Autor

Silke

Zwischen Kinderwunsch und Lebensplan

Es passiert selten, aber wenn es passiert, dann bleibt es mir lange im Gedächtnis: Ich entdecke ein Buch, das mich tief berührt – so sehr, dass ich danach automatisch zu weiteren Werken derselben Autorin greife. Nicht immer erfüllen sie die hohen Erwartungen. Aber sie enttäuschen auch nicht. Sie sind einfach – anders. Und trotzdem bin ich dankbar, sie gelesen zu haben.

So ging es mir mit Kristin Hannah. Ich liebe ihren historischen Roman „Die Nachtigall“, der die Geschichte zweier ungleicher Schwestern im besetzten Frankreich erzählt. Für mich ein absolutes Herzensbuch. Andere ihrer Romane hingegen konnten mich nicht in gleicher Weise packen. „Winterschwestern“ und „Die Mädchen aus der Firefly Lane“ (toll verfilmt in der ersten Staffel der Netflix-Serie Firefly Lane mit Katherine Heigl) zähle ich eher zur schwächeren Kategorie. Dafür gehören „Die Frauen jenseits des Flusses“, „Die vier Winde“ und „Liebe und Verderben“ zu den Highlights in ihrem Werk. Und so greife ich immer wieder zu einem neuen Buch von ihr – in der Hoffnung, wieder so getroffen zu werden wie damals bei Die Nachtigall.

In „Die Dinge, die wir aus Liebe tun“ (The Things We Do for Love, Original: 2004), begegnen wir zwei Frauen, deren Leben sich auf sehr unterschiedliche Weise um ein zentrales Thema drehen: Mutterschaft – gewünscht und ungeplant.

Angie Malone, Anfang vierzig, ist eine Frau mit gebrochenem Herzen. Nach mehreren gescheiterten IVF-Versuchen, dem Tod ihres zu früh geborenen Kindes und einer Adoption, die in letzter Minute platzt, kehrt sie traumatisiert in ihre Heimatstadt zurück. Dort findet sie Zuflucht in ihrer lautstarken, liebevollen und kinderreichen italienischstämmigen Familie – und übernimmt widerwillig Aufgaben im familieneigenen, etwas angestaubten Restaurant.

Lauren Ribido ist das Gegenteil: jung, intelligent, ehrgeizig – und ungewollt schwanger. Dabei steht ihr eigentlich ein glänzender Start bevor: Die Highschool-Absolventin hat ein Stipendium an einer renommierten Uni fast sicher. Ihre Mutter? Völlig desillusioniert: selbst einst Teenie-Mutter, ohne nennenswerte Perspektiven, lässt sie ihre Tochter spüren, dass sie auf sich allein gestellt ist. Laurens Freund bemüht sich zwar, aber er ist selbst kaum mehr als ein Kind.

Als sich die Wege von Angie und Lauren kreuzen, scheint es fast wie Schicksal. Die eine sehnt sich verzweifelt nach einem Kind. Die andere fühlt sich überfordert und alleingelassen. Ein emotionales Arrangement bahnt sich an – aber nichts daran ist einfach.

Kristin Hannah nimmt sich viel Zeit, die inneren Konflikte ihrer Figuren auszuleuchten. Sehr viel Zeit. Manchmal zu viel. Zweifel, Reue, Hoffnung, neue Zweifel – dieser Zyklus wiederholt sich über viele Kapitel hinweg. Ich habe es stellenweise als ermüdend empfunden. Denn letztlich liegt die Lösung auf der Hand, und es wirkt bisweilen konstruiert, dass die Figuren sie nicht früher erkennen.

Gleichzeitig überzeugt der Roman mit psychologischer Tiefe. Besonders Angie ist vielschichtig angelegt: ihr Schmerz, ihr Bedürfnis nach Kontrolle, ihre Versuche, ihr altes Leben hinter sich zu lassen – all das wirkt authentisch. Auch Lauren ist keine Klischee-Figur, sondern trägt ihre Ambivalenz mit Würde und Verletzlichkeit.

Einige Aspekte des Romans sind nicht Kristin Hannahs „Schuld“, aber aus europäischer Perspektive schwer nachvollziehbar. Dass eine junge Frau ein Stipendium braucht, um überhaupt studieren zu können. Dass ein Teenagerjob über die Miete entscheidet. Dass Kellnerinnen von Trinkgeldern leben müssen. Es sind typische US-amerikanische Realitäten, die für LeserInnen hierzulande oft wie aus einer anderen Welt wirken.

„Die Dinge, die wir aus Liebe tun“ ist ein gefühlvoll erzählter Roman über Verlust, Hoffnung, Verantwortung – und die Kraft der Wahlfamilie. Die Geschichte klingt nach, auch wenn sie nicht immer überrascht. Wer sich auf das langsame Tempo und die innere Zerrissenheit der Figuren einlässt, wird mit einer berührenden Geschichte belohnt.

Titel: Die Dinge, die wir aus Liebe tun (The Things We Do for Love)
Autorin: Kristin Hannah
Übersetzung: Gabriele Weber-Jarić
Verlag: Aufbau Taschenbuch, 2019
Originalausgabe: 2004

P.S.: Buch selbst gekauft, Meinung meine eigene.

Der englische Verlag verspricht: „The most addictive love story of the summer“. Na gut – dann wollen wir sie mal beim Wort nehmen.

Die Geschichte, die die britische Autorin Clare Leslie Hall erzählt, ist tatsächlich eine Liebesgeschichte. Sie spielt in der ländlich geprägten Region Dorset und entfaltet sich auf zwei Zeitebenen. Im Mittelpunkt steht eine Frau, die zwischen zwei Männern steht – und ein großes Unglück verarbeiten muss.

Da ist zum einen ihre Jugendliebe Gabriel, Sohn wohlhabender Landbesitzer à la Downton Abbey. Eine Liebe, von der eigentlich alle wissen, dass sie keine Zukunft hat, denn die Klassenunterschiede waren im England der 50er-Jahre noch sehr spürbar. Doch die beiden jungen Leute ignorieren das – und leben ihre Liebe frei und unbeschwert. Das schlägt sich in einigen recht romantisch inszenierten „Sex-am-See“-Szenen nieder. Verheiratet ist Beth in der Gegenwart allerdings mit einem ganz anderen: Frank, ein hart arbeitender, bodenständiger Landwirt, der sich mit dem zufrieden gibt, was das Leben ihm schenkt. Doch ein Unglück, das über alle hereinbricht, droht, alles zu zerstören.

Die Geschichte wird größtenteils aus Beths Perspektive erzählt – und ich muss gestehen, ich hatte meine Schwierigkeiten, mit ihr warm zu werden. Beth wirkt auf mich eigennützig und kaltherzig. Sie scheint zu glauben, dass ihre besondere Liebe zu Gabriel ihr jedes Verhalten erlaubt – auch ohne Rücksicht auf Konsequenzen. Da kann man noch so viel heißen Sex als Zeichen echter Gefühle anführen: Für mich gilt trotzdem – einmal Cheater, immer Cheater. Sie nutzt ihren Ehemann in meinen Augen komplett aus, und auch das Ende des Romans kann da nicht viel retten. Gabriel bleibt ebenfalls eher blass und wenig sympathisch.

Hinzu kommt: Einige Entwicklungen fand ich leider sehr vorhersehbar. Ich will hier nichts spoilern, aber gerade die große Enthüllung am Ende war für mich absolut absehbar – und reichlich klischeehaft. Schade.

Unterm Strich bleibt ein schnell zu lesender Schmöker, sprachlich sehr schön gemacht und auch durchdacht zusammengeführt, der sich gut für ein Wochenende auf der Couch eignet – mir persönlich war das Ganze aber zu kitschig, moralisch zu grau und zu vorhersehbar.

Titel: Wie Risse in der Erde (Original: Broken Country)
Autorin: Clare Leslie Hall
Verlag: Piper, 2025

Die Sommerferien haben in vielen Bundesländern bereits begonnen oder stehen kurz bevor. Vielleicht hast du „Die letzte Fehde an der Havel“ schon gelesen (oder es steht ganz oben auf deinem SuB)? Dann kommt hier die perfekte Ergänzung: Fünf Orte, die eng mit der Quitzow-Geschichte verbunden sind – voller Geschichte, Atmosphäre und spannender Hintergründe. Ideal für einen Wochenendtrip, eine kleine Zeitreise oder einfach, um den Roman noch intensiver zu erleben.

Und das Beste: Das eBook ist diese Woche (ab dem 18.7.) auf allen Plattformen um 50 % reduziert – perfekte Sommerlektüre für alle, die Machtspiele, Intrigen und echtes Mittelalter lieben!

1. Kletzke – die stille Bühne der Fehde

Hier, in der Prignitz, begann vieles: Kletzke war ein Stammsitz der Quitzows – heute zeugen noch die Reste eines späteren Schlosses vom einstigen Machtzentrum der Familie. Die mittelalterliche Burg wurde zwar zerstört, aber wenn du durch den Ort spazierst und die Dorfkirche mit ihren Grabplatten besuchst, spürst du die Aura einer Familie, die das Reich in Atem hielt.

Im Roman ist Kletzke nicht nur ein Ort – es ist Symbol für Herkunft, Stolz und den schmalen Grat zwischen Macht und Fall.

2. Tangermünde – Macht trifft Rebellion

Tangermünde war die Residenzstadt des Kurfürsten Friedrich von Hohenzollern – und damit der Gegenspieler der Quitzows. Die imposante Burganlage mit Blick auf die Elbe ist bis heute gut erhalten und versetzt dich sofort zurück in die Zeit der letzten Fehde.

Wer „Die letzte Fehde an der Havel“ kennt, weiß, dass das Geschlecht Gans zu Putlitz zeitweise im Besitz der Burg waren und dort ein fröhliches Tauffest feierten. Beim Blick über die Elbe kann man sich vorstellen, wie schwierig es damals wohl gewesen sein muss, den rauschenden Strom zu überqueren.

3. Berlin – hier wurde Geschichte geschrieben

Die Stadt Berlin (und das damals eigenständige Cölln) heuerten damals die Quitzows an, nur später mit ihnen im Clinch zu liegen. Heute sieht man diese wechselhafte Beziehung verewigt im Relief am Roten Rathaus – ein echter Geheimtipp für Geschichtsbegeisterte!

So oder so: Im Nikolaiviertel und rund um die Marienkirche kannst du dir vorstellen, wie die Stadt damals aussah – eng, laut, gefährlich. Und wer genau hinsieht, entdeckt vielleicht sogar Spuren einer mittelalterlichen Stadtmauer …

4. Putlitz – beste Freunde

Putlitz war Heimat eines alten Adelsgeschlechts, das in der Region mit den Quitzows um Einfluss konkurrierte, größtenteils aber freundschaftlich verbunden war. Die Ruinen der Burganlage sind noch zu besichtigen.

Im Roman spielen die Herren von Putlitz mit Caspar Gans zu Putlitz eine stille, aber spürbare Rolle – als Mahnung, dass auch unter den Adligen niemand seinem Stand vertrauen kann.

5. Friesack – das letzte Aufbäumen

Friesack war einer der letzten Rückzugsorte der Quitzows, bevor sie endgültig entmachtet wurden. Hier hielten sie eine Burg zur Verteidigung gegen die Hohenzollern – und genau hier endete die Ära der „Raubritter“.

Heute erinnern ein paar bauliche Spuren und vor allem der Name an diese Zeit. Aber wenn du dir im Sommer den Wind um die Nase wehen lässt und die alten Feldsteine anschaust, verstehst du vielleicht, warum Carl sich nicht kampflos geschlagen geben wollte.

Noch kein Quitzow-Experte? Dann wird’s Zeit!
„Die letzte Fehde an der Havel“ nimmt dich mit in eine Welt voller Machtkämpfe, innerer Zerrissenheit und echter historischer Spannung. Diese Woche bekommst du das eBook zum halben Preis – auf allen Plattformen.

Also: reinlesen, eintauchen, aufbrechen – und Geschichte dort erleben, wo sie wirklich passiert ist.

Wenn du magst, teile deine Eindrücke von den Quitzow-Orten – ich freue mich über Fotos, Kommentare oder verrückte Zufallsbegegnungen mit der Vergangenheit!

Verwechselte Autoren, echte Geschichten

Eins vorweg: David Mitchell ist ein ziemlich häufiger Name. Und so war ich nicht wenig erstaunt, als ich – auf Empfehlung eines Autorenkollegen – ein Buch von ihm zu lesen begann, das sich als viel lustiger und amüsanter entpuppte, als der Kollege es angekündigt hatte. Erst beim zweiten Buch, das ich mir gleich mitbestellt hatte, wurde mir klar: Moment mal – das kann doch gar nicht derselbe Autor sein.

Und tatsächlich: David Mitchell, der britische Comedian und Autor von Unruly (siehe Besprechung hier), ist nicht zu verwechseln mit David Mitchell, dem mehrfach für den Booker Prize nominierten Romanautor, dessen Werke wie Der Wolkenatlas (im Original: Cloud Atlas) weltweit gefeiert und sogar verfilmt wurden.

Mein erstes Buch dieses literarischen David Mitchell war nun also: „Der dreizehnte Monat“ (Black Swan Green im Original). Und was soll ich sagen – ich bin froh über die Empfehlung.

Wir befinden uns in der englischen Provinz, im fiktiven Dorf Black Swan Green, irgendwo in Worcestershire, im Jahr 1982. Moonraker flimmert über die Fernsehbildschirme, der Falklandkrieg beginnt, und die ältere Schwester ist drauf und dran, nach Edinburgh zum Studieren zu gehen. Im Mittelpunkt steht der dreizehnjährige Jason Taylor, der eine ganz eigene Hürde zu bewältigen hat: Er stottert.

In der gnadenlosen Hackordnung seiner Schulklasse ist das ein Problem – eines, das er mit größter Anstrengung zu verbergen versucht. Gleichzeitig schreibt er heimlich Gedichte, was in seiner Welt etwa gleichbedeutend ist mit „Schwulsein“, also „sozialem Selbstmord“. Der Druck, nicht aufzufallen, nicht anzuecken, nicht aus der Rolle zu fallen, ist enorm. Und während Jason versucht, sich über Wasser zu halten, beginnt seine Familie leise, aber unaufhaltsam zu zerfallen. Für ihn kaum greifbar, für uns Leserinnen und Leser aber umso deutlicher spürbar.

Was mich besonders überzeugt hat, war Mitchells Gespür für Sprache und Perspektive. Jason erzählt – und zwar so, wie ein intelligenter, wacher, aber auch zutiefst verunsicherter Dreizehnjähriger eben erzählt. Mitchell gelingt es, durch diese authentische Stimme eine ganze Welt zum Leben zu erwecken. Obwohl ich mich an die frühen 1980er selbst kaum noch erinnern kann, hatte ich beim Lesen oft das Gefühl, dort gewesen zu sein. Ich kann mir vorstellen, dass Menschen, die diese Zeit bewusst erlebt haben, noch einen zusätzlichen Nostalgiebonus mitnehmen – für alle anderen ist es ein atmosphärisches Zeitporträt mit universellen Themen: Scham, Mut, Zugehörigkeit, Familie.

Neben Jason begegnen wir einer Reihe skurriler, aber glaubwürdiger Nebenfiguren: einer alten Dame, die allein in einem verwilderten Cottage lebt (und mehr zu wissen scheint, als sie zugibt), den „Zigeunern“, die am Dorfrand kampieren (ein Begriff, den Mitchell bewusst aus kindlicher Sicht verwendet und zugleich kritisch bricht), oder einer geheimnisvollen belgischen Migrantin, die Jason auf überraschende Weise näherkommt.

Mitchells „Der dreizehnte Monat“ ist kein Buch der großen Überraschungen, aber eins der feinen Zwischentöne. Es lebt von Atmosphäre, Figurenzeichnung und einer tief empfundenen Ehrlichkeit. Vielleicht hat mir der ganz persönliche Funke gefehlt, das eine Detail, das mich nicht mehr loslässt. Aber als Coming-of-Age-Roman funktioniert dieses Buch hervorragend – und bleibt auch nach dem letzten Kapitel im Kopf.

Titel: Der dreizehnte Monat (Black Swan Green)
Autor: David Mitchell
Übersetzung: Volker Oldenburg
Verlag: Rowohlt Taschenbuch, 2014

P.S.: Buch selbst gekauft, und das ist meine eigene Meinung.

Ein Oktopus zum Verlieben

Shelby Van Pelt muss beim Schreiben ihres Debüts damals den Tipp bekommen haben, dass es sinnvoll ist, eine ziemlich vorhersehbare Geschichte mit Hilfe einer ungewöhnlichen Perspektive aufzubessern. Die ungewöhnliche Perspektive kommt dabei von einem Oktopus. Vielleicht wurde sie von der sehr sehenswerten Netflix-Doku Mein Lehrer, der Krake (My Octopus Teacher) inspiriert – ganz abwegig ist das jedenfalls nicht.

Marcellus, so heißt besagter Oktopus, führt die Leser*innen in die Geschichte ein. Er lebt in einem Aquarium in einer kleinen Küstenstadt im US-Bundesstaat Washington. Marcellus ist – surprise, surprise – natürlich ziemlich clever. Oder nein, er ist sogar weise. Und er hat eine bemerkenswerte Beobachtungsgabe, die später wichtig für den Verlauf der Geschichte wird.

Natürlich ist der Oktopus nicht der einzige Protagonist. Es geht auch noch um die Putzfrau des Aquariums, Tova, die kurz vor der Rente steht, und um den dreißigjährigen Cameron, der auf der Suche nach einem Vater ist, den er nie kennengelernt hat.

Wenn ich das jetzt alles ein wenig sarkastisch beschreibe, dann ist das nur teils gewollt. Die Wahl der Perspektive ist mir nicht neu und daher wenig überraschend, wenn auch gut umgesetzt. Ich denke, was mir viel mehr aufgestoßen hat, war, dass die Geschichte insgesamt so leicht durchschaubar war.

Allerdings – und ich denke, das ist der überragende Pluspunkt, der auch dazu geführt hat, dass die Geschichte verfilmt wird – schwingt zwischen den Zeilen jede Menge Wohlfühl-Feeling mit. Und wer bin ich, die sich gegen so etwas in diesen schwierigen und verunsichernden Zeiten sperrt? Nein, das allein lässt mich eine Empfehlung für dieses Buch aussprechen.

Es mag vielleicht ein wenig durchschaubar sein, aber es ist gut strukturiert, und die Beziehung zwischen Tova und Cameron und auch all den anderen Figuren im Ort ist herzerwärmend.

P.S.: Buch selbst gekauft, das hier ist meine eigene Meinung.

P.P.S.: Universal Pictures hat sich 2023 die Filmrechte an Remarkably Bright Creatures gesichert. Produziert wird der Film unter anderem von Amy Adams’ Firma Bond Group Entertainment. Noch gibt es keinen Starttermin – aber allein das zeigt: Der Oktopus hat es geschafft.

Titel: Das Glück hat acht Arme
Originaltitel: Remarkably Bright Creatures
Autorin: Shelby Van Pelt
Verlag: Fischer Taschenbuch, 2023
Übersetzung: Andrea Fischer

Kennst du eigentlich die Idee von Buchclubs? Dabei kommen Freundinnen und Freunde zusammen, um ein gemeinsames Buch auszuwählen und zu lesen. Nach der Lektüre tauscht man sich über Eindrücke, Figuren und spannende Themen aus. Wer sagt also, dass Lesen ein einsames Hobby ist? Ich finde, das ist eine wunderbare Idee!

Anlässlich der Deal-des-Monats-Aktion auf Amazon für meinen Roman „Der Trug des Pilgers“ im Juli möchte ich euch ermutigen, das Buch vielleicht sogar gemeinsam im Buchclub zu lesen. Damit euch der Gesprächsstoff nicht ausgeht, habe ich einige Fragen vorbereitet, die ihr nach der Lektüre diskutieren könnt. Wenn euch noch andere Aspekte interessieren, schreibt mir gerne einen Kommentar – ich stehe euch als Autorin jederzeit mit Rat und Tat zur Seite!

Hier ein paar Impulse für eure Buchclub-Diskussion:

  • Die Handlung spielt in einer Zeit voller Aberglaube, Krankheiten und Machtkämpfe. Wie hat euch die Atmosphäre des 14. Jahrhunderts in „Der Trug des Pilgers“ gefallen? Konnte euch die Geschichte in diese ferne Epoche hineinziehen? Welche Details haben euch dabei besonders angesprochen?
  • Jakob ist ein vielschichtiger Charakter, der sich im Laufe der Handlung stark verändert. Wie habt ihr seine Wandlung vom charismatischen Lebemann zum Pilger empfunden? Konnte ihr seine Entscheidungen nachvollziehen? Gab es Momente, in denen ihr ihm widersprochen hättet?
  • Die Intrigen rund um den angeblichen Waldemar und den Kampf um die Macht ziehen sich durch die gesamte Handlung. Welche Wendungen haben euch am meisten überrascht? Gab es Figuren, deren Loyalität oder Motive ihr hinterfragt habt? Und wie hat das eure Leseerfahrung beeinflusst?
  • Was waren eure ersten Gedanken, als ihr den Titel und das Cover von „Der Trug des Pilgers“ gesehen habt? Welche Erwartungen hattet ihr an die Geschichte?
  • Gibt es eine Figur, die euch besonders fasziniert oder mit der ihr am meisten mitfühlt? Was macht diese Figur für euch so besonders?
  • Hat euch ein bestimmter Schauplatz oder ein historisches Detail besonders beeindruckt oder überrascht?Welche Szenen konntet ihr euch besonders gut vorstellen?
  • Welche Bedeutung hat der Titel „Der Trug des Pilgers“ für euch nach der Lektüre?
  • Welche Rolle spielt die Pest in der Geschichte – eher Kulisse oder treibende Kraft?
  • Würdet ihr Jakob als Helden bezeichnen? Warum (nicht)?
  • Welcher Figur traut ihr am meisten – oder am wenigsten?
  • Wenn ihr eine Szene aus dem Buch verfilmen dürftet: Welche wäre es und warum?
  • Hat das Buch eure Sicht auf das Mittelalter verändert?
  • Welche Emotionen hat das Ende bei euch ausgelöst?
  • Schlussfrage: Was hat der Hofnarr da wohl zurückgelassen?

Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen – ob alleine oder gemeinsam – und natürlich viel Glück, falls ihr euch das Buch zum Aktionspreis sichern möchtet!

Bild von StockSnap über Pixabay

Dunkle Wälder, dunkle Geheimnisse

Buchbesprechung: Der Gott des Waldes – Liz Moore

Ich liebe Geschichten, in denen ein mysteriöser Kriminalfall immer weitere, dunkle Kreise zieht – wo der erste Mord nur der Auftakt ist und sich bald zeigt, dass alles mit einem viel älteren, ungelösten Verbrechen zusammenhängt. Deshalb konnte ich auch nicht widerstehen, als ich den Klappentext von Der Gott des Waldes gelesen habe, dem neuen Roman von Liz Moore.

Das Setting hat mich sofort gepackt: Die Geschichte spielt auf mehreren Zeitebenen – vorrangig in den 1970er-Jahren, aber auch in der Gegenwart und in Rückblicken auf die 1950er. Erzählt wird sie aus wechselnden Perspektiven, was zu Beginn etwas fordernd sein kann, sich aber schnell auszahlt.

Im Mittelpunkt steht das Verschwinden der 14-jährigen Barbara aus einem abgelegenen Sommercamp in den Wäldern Neuenglands. Diese Wälder werden als dicht, geheimnisvoll und gefährlich beschrieben – die Atmosphäre ist beinahe greifbar. Noch beunruhigender ist, dass ein Serienmörder gerade erst aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, ganz in der Nähe. Doch schnell zeigt sich: Barbaras Verschwinden ist nicht der erste Fall in ihrer Familie. Bereits Jahre zuvor ist ihr kleiner Bruder im selben Wald verschwunden – spurlos. Gibt es eine Verbindung? Was verschweigt ihre psychisch labile Mutter? Und warum schweigen so viele?

Eine junge, ehrgeizige Polizistin nimmt die Ermittlungen auf – und stößt auf eine Mauer aus Einfluss, Macht und alten Traumata.

Was diesen Roman für mich besonders gemacht hat, ist seine dichte, manchmal geradezu beklemmende Atmosphäre. Der Wald ist hier nicht nur Naturraum, sondern Symbol – für Verlorengehen, Angst, aber auch für verdrängte Wahrheiten. Moore zeichnet ihre Figuren feinfühlig und komplex: die depressive Mutter, die toughe Ermittlerin, die burschikose Campleiterin, Barbaras schüchterne Freundin – und natürlich Barbara selbst, rebellisch, klug, wütend.

Die Auflösung ist schlüssig, wenn auch nicht spektakulär. Wer genau liest, wird einige Hinweise schon früh erkennen. Aber darum geht es Moore auch nicht primär. Es geht um eine Familie, um weibliche Perspektiven in einer von Männern dominierten Welt, um verdrängte Geschichten und darum, wie sehr Vergangenheit Gegenwart formt.

Titel: Der Gott des Waldes
Autorin: Liz Moore
Verlag: C.H. Beck, 2025 (deutsche Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann)
Originaltitel: The God of the Woods (USA, 2024)

P.S.: Keine Werbung, keine Kooperation – nur meine ehrliche Meinung über ein Buch, das mich gefesselt hat.

Buchbesprechung: Unruly

von Silke

Wenn englische Könige zum Brüllen komisch werden

Meiner Meinung nach gibt es keine spannendere Geschichte des Mittelalters als die der englischen Königsfamilie. Ja, ich gebe es offen zu: Ich beneide Rebecca Gablé ein wenig darum, dass sie mit ihren Waringham-Romanen das Leben und Leiden dieser illustren Persönlichkeiten über Jahrhunderte hinweg literarisch zum Leben erweckt hat. Die Faszination für Englands Monarchen scheint jedenfalls nie abzureißen – auch bei mir nicht.

Neulich fiel mir wieder ein Buch in die Hände, das sich diesem Thema widmet. Nach dem großartigen Powers and Thrones von Dan Jones (übrigens ebenfalls sehr lesenswert) habe ich nun Unruly von David Mitchell gelesen. Und was soll ich sagen: Ich musste mehrfach laut lachen. Und Lachen ist in diesen Zeiten ja durchaus eine unterschätzte Disziplin, oder?

Die englische Geschichte bietet mit ihren Königinnen und Königen jedenfalls eine Steilvorlage für humorvolle Betrachtungen: Viele dieser Herrscher waren inkompetent, ruchlos, größenwahnsinnig – oder gleich alles auf einmal. Ihre Entscheidungen wirken aus heutiger Sicht oft haarsträubend, aber im mittelalterlichen Weltbild galten Monarchen als gottgegeben, weshalb ihre Autorität kaum infrage gestellt wurde. David Mitchell konfrontiert dieses Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit mit treffendem, manchmal bösem, aber immer intelligentem Humor – und zieht dabei nicht selten Parallelen zur Gegenwart, die seine Darstellung noch bissiger machen. Wer die britische Kinderserie Horrible Histories mag, wird sich hier gut aufgehoben fühlen.

Das Buch beginnt mit den Stammbäumen der königlichen Familien, von den ersten angelsächsischen Königen bis zu Elisabeth I., der letzten Tudor-Herrscherin. Danach – so Mitchell – sei es zwecklos, die Monarchie mit demselben Blickwinkel zu betrachten, da sich die Rolle des Königs durch äußere Umstände fundamental gewandelt habe.

Wichtig: Mitchell ist kein ausgebildeter Historiker, sondern ein Comedian, der sich tief in die Materie eingearbeitet hat. Genau das macht sein Buch so unterhaltsam und zugänglich. Die Kapitel widmen sich jeweils einem gekrönten Haupt, schildern dessen Erwartungen, Aufstieg, Fall und Nachwirkung – eingebettet in die entscheidenden politischen und persönlichen Wendepunkte der Zeit. Die Auswahl ist klug getroffen: Wichtige Ereignisse wie der Hundertjährige Krieg oder die Rosenkriege werden gestreift, aber nie zu detailliert ausgeschlachtet. Stattdessen stehen immer wieder die menschlichen Schwächen im Zentrum – und genau das macht das Ganze so komisch wie erkenntnisreich.

Leider ist Unruly bislang nicht ins Deutsche übersetzt worden. Doch keine Sorge: Die Sprache ist gut verständlich und erfordert kein tiefes Vorwissen über britische Kultur oder Geschichte, um den Witz und die Zusammenhänge zu erfassen.

Fazit:
Man kann noch so viel über Englands Mittelalter wissen – dieses Buch ist eine unterhaltsame und kluge Ergänzung zu jedem Sachbuchregal. Trotz seines lockeren Tons vermittelt es jede Menge Wissen, und die abschließende Analyse der dynastischen Zusammenhänge ist überraschend pointiert. Definitiv eine gute Wahl für alle Fans des englischen Mittelalters.
Schade nur, dass es solche Bücher nicht auch für die deutsche Geschichte gibt.

Autor: David Mitchell
Titel: Unruly
Verlag: Penguin, 2023 (englische Ausgabe)

P.S.: Dies ist keine Werbung, sondern eine persönliche Buchbesprechung. Ich habe das Buch selbstverständlich selbst gekauft und erhalte keine Bezahlung für meine Meinung.

Ihr Lieben,

heute habe ich eine wunderbare Überraschung für euch! Gemeinsam mit der lieben Christina vom Büchertanz-Blog verlose ich drei Taschenbuch-Exemplare meines Romans „Der Trug des Pilgers“.

Falls ihr Lust habt, euch ins Mittelalter zu träumen, Intrigen zu entwirren und gefährlichen Geheimnissen auf die Spur zu kommen, ist das eure Chance!

„Der Trug des Pilgers“ entführt euch ins Pestjahr 1348, als ein geheimnisvoller Pilger behauptet, der totgeglaubte Markgraf Waldemar zu sein. Plötzlich steht mein Held Jakob mitten in einem Netz aus Machtspielen, Verrat und tödlichen Intrigen – und muss nicht nur um sein Leben, sondern auch um das Herz einer starken Frau kämpfen.

➡ Wie ihr mitmachen könnt?
Schaut unbedingt beim Büchertanz-Blog auf Instagram oder Facebook vorbei. Dort findet ihr alle Infos zum Gewinnspiel und wie ihr euch eines der drei Taschenbücher sichern könnt. Ich drücke euch ganz fest die Daumen!

Danke, dass ihr meine Geschichten begleitet – und viel Glück bei der Verlosung!

Herzlichst,

Eure Silke

Auch dieses Jahr war es wieder so weit: In der brandenburgischen Provinz wurde der beliebte und berühmte Putlitzer-Preis vergeben – natürlich nicht zu verwechseln mit einem ähnlich klingenden, weitaus weniger bekannten amerikanischen Literaturpreis.

Gesucht wurden die originellsten Kurzgeschichten zum Thema „Sollbruchstellen“. Rund 400 AutorInnen reichten ihre Texte ein – groß wie klein, bekannt oder noch unbekannt. Ich weiß das so genau, weil ich in der Vorjury saß und tatsächlich jede einzelne Geschichte gelesen habe.

Sechs Autorinnen und Autoren schafften es ins Finale und wurden vom veranstaltenden Verein, den 42er Autoren, nach Putlitz eingeladen – eine Stadt, die sich zwar Stadt nennen darf, aber mit ihrem kleinstädtischen Charme und großem Herz jedes Jahr aufs Neue bezaubert.

Für mich ist es das Highlight meines Schriftstellerjahres. Nicht nur wegen der wahnsinnig netten Mitstreiterinnen, sondern auch, weil Putlitz mit einer Herzlichkeit, die ihresgleichen sucht, diese Veranstaltung trägt. Das beginnt mit einem feierlichen Fanfarenkonzert, das die Finalistinnen in die Kirche begleitet, geht weiter mit SchülerInnen, die die Siegertexte auf wunderbar einfühlsame Weise vorlesen, und gipfelt in einer stets begeisternden musikalischen Begleitung.

Spargelsuppe, Schnittchen, eine Lesung in der Pfarrscheune, und für die ersten drei Plätze liebevoll getöpferte Gänse – alles ist mit einem Augenzwinkern, aber auch mit viel Liebe zum Detail organisiert. Zwischen Verein und Stadt hat sich über die Jahre eine enge und lebendige Verbindung entwickelt. Selbst der örtliche Adel lässt sich das Ereignis nicht entgehen.

Auch die FinalistInnen haben das gespürt. Mehrfach hörte ich, wie schön und stimmig die gesamte Veranstaltung für sie war: feierlich, herzlich und mit Humor.

Die diesjährigen FinalistInnen waren:

  • Anna Rotele
  • Caren Ohrhallinger
  • Sahra Buck
  • Thorsten Dörp
  • Christoph Hein
  • Özge Inan

Herzlichen Glückwunsch noch einmal an die verdienten SiegerInnen!

Hinter den Kulissen: Die 42er Autoren

Damit eine solche Veranstaltung so reibungslos gelingt, braucht es viel Engagement im Hintergrund. Der Verein 42er Autoren hat sich der Förderung von Literatur verschrieben – nicht nur durch Preise wie den Putlitzer, sondern auch durch kontinuierliche Textarbeit.

Eine besondere Perle verbirgt sich im vereinseigenen, ja: old-schooligen Internetforum:
https://forum2.42erautoren.de/forum/

Dort gibt es die sogenannte BT-Runde (Besprechungstexte), für die man sich separat anmelden muss. Wer einen eigenen Text einstellt, bekommt dort sachliches, ehrliches und professionelles Feedback – eine echte Schule des Schreibens, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Das Beste daran: Alles geschieht in einem geschützten Raum, nichts dringt nach außen.

Ich kann jedem, der schreibt, nur empfehlen, dort einmal hineinzuschnuppern. Ich selbst habe lange still mitgelesen, bevor ich mich traute, einen eigenen Text einzustellen – und das erhaltene Feedback war ungemein hilfreich und aufschlussreich.

Natürlich freut sich der Verein auch über neue Mitglieder. Wer mitmachen möchte, reicht einen Text und ein kurzes Motivationsschreiben ein. Ich habe meinen Beitritt keinen Moment bereut – und bin dankbar für so viele spannende, talentierte und liebe Menschen, die, wie ich, das Schreiben lieben.

P.S.: Wer nächstes Jahr dabei sein möchte – der Wettbewerb ist offen für alle! Infos gibt’s zur gegebenen Zeit auf der Website der 42er Autoren: https://42er-autoren.de

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