von Rotraud Tomaske. Zuerst erschienen am 30. November 2024 auf der Webseite Leser-Welt.de
Die Grundidee der Handlung
In Brandenburg herrschte seit Mitte des 12. Jahrhunderts die Dynastie der Askanier, deren bekanntestes Mitglied – Albrecht „der Bär“ – sich 1157 erstmals selbst als „Markgraf in Brandenburg“ bezeichnete. Der Enkel seines Urenkels Johan I. war Waldemar der Große, der 1319 kinderlos starb. Sein Erbe wurde sein Vetter Heinrich I., der jedoch bereits ein Jahr nach ihm mit nur zwölf Jahren einer Krankheit erlag,und damit erlosch die Herrschaft der Askanier in Brandenburg.
Der Markgraf von Brandenburg hatte als einer von sieben Kurfürsten eine Stimme bei der Wahl des Römisch-deutschen Königs, daher war die Frage der Neuvergabe dieses Lehens von großer Bedeutung. Kaiser Ludwig IV. (der Bayer) – Onkel Heinrichs. I. – setzte 1323 seinen minderjährigen Sohn Ludwig als neuen Markgrafen ein und überging dabei die Erbansprüche von Herzog Rudolf I. von Sachsen-Wittenberg, der einer anderen Linie der Askanier entstammte und sich Hoffnungen auf die Mark gemacht hatte.
Als fast 30 Jahre nach dem Tod Waldemars des Großen ein Mann auftauchte, der behauptete, eben Jener zu sein, sah sowohl er, als auch der zu dieser Zeit regierende König Karl IV. aus dem Hause Luxemburg die Gelegenheit gekommen, sich des unbeliebten Wittelsbachers zu entledigen.
Silke Elzner stellt diesen, tatsächlich belegten, (Be)Trug sehr interessant und spannend dar und – wie von ihr gewohnt – mit großer historischer Genauigkeit.
Stil und Sprache
Ehrlich gesagt: Dies ist nunmehr das fünfte Buch, das ich von dieser Autorin für die Leser-Welt rezensiere und mittlerweile fallen mir kaum noch neue, überzeugende Adjektive ein, die meine wirkliche Begeisterung für die Wahl ihrer Themen und die hervorragende Umsetzung – sowohl sprachlich, als auch historisch authentisch – angemessen zum Ausdruck bringen.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig, die Seiten fliegen nur so dahin. Die Beschreibung von Pilgern jenseits der bekannten Kreuzzugserlebnisse – mit denen ich persönlich schon vor Jahren abgeschlossen habe – ist sehr berührend und nachvollziehbar. Nicht nur der Weg dorthin für einfache, tief gläubige Menschen, sondern auch die Verhältnisse, die im 14. Jahrhundert in Jerusalem herrschten, sind sehr gut und glaubwürdig geschildert. Silke Elzner hat Literatur und Lingustik studiert, und das merkt man in jedem Satz, bei jedem Wort. Da passt einfach alles zusammen und es ist immer wieder ein Genuss, ihre einzigartigen Geschichten zu lesen.
Figuren
Die Ereignisse erfährt der Leser fast ausschließlich aus der Sicht von Jakob – einer echten historischen Figur – wenn auch sein wahrer Name nur spekulativ ist. Einige Kapitel befassen sich zudem mit den Gedanken und Motiven des deutschen Königs Karl IV., der aus politischen Gründen den „Hochstapler“ anerkennt und zu seinem Werkzeug macht, um den verhassten Wittelsbachern zu schaden. Ob es sich wirklich so verhalten hat, kann heute niemand mehr sagen. Aber es lässt tief blicken, dass Jakob – nachdem er „seine Rolle gespielt“ hatte – scheinbar nicht bestraft wurde.
Dass über seine Person nicht wirklich viel bekannt ist, gab der Autorin die Möglichkeit, für ihn einen Lebenslauf zu gestalten, der zu seinem abenteuerlichen Handeln passt. Warum er auf Pilgerfahrt ging und wie er überhaupt an sein Wissen über den echten Waldemar und zu dem Ring kam, erzählt sie außerordentlich fesselnd und logisch. Es könnte durchaus so gewesen sein. Ludwig von Bayern und seine Frau Margarete Maultasch von Tirol waren als Beherrscher der Mark Brandenburg nicht sehr beliebt. Auch deren Charaktere werden sehr lebendig und treffend beschrieben.
Herzog Rudolf I. von Sachsen-Wittenberg und sein Schwiegersohn Albrecht aus der Dynastie der Askanier – aber mit den Markgrafen von Brandenburg nicht so nah verwandt, dass ihr Erbanspruch anerkannt wurde – beteiligen sich an der Intrige gegen Ludwig und hoffen, doch noch über den „falschen“ Waldemar ans Ziel zu kommen.
Aufmachung des Buches
Das Cover zeigt im Hintergrund die Ebstorfer Weltkarte. Sie entstand um 1300.
Jerusalem – ein wichtiger Schauplatz des Buches – befindet sich bei dieser Karte als Nabel der Welt in der Mitte. Darüber liegt als besonderer Blickfang das Siegel der Askanier in dunklem Rot.
Der Inhalt verteilt sich auf das Impressum, 14 Kapitel und ein – wie immer – sehr interessantes Nachwort der Autorin.
Fazit
Vom „falschen Waldemar“ habe ich schon einmal „irgendwo“ gelesen, mich aber nicht weiter mit ihm befasst. Silke Elzner hat mir in diesem spannenden Roman sein Leben und die Auswirkungen auf den Verlauf der Geschichte der Mark Brandenburg ein Stück näher gebracht.