Nun hat es mich also doch erwischt. Ich bin auf ein KI-Produkt hereingefallen. Na ja, um ehrlich zu sein: Mein Mann ist darauf reingefallen – aber mir hätte es genauso gut passieren können. Amazon trägt hier definitiv eine Mitschuld.
Die Falle schnappt zu
Vor einigen Wochen hatten wir die grandiose Idee, uns eine Kompressor-Eismaschine zuzulegen. Wir recherchierten, wählten ein Modell und bestellten. Während des Bezahlvorgangs ploppte der klassische Vorschlag auf: „Wird oft zusammen gekauft“. Ein Rezeptbuch. Das Cover war bunt und fröhlich, das Bild einer Frau in einem Kreis wirkte professionell gestaltet. Wir dachten: Warum eigentlich nicht? Die 13 Euro extra tun nicht weh, und Rezepte brauchen wir sowieso.
Ein paar Tage später kam das Paket an. Schon das Format des Buches überraschte mich: großformatig und glänzend, erinnerte es eher an diese XXL-Rätselhefte, die man für den Strandurlaub kauft. Aber gut, für ein Rezeptbuch schien das erst mal nicht völlig unpassend.
Der „Aha“-Moment in der Küche
Die Ernüchterung kam, als ich die Maschine das erste Mal testen wollte. Das Buch war miserabel gesetzt. Es wirkte wie ein Stapel wahllos zusammengeklebter Word-Dokumente. Mein erster Gedanke: Hat hier eine engagierte Hausfrau am PC gewerkelt? (Nichts gegen Hausfrauen, ich spreche hier aus eigener Anschauung – es wirkte einfach wie für die eigene Tochter abgetippt). Der Druck war schwarz-weiß, die Überschriften plump mit Balken hinterlegt. Kurzum: Die Aufmachung war billig.
Dann fiel mein Blick auf die Details, die mich die Augen rollen ließen: Statt echter Food-Fotografie gab es nur zwei, drei völlig kitschige, überzogene Grafiken, die eindeutig von einer KI generiert worden waren.
Wenn die Logik baden geht
Trotzdem gab ich dem Ganzen eine Chance, bis ich das Rezept für Schokoladeneis aufschlug. Die Vorbereitung sah vor, erst mal einen kompletten Schokopudding zu kochen. Ernsthaft? Auf diesen Aufwand hatte ich keine Lust. Ich griff stattdessen zum beigelegten Heftchen der Maschine, fand dort ein simples Rezept und das Eis war lecker.
Abends beim Fernsehen erzählte ich meinem Mann von dem Reinfall, und plötzlich fielen die Puzzleteile an ihren Platz:
- Kein ordentliches Impressum, nur zwei Namen.
- Einleitungstexte, die absolut nicht zu den Rezeptanweisungen passten.
- Rezepte, die mehrfach vorkamen und im Inhaltsverzeichnis völlig chaotisch sortiert waren.
Nichts an diesem Buch stimmte.
Das Rätsel der 4,4 Sterne
Der Blick zurück auf Amazon machte mich fassungslos: Das Buch hat über 900 Bewertungen und einen Schnitt von 4,4 Sternen. Wie ist das möglich? Bei genauerer Recherche fand ich zwar ein paar kritische Stimmen, doch die wurden von einer Flut aus Lobhudeleien förmlich erstickt. Diese Rezensionen müssen gekauft sein. Dieses „Buch“ ist kein Buch – es ist eine Geldmaschine für Leute, die mit minimalem Aufwand die schnelle Nummer bei Amazon schieben wollen.
Mein Fazit: Eine Vertrauenskrise
So leid es mir tut, aber an diesem Punkt ist mein Vertrauen in Rezeptbücher von Self-Publishern erst mal dahin. Ich habe das Buch storniert (was zum Glück problemlos ging) und nach einer Alternative gesucht.
Dabei wurde mir eines klar: Am Cover lässt sich heute kaum noch erkennen, ob ein Buch aus einem Verlag stammt oder nicht. Versteht mich nicht falsch – ich bin selbst Self-Publisherin. Aber bei Rezepten verstehe ich keinen Spaß. Ich glaube kaum, dass eine Einzelperson ohne Testküche 50 Eisrezepte adäquat geprüft hat.
Das Erstaunliche: Es ist gar nicht so einfach, gezielt nach Verlagsbüchern zu suchen. Amazon bietet dafür keinen Filter an. Teilweise sehen die Bücher der Verlage in diesem Bereich sogar weniger „poliert“ aus als der KI-Müll (Stichwort: Comic Sans).
Mein Appell an die Verlage:
Es ist höchste Zeit, auf Marke zu setzen! Eure Cover brauchen einen Wiedererkennungswert über das gesamte Programm hinweg. Das Verlagslogo muss sichtbar sein, denn eure Qualität droht im KI-Sumpf unterzugehen. Ich habe bisher jedenfalls kein neues Buch gefunden, das mich online überzeugt hat – meinen nächsten Kauf werde ich definitiv wieder in einer traditionellen Buchhandlung tätigen.
Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr auch schon auf KI-Schrott hereingefallen? Woran habt ihr es gemerkt und wie habt ihr reagiert?
Bild: -Rita-👩🍳 und 📷 mit ❤ from Pixabay