. Mein Manuskript hatte es schwer. Und schwer, und schwer.

Die Wochen verstrichen, die Monate, dann Jahre. Das Manuskript war selbst nach Ende der Corona-Zeit nicht vermittelbar. Keiner wollte offenbar Mittelalter, alle wollten das 20. Jahrhundert. Mein Herz blutete. So viel Arbeit, so viel Hoffnung!

Aber mir blieb ja noch mein Verlag. Sie wollten es, juhu! Allerdings wollten sie es verkürzt, nicht, weil es Längen gab (sie hatten es noch gar nicht gelesen), sondern weil sie Papier einsparen wollten. Also setzte ich mich wieder hin, strich knapp 40% aus dem Manuskript und verschandelte es damit in der Hoffnung, es wenigstens so noch veröffentlichen zu dürfen. Dann die Hiobsbotschaft von meiner Agentin: Der Verlag hatte alle Verhandlungen abgebrochen, man wollte nicht mehr mit mir arbeiten.

Krönchen richten und so weiter… Wir versuchten es bei anderen Verlagen. Ein anderer biss an, paddelte dann aber zurück, als die Programmleitung erfuhr, dass die Handlung in Bayern spielte. Das Programm hatte schon genug Bayern-Themen im Angebot. 

Jetzt hatte ich die Nase gestrichen voll. Ich kündigte den Agenturverlag und beschied, dass es Zeit war fürs Selfpublishing. Zunächst wollte ein anderes Buch fertiggeschrieben werden (die „Kaufmannswitwe“), dann machte ich mich an eine Überarbeitung des „Schwur der Gräfin“.

Schließlich war endlich, endlich die „Agnes“ an der Reihe, die Geschichte, mit der alles angefangen hat. Gerade deshalb habe ich einen besonders starken Bezug zu der Sache und hoffe natürlich, dass das Buch viele (möglichst begeisterte) Leser erreicht.

Für die Veröffentlichung habe ich mich noch einmal hingesetzt – ein letztes Mal! – und habe den Text, den ich damals bereits für den Verlag über vier Wochen vorbereitet hatte, abermals überholt. Ich habe Dinge wieder hinzugefügt, die Erzählung runder gemacht, den Spannungsbogen sorgfältig überarbeitet, die Sprache verfeinert. Denn als Selfpublisherin muss ich ohne offizielles Lektorat vorgehen. Ich nehme jeden Fehler auf meine eigene Kappe.

Es war ein langer Weg, sechs Jahre, bis ich endlich das erste Exemplar von „Das Vermächtnis der Agnes Bernauer“ in den Händen halte durfte. Unterm Strich hat es sich gelohnt, und ich sage mir immer, manche Dinge passieren nicht ohne Grund!

Es war gut, dass es so lange gedauert hat, denn die ersten Versuche waren unfertig und blass.

Es war gut, dass ich letztlich keinen Text herausgebracht habe, der von Unbeteiligten völlig massakriert worden wäre wegen hoher Papierpreise.

Es war gut, dass ich volle Kontrolle übernehmen konnte, was Lektorat, Buchsatz, Covergestaltung und Marketing angeht.

Ich mag letztlich vielleicht nicht so viele Exemplare verkaufen wie über einen der großen Publikumsverlage, aber immerhin ist das Buch nun genau so, wie ich mir das immer gewünscht habe. Und ich hoffe, Sie stimmen mir zu, dass es wirklich schön geworden ist, innen wie außen.

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