Wie versprochen kommen hier die Geschichten, die mich durch das letzte Jahr getragen haben. Diese neun Bücher haben es in meine persönliche Bestenliste geschafft – jedes auf seine ganz eigene Weise besonders.
Ein kleiner „Transparenz-Check“ vorab: Alle diese Bücher (und die ca. 70 weiteren, die ich 2025 gelesen habe) sind selbst gekauft.
Beim Erstellen der Galerie ist mir allerdings etwas aufgefallen: Kein einziger deutschsprachiger Autor hat es diesmal in meine Top-Auswahl geschafft. Das liegt für mich ausdrücklich nicht an mangelndem Talent unserer Autoren, sondern an der aktuellen Auswahl und der mangelnden Risikobereitschaft der deutschen Verlage. Umso mehr habe ich diese internationalen Perlen genossen.
Schaut mal rein! Welches dieser Bücher habt ihr schon gelesen? Oder was war euer absolutes Jahreshighlight, das ich 2026 unbedingt auf die Liste setzen sollte?









Alison Espach: The Wedding People
Eine Frau will sich das Leben nehmen – und landet ausgerechnet in einem Hotel, in dem über mehrere Tage eine rauschende Hochzeit gefeiert wird. Sie verspricht, ihren Plan erst in einigen Tagen umzusetzen … und rettet auf mehr als einem Weg das Leben der Braut.
Was lächerlich klingt, ist tatsächlich streckenweise brüllend komisch. Eigentlich habe ich gezweifelt, dass mich dieses unwahrscheinliche Set-Up überzeugen würde, aber in dieser Geschichte sind so viele tolle Wahrheiten und schöne Momente, dass ich im Nachhinein nur meine Empfehlung aussprechen kann.
Ariel Lawhon: Der gefrorene Fluss
Ein Mord geschieht in den jungen amerikanischen Staaten, und eine Hebamme samt Familie steckt mittendrin in einem Gewirr aus Verschwörungen und Geheimnissen. Packende Histo mit “echter” Hauptfigur.
Eine authentisch geschriebene Geschichte mit einer faszinierenden Hauptfigur: Martha ist eine gestandene Frau mit erwachsenen Kindern (und einigen mehr, die vor dem Haus begraben sind). Die Liebe zu ihrem Mann ist herzerwärmend und reif. Der Kampf um ihren angeklagten Sohn glaubwürdig erzählt.
Dan Brown: The Secret of Secrets
Robert Langdon begleitet seine Freundin nach Prag und wird dort Zeuge seltsamer Phänomene. Ein Golem durchstreift die Gassen. Gleich mehrere Spionagedienste sind hinter einem tödlichen Geheimnis her. Wer ist Freund, wer Feind?
Dan Brown ist Dan Brown – entweder man liebt ihn oder man tut es eben nicht. Ich genieße gut erzählte Unterhaltung, die manchmal ins Abstruse und Mysteriöse abdriftet. Und in diesem Fall hat es mich dazu inspiriert, mal wieder nach Prag zu reisen – ist ja auch nicht verkehrt. Natürlich ist alles ein wenig überzogen, aber warum nicht?
Kaliane Bradley: Das Ministerium der Zeit
In diesem Genremix holt die Regierung zum Tode geweihte Leute in die Gegenwart, um mit ihnen die Probleme der Zukunft zu lösen. Eine junge Frau muss sich um einen dieser Zeitreisenden kümmern – Graham Gore, ein sexy viktorianischer Held.
Dieses Buch hat mich echt überrascht – und auch die durchwachsenen Stimmen dazu. Jeder muss sich da selbst seine Meinung bilden. Ich fand es spannend, unterhaltsam, lustig und auch sexy. Graham Gore ist eine echte Person, und die Autorin hat seinen Charakter wunderbar eingefangen. Wen kümmert da die abgedrehte Metaphorik der Autorin?
Larry McMurtry: Lonesome Dove
Pulitzerpreis gekrönt. Ein Cowboy-Duo, das das Unmögliche wagt: Eine riesige Rinderherde von Texas nach Montana zu treiben, der letzten Wildnis der USA. Natürlich dürfen Indianer, Banditen und starke Frauen nicht fehlen.
Eigentlich nicht mein Genre, aber quasi ja auch ein historischer Roman. Voller Landschaften, schräger Charaktere, echter Gefahren und tollen Entwicklungen. Leider nicht auf Deutsch erhältlich und vor mehr als vier Jahrzehnten verfilmt und daher blechern. Aber das Buch war einfach super.
Shelby Van Pelt: Das Glück hat acht Arme
Ein junger Mann auf der Suche nach seinen Wurzeln. Und wer weiß alle Antworten? Natürlich der Oktopus im örtlichen Aquarium. Eine liebevoll erzählte Familiengeschichte über Liebe und die wahre Herkunft.
Eigentlich ist die Geschichte werder sonderlich überraschend, noch herausragend, aber die Zugabe eines Oktopusses (Oktopussi?) macht sich ungleich schöner, liebenswerter und einfach kuschelig. Wer mal wieder etwas lesen will, das Ja sagt zum Leben, der ist hier blendend aufgehoben.
David Mitchell: Unruly
Wer des Englischen mächtig ist und sich für Monarchen interessiert, kommt um dieses brüllend komische Buch von Komiker David Mitchell nicht drumherum. Seine Wortspiele, Ansichten und Erklärungen sind erfrischend und neu.
Ein Zufallsfund, den ich besonders Rebecca-Gable-LeserInnen ans Herz legen möchte. David Mitchell ist kein Historiker, aber er hat gründlich recherchiert und trockene britische Geschichte so herrlich unterhaltsam aufbereitet, dass man nur so durch die Seiten fliegt (und nebenher noch etwas lernt).
Liz Moore: Der Gott des Waldes
Ein Sommercamp in einem düsteren Wald, und ein Kind, das verschwindet. Der Kriminalfall bringt alte Geheimnisse wieder hoch und klärt einen bis dato ungelösten Mordfall. Spannend bis zur letzten Sekunde.
Ich finde, es sollte viel mehr solche Krimis geben: Erzählt auf zwei Zeitebenen, aus verschiedenen (glaubwürdigen) Perspektiven und mit einem perfekten atmosphärischen Hintergrund (hier: der düstere Wald). Von der ersten bis zur letzten Seite ein Genuss.
Robert Harris: Konklave
Der Papst ist tot, und die Kardinäle kommen zusammen, um einen neuen zu wählen. Wer wird das Rennen machen? Und was tut man, wenn draußen (gefühlt) die Welt untergeht, die Papstwahl aber nicht gestört werden darf?
Das Buch hatte dieses Jahr eine akute Aktualität für mich, denn wir hatten ja auch eine Papstwahl. Dank der detaillierten Beschreibung der Vorgänge wusste ich nun also genau, was eigentlich in der Sixtinischen Kapelle passiert. Übrigens auch wunderbar verfilmt mit Ralph Fiennes!