Als Vielleserin und gelegentliche Hörbuchhörerin habe ich euch ein paar Bücher zusammengestellt, die mich im letzten halben Jahr begeistert haben. Ich interessiere mich zwar für Trends, aber ich lese schon eher das, was mich persönlich wirklich anspricht. Deshalb sind auch diesmal wieder ein paar Werke darunter, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Es sind auch nicht alles nur historische Romane, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern eine Mischung aus Spannungsliteratur und viel Gefühl. Vielleicht ist ja auch was für dich dabei!
Das Tor zur Welt Träume / Hoffnung von Miriam Georg

Miriam Georg gehört für mich zu den ganz Großen des historischen Romans. Warum? Die Frau traut sich was! Ihre Geschichten sind immer am totalen Limit, und ich liebe, liebe, liebe, was der Verlag ihr alles durchgehen lässt. So auch diese Dilogie, die sich mit der Auswanderungsbewegung nach Amerika zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigt. Was idyllisch, aber knochenhart im Alten Land beginnt, entwickelt sich schnell zu einer düsteren Aneinanderreihung menschlicher Abgründe und gescheiterter Hoffnungen. Love it.
Triumph und Fall von Jeffrey Archer
Ich bin dieses Jahr recht spät zu Archer gestoßen, kann ihn aber jedem nur wärmstens empfehlen, der die großen Sagas der 90er aus männlicher Feder vermisst. Bekannter dürfte wohl seine Clifton-Saga sein, die ich im Anschluss begonnen habe. Vieles ist sehr ähnlich in Aufbau und Figurengestaltung: junger Mann aus armen Verhältnissen, der sich mit Fleiß und Ausdauer hocharbeitet. Aber ehrlich gesagt, gefällt mir dieses Buch hier besser als Clifton 1. Man kann gar nicht anders und muss mitfiebern, während Charlie in London sein Handelsimperium aufbaut.

Yesteryear von Caro Claire Burke

Dieses Buch hat ja in den sozialen Medien seine Runden gemacht (und tut es noch immer), und ich finde, es hat diese Aufmerksamkeit zu recht verdient. Wer in der Vergangenheit schon ein wenig in das Trad-Wife-Phänomen, das besonders in den USA Anhänger gefunden hat, eingetaucht ist, der wird an dieser Geschichte sein pures Vergnügen haben. Eine Hauptcharakterin, die ganz und gar nicht sympathisch ist, und die dann auf einmal mit den Schattenseiten eines von ihr beworbenen (verlogenen) Lebensstils auf ganz seltsame Weise konfrontiert wird. Natürlich kann man die Auflösung des Rätsels bemängeln, ich fand die Prämisse aber insgesamt spannend genug, um über diese Schwäche hinweg zu sehen.
Judith und Hamnet von Maggie O’Farrell
Vorweg: Ich kenne den Film nicht, und ich war eigentlich auch eher vorsichtig, was die Geschichte angeht, denn eigentlich mag ich es nicht so sehr, wenn Männer der Geschichte aus der Sicht der Frauen noch einmal aufgerollt werden. Denn bei »Judith und Hamnet« geht es nicht um Shakespeare, sondern um dessen Frau, bzw. um den Verlust ihres gemeinsamen Kindes. Doch ein paar Seiten in die Story hineingelesen, konnte ich nicht mehr abstreiten, dass das alles fein recherchiert und unglaublich atmosphärisch umgesetzt ist. Nur das Ende, das hätte ich mir irgendwie runder oder befriedigender vorgestellt. Es ist eines dieser Bücher, wo man sich fragen muss, was nun eigentlich die Aussage sein soll.

Isola von Allegra Goodman

Wieso ist dieses Buch nicht in einer deutschen Übersetzung erhältlich? Es hätte es wahrlich verdient! »Isola« erzählt die wahre Geschichte einer Frau nach, die kurz nach der Entdeckung der Neuen Welt von ihrem Vormund auf einer einsamen Insel vor Kanada ausgesetzt wird. Ein packendes Überlebensdrama, von dem man so wohl noch nicht gehört hat. Ich klebte regelrecht an den Seiten und war am Ende wirklich sehr erstaunt zu lesen, dass die Geschichte auf wahren Tatsachen beruht. Wer sich die englische Lektüre zutraut: Absolut empfehlenswert!
Die Leopardin von Ken Follett
Letztens habe ich gesehen, dass dieses Spionagedrama, das 2001 in die Buchhandlungen kam, wohl endlich verfilmt wird. Ich freue mich, denn ich finde, dass dieser Thriller zu den besseren in Folletts Repertoire gehört. In der Geschichte geht es um die wahren Heldenleistungen britischer Spioninnen, die während der NS-Besetzung Frankreichs per Fallschirm hinter die feindlichen Linien eindrangen, um von dort wichtige Nachrichten der Nazis abzufangen und so den Alliierten bei ihrem Kampf zu unterstützen. Wieso Spioninnen? Weil die Frauen auf ihren Fahrrädern nicht weiter verdächtig erschienen. Superspannend umgesetzt und sehr realistisch erzählt.

Sturmhöhe von Emily Brontë

Als vor einigen Monaten mit viel Tamtam der Film von Emerald Fennell herauskam, nahm ich mir vor, diesen Klassiker noch einmal zu lesen. Nur um dann festzustellen, dass ich ihn tatsächlich noch nie gelesen hatte! Einige Seiten später war ich gefesselt – von den finsteren Beschreibungen der Moorlandschaften und den gefühlvollen Ausbrüchen der Figuren. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich dann aus allen Wolken fiel, als ich den ersten Trailer anschauen durfte. Das hatte leider gar nichts mit der Vorlage gemein, wie sie sich in meinem Kopf abspielte. Fazit: Lest das Buch, selbst wenn ihr den Film schon kennt. Denn Sturmhöhe ist ein Meisterwerk der rohen Gefühle, die so gar nichts mit roten Plastikkleidern und gehauchten Liebesbekundungen im strömenden Regen gemein haben.
In den Farben des Dunkels von Chris Whitaker
Ein ungewöhnliches Buch, das die Geschichte eines gekidnappten Jungen erzählt, der in seinem pechschwarzen Gefängnis nicht allein ist. Ein Mädchen teilt den Raum mit ihm. Doch sie können einander über Monate nicht sehen – nur hören, fühlen, riechen, schmecken. Nach seiner Befreiung macht sich der Junge auf, dieses Mädchen wiederzufinden, und kommt dabei seinem Peiniger auf die Spur, der quer durch die USA eine Schneise der Verwüstung hinter sich gelassen hat. Eine Geschichte über Trauma, Liebe, Coming-of-Age, Familie, Freundschaft und vieles mehr.

Atmosphere von Taylor Jenkins Reid

Ich finde immer toll, wenn ich durch ein Buch etwas über einen Aspekt der Menschheitsgeschichte lerne, den ich vorher gar nicht so richtig auf dem Schirm hatte. In Atmosphere geht es um das NASA-Raumfahrtprogramm und die Rolle der ersten Frauen, die dann doch endlich mal in den Weltraum fliegen durften. Bis in die 80er war dies nämlich einzig Männern vorbehalten. Doch Weltraummissionen sind gefährlich und so kommt es schon zu Beginn der Geschichte zur Katastrophe. Danach kann man quasi nicht mehr aufhören zu lesen. Ich für meinen Teil hätte es allerdings besser gefunden, das Buch nicht als »Liebesgeschichte« zu betiteln. Es nimmt der Spannung einiges vorweg.
War für dich etwas dabei? Kennst du eines davon? Oder gar mehrere? Bin gespannt, was deine Meinung zu diesen Büchern ist! Hinterlasse gern einen Kommentar unten.
Disclaimer: Alle Bücher sind von mir selbst gekauft und daher keine Rezensionsexemplare, die von Verlagen zur Verfügung gestellt wurden. Die Meinungen in diesem Artikel sind meine eigenen.